Lade Inhalte...

Kaiserpfalz Franconofurd Geschichte zum Anfassen

Der frühere Archäologische Garten eröffnet als Kaiserpfalz Franconofurd im Untergeschoss des Stadthauses.

Rekonstruktion eines römischen Schwitzbads
Rekonstruktion eines römischen Schwitzbads mit Heizsystem, wie es um 75 nach Christus ausgesehen haben mag. Foto: Christoph Boeckheler

Der Kaiser kam höchstselbst! Das rote Kleid überspannte seinen vollen Bauch, die goldene Krone schmückte sein Haupt. „Wo haben Sie das Wasser her“, fragte er im Vorbeilaufen – dabei hätte Kaiser Carl am Dienstag doch allen Grund gehabt, zum Schaumwein zu greifen. Die „Kaiserpfalz Franconofurd“, früher als Archäologischer Garten bekannt, wurde wieder eröffnet. 

Der kostümierte Kaiser Carl Maria Schulte wäre einst gerne Oberbürgermeister geworden, nun verschwand er mit seinem Gewand in der Menge. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) trat ans Mikrofon und nannte die neu eröffnete Kaiserpfalz im Untergeschoss des Stadthauses den „Kristallationskern“ der Frankfurter Geschichte. Tatsächlich seien auf dem Domhügel zivilisatorische Spuren aus einer Zeit von vor 10 000 Jahren nachgewiesen, sagte Wolfgang David, der Leiter des Archäologischen Museums. Das Museum betreut die Kaiserpfalz, deren Steinbauten die ältesten der Altstadt sind.

Was ist neu an der Ausstellung? Die Mauern sind es nicht. Sie stammen unter anderem aus römischer und karolingischer Zeit und wurden mit einem dieser Zeit entsprechenden Mörtel wieder instandgesetzt. 

Seit Anfang der 1970er, als in der Altstadt brutalistische Zweckbauten in die Höhe schossen, durften die Besucher des Archäologischen Gartens auf den römischen und mittelalterlichen Mauern sitzen und laufen, Kaffee trinken und liegen. „Das Mauerwerk hat durch menschliche und tierische Einflüsse erheblichen Schaden genommen“, sagte Egon Wamers, der frühere Direktor des Archäologischen Museums, weshalb die Restaurierung notwendig gewesen sei. 
Wie viel mehr ist aber geschehen! Der Archäologische Garten wurde überbaut. Der Veranstaltungsraum des Stadthauses schwebt mit seinen goldenen Schuppen über den römischen Badeanlagen, den hochmittelalterlichen Hausfundamenten und den Mauerfragmenten der Königshalle der karolingischen Kaiserpfalz. Mit seiner Form soll der Veranstaltungsraum an die Königshalle erinnern. Wie Königshalle und Basilika ausgesehen haben, zeigt auch ein Modell aus Bronze. 

Neu sind auch die Leuchtkästen, „Lebensbilder“ genannt, die lebensecht über die römische Straßenstation auf dem Römerberg (um 150 nach Christus) und die karolingische Pfalzanlage (um 860 nach Christus) informieren.

„Das hat eine größere memorische Wirkung als alle bewegten und betatschten Wechselbilder“, sagte Wamers, der für die Inhalte der neuen Ausstellung verantwortlich ist. Außerdem sei die museale Präsentation robust und weitestgehend wartungsfrei. 

In der Ausstellung hinzugekommen ist das römische Schwitzbad mit dem dazugehörigen Heizsystem sowie Displays und Schaubilder, die Hintergründe zur Ausstellung liefern. Die Ausstellung ist den ganzen Tag geöffnet und frei zugänglich - nur nachts werden die schweren Rollgitter heruntergelassen. Ein Aufzug fährt gehbehinderte Besucher vom Eingang am Markt ins Untergeschoss. 

Bald schon erinnerten sich am Dienstag die Gäste an den früheren Komfort. Sie lehnten sich an den schweren Steinen an, manche setzen sich darauf. Nur springen wollte keiner. Noch nicht!
Kaiser Carl tauchte übrigens am Kuchenbuffett wieder auf. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen