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Kinder in Frankfurt Der wilde Spielplatz

Auf Frankfurts ältestem Abenteuerspielplatz wird gebaut, getobt und gezündelt. Auch für ernste Themen haben die Betreuer ein offenes Ohr.

Abenteuerspielplatz Riederwald
Die Stammgäste des Abenteuerspielplatzes nennen sich „Abi-Kids“. Foto: peter-juelich.com

John Leicher sieht das so: Was früher einmal städtische Brachflächen und verwaiste Baustellen waren, ist heute der Abenteuerspielplatz. Der 62-jährige hat den wilden Spielplatz im Herzen des Riederwalds im Jahr 1973 mitgegründet. Damals war er 17 Jahre alt und damit selbst fast noch ein Kind. „Wir hatten ein Haufen Holzbretter und dann haben wir einfach losgelegt.“

Holzbretter, Nägel und ein bisschen Werkzeug: Viel mehr braucht es bis heute nicht. „Die Idee ist, dass Kinder sich ihren Spielraum selbst gestalten“, erklärt Leicher. Das Ergebnis sind abenteuerliche Konstruktionen, wie der mehrstöckige „Hermann-Turm“ am Eingang des Spielplatzes, oder das verwinkelte Labyrinth aus Holzbrettern. Sogar einen Pool samt Rutsche haben die Kinder und Jugendlichen zusammengezimmert. „Nichts hier ist statisch“, sagt Leicher. Früher oder später müsse jede Hütte platt gemacht werden. Macht aber nichts: Irgendwo muss ja Platz für neue Bauprojekte entstehen.

Wer sich mit einer eigenen Häuschen auf dem Spielplatz verewigen möchte, muss seine Pläne vorher mit Leicher oder seinen Kollegen besprechen. „Manche Kinder denken, dass man eine Hütte an einem einzigen Nachmittag bauen kann“, sagt der Sozialpädagoge. „Die müssen dann erstmal eine ältere Hütte reparieren.“ Nur so bekämen sie eine realistische Vorstellung. Wer danach immer noch Lust hat, kann loslegen. Hilfe bekommen sie von erfahrenen Hüttenbauern und den Platz-Betreuern.

„Die motorischen Fähigkeiten sind teilweise am Anfang sehr eingeschränkt“, sagt Leicher. Viele wüssten zunächst nicht, wie sie den Hammer halten oder wie man am besten ein Brett zurechtsägt. Während des Bauens ändert sich das: „Ich habe hier tolle Entwicklungen erlebt. Die meisten brauchen nur ein bisschen Raum um sich auszuprobieren.“

Für manche Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil ist der Abenteuerspielplatz so etwas wie ein zweites Zuhause. Rund 40 Kinder kommen nahezu täglich. Im Riederwald kursiert für diese Gruppe sogar ein eigener Name: Die Stammgäste des Abenteuerspielplatzes nennen sich „Abi-Kids“. „Das ist hier fast schon ein Titel“, sagt Leicher und lacht.

Marcel, Leon, Tobias und Marko gehören dazu. Seit rund fünf Jahren kommen die Freunde mehrmals die Woche auf den Platz. Was ihnen hier gefällt? Das Bauen und zündeln. Denn auch das ist hier möglich: In der Platz-Mitte ist eine Feuerstelle, und so sieht man manchmal schon aus der Ferne eine kleine Rauchsäule über dem Platz aufsteigen. Heute toben die vier aber auf dem Trampolin, das sie gemeinsam aufgebaut haben.

Offen sind die Tore des Abenteuerspielplatzes nur, wenn die Mitarbeiter auf dem Platz sind. Leicher und seine Kollegen verwalten nicht nur das Werkzeug oder helfen beim Bauen. Sie sind auch jederzeit ansprechbar für die Kinder und Jugendlichen, etwa wenn sie Probleme in der Schule oder der Ausbildung haben. Im Riederwald lebten viele alleinerziehende Eltern, die berufstätig sind, erzählt Leicher. „Da sind wir dann wichtige Ansprechpartner.“

„Mit John kann man immer reden“, bestätigt Justin. Der 17-jährige hat seine halbe Kindheit und seine ganze Jugend auf dem Platz verbracht: Als er vier Jahre alt war, durchschritt er zum ersten Mal die Pforten des Abenteuerspielplatzes – und blieb. Früher war er nahezu jeden Tag hier. Mittlerweile kommt er seltener, weil er viel für die Schule lernen muss.

Justin ist jetzt so alt, wie Leicher damals, als er mit den ersten Holzbrettern auf einer Grünfläche im Riederwald loslegte. An der Grundidee hat sich in den letzten 45 Jahren nicht viel geändert: Ein bisschen Holz, ein bisschen Werkzeug. Und viel Raum fürs Ausprobieren und wild sein.

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