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IGS Nordend Sodexo will mit frischer Küche überzeugen

Eltern, Schüler und Lokalpolitiker kritisieren den Betreiberwechsel an der Kantine der IGS Nordend. In Zukunft soll nun Großcaterer Sodexo frisch vor Ort kochen.

Kantine
Großküche der Kantine in einem Berufskolleg in Düsseldorf (Symbolbild). Foto: Imago

Eine Demonstration, eine Petition, eine Social-Media-Kampagne und zahlreiche Aufrufe – nachdem das Stadtschulamt bekannt gab, dass der bisherige Caterer Cantina Buen Barrio ab dem Sommer nicht mehr die Kantine der IGS Nordend bewirtschaften wird, protestieren Schule, Eltern und Ortspolitik. Eltern starteten im Internet eine Petition, an der sich bislang rund 3000 Menschen beteiligten. Sie fordern, dass das Team von Köchin Sandra Beimfohr weiter an der Schule bleibt.

Schulleiter Uwe Gehrmann und Eltern verweisen darauf, dass Beimfohr Bestandteil der Schulgemeinschaft ist, sich bei schulischen Aktivitäten einbringe und ein offenes Verhältnis zu den Schülern pflege. „Es gibt keine Veranlassung für einen Betreiberwechsel“, heißt es in einem Brief des Schulelternbeirats. Er fordert, dass Beimfohr ihr Konzept nachbessern dürfe, immerhin handele es sich nur um formale Fehler, etwa dass sie keine E-Mail-Adresse für das Beschwerdemanagement angegeben hatte. Nach neun Jahren an der Schule verlor Beimfohr bei der neuerlichen Ausschreibung der Stadt. Das Verfahren findet mit einem Fragebogen nach EU-Richtlinien statt.

Stark kritisieren Beteiligte auch, dass sie von der Stadt nicht bei der Entscheidung einbezogen wurden. „Wir lehren unseren Kindern Demokratieverständnis und Beteiligung – und dann werden solche Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg getroffen. Das schafft Politikverdrossenheit“, sagt Gehrmann. Auch die Lehrerschaft selbst nutzt die Mensa und hält dort ihre Weihnachtsfeiern ab.

Die Stadtteilgruppe der FDP spricht von einem „skandalösen Vorgehen“. Sie fordert Transparenz vom Stadtschulamt und den sofortigen Verfahrensstopp. Ortsvorsteherin Karin Guder spricht von der Verdrängung einer Anbieterin, die nicht nur frisch koche, sondern auch qualitativ gute Arbeit leiste. „Sie geht flexibel auf Bedürfnisse der Schulgemeinde ein“, sagt die Grünen-Politikerin. Sie verweist darauf, dass Cantina Buen Barrio frisch vor Ort koche, und mit Sodexo durch einen Großcaterer ersetzt würde, „der die Schulen von 55 Produktionsstandorten aus beliefert.“

Sodexo kann die Aufregung nicht verstehen. Den Zuschlag erhielt die Firma noch nicht, die Vertragsunterzeichnung ist für den 3. April geplant. „Das Frischküchen-Konzept ist ein wesentlicher Baustein der Verpflegung an der IGS“, sagt Sprecher George Wyrwoll. „Wir überzeugen durch Speisen nach Vorgaben und Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und gewährleisten eine ernährungsphysiologisch optimal ausgewogene Menüfolge.“

Man werde die IGS Nordend nicht beliefern, sagte er, sondern vor Ort mit einem Team kochen – mit regionalen Produkten. „Darüber hinaus gehen wir soweit wie möglich auf individuelle Wünsche und regionale Gewohnheiten ein.“ Laut Wyrwoll wird schon an einigen Frankfurter Schulen vor Ort frisch gekocht, etwa an der Albert Schweitzer-, der Marie-Curie- und der Dahlmann-Schule.

Eltern kündigten bereits einen Boykott an, sollte das Stadtschulamt an seiner Entscheidung mit Sodexo festhalten. Sie wollen in dem Fall eine eigene Verpflegung organisieren. An anderen Schulen führte diese Art des Protests bereits zum Erfolg. Kritik gab es an Sodexo, die bis 2014 auch etliche Kitas in Frankfurt versorgte, bundesweit immer wieder. 2012 erkrankten mehr als 11 000 Kinder und Betreuer an verseuchten Tiefkühl-Erdbeeren aus China.

Obwohl derzeit Osterferien sind – die Schule vermutet gar, wegen des vom Stadtschulamt befürchteten Protests deshalb erst am Donnerstag informiert worden zu sein – machen dieSchüler mobil. Sie hatten am Freitag ihre Schule mit Postern plakatiert und in den sozialen Netzwerken unter den Hashtags #MensaRetten und #IGSfürgutesEssen Fotos gepostet.

Unterstützung gibt es nicht nur von direkt Beteiligten. Daniel Wolf ist Lehrer einer Förderschule: „Ich weiß, wie wichtig es ist, dass Schüler täglich erleben können, wie ein gutes Essen hergestellt wird“, sagt er. Nur dadurch könne ein achtsamer Umgang mit der Natur gelernt werden.

 

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