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Günthersburgpark Frankfurt Abgespecktes Stoffel-Programm trübt die Stimmung

Im Frankfurter Günthersburgpark hat das Stoffel-Festival begonnen. In diesem Jahr hat das Open-Air-Festival mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen.

Stoffel Festival im Günthersburgpark Frankfurt
Im Günthersburgpark lässt es sich gut stoffeln. Foto: Monika Müller

Bevor sie für diesen Tag untergeht, taucht die Sonne den Günthersburgpark am Samstagabend noch einmal in ein warmes Licht. Die Stimmung auf dem diesjährigen Stoffel-Festival ist locker und entspannt. Von der Bühne ertönen sanfte E-Gitarren-Klänge, als Yusuf Sahelli und seine Band ihren Auftritt beginnen. Ihr Sound, irgendwo zwischen Indie-Rock, Folk und Pop, klingt wie gemacht für einen lauen Sommerabend wie diesen, und so haben viele Zuschauer den Weg in den Park gefunden. Die aufgestellten Biertischgarnituren sind voll besetzt, vor der Bühne spielen Kinder, im hinteren Teil des Festivals sitzen Zuschauer, jung wie alt, und picknicken.

So neigt sich der zweite Tag des Stoffels seinem Ende zu. Das kostenlose Kulturfestival, welches das Stalburg-Theater bereits zum vierzehnten Mal veranstaltet, muss sein Programm in diesem Jahr zurückschrauben: Aufgrund massiver Beschwerden und Klagedrohungen einer Anwohnerin sind die Veranstalter einen Kompromiss eingegangen, um die Durchführung des Festivals zu gewährleisten: Das Festival geht zwar nach wie vor vier Wochen lang, doch es gibt nur an 18 Tagen reguläres Bühnenprogramm. An den übrigen zwölf Tagen heißt es „Stoffel ausgestöpselt“: Die Verstärker bleiben aus, dafür bieten die Veranstalter unter anderem Spieleabende, gemeinsames Yoga und Kampfkunst-Vorführungen an. Nichtsdestotrotz rechnen sie mit Umsatzeinbußen.

„Stoffel ausgestöpselt“ findet wenig Gefallen

Bei vielen Zuschauern stoßen die Anwohnerbeschwerden auf Unverständnis. „Ich finde, ein Sommerfestival lebt davon, dass man Musik hört, Theaterprogramm hat und picknicken kann“, sagt eine Frau, die an diesem Samstag extra aus Wiesbaden angereist ist. Für das „ausgestöpselte“ Programm würde sie nicht extra nach Frankfurt fahren, versichert sie. „Das ist wirklich sehr schade. Das Festival ist ja auch nur einmal im Jahr“, pflichtet ihre Begleiterin ihr bei.

Am Samstag merkt man noch nichts von den Abstrichen, die das Stalburg-Theater am diesjährigen Stoffel machen musste. „Schönes Wetter, schöne Musik, gutes Bier“, fasst eine junge Frau den Abend zusammen. Doch auch sie findet es schade, dass der Stoffel in diesem Jahr nur abgespeckt stattfinden kann. Zu den ruhigen Programmtagen werde sie nicht kommen, erzählt sie: „Da kann ich auch normal in den Park gehen.“

Das sehen nicht alle so: „Die Idee mit den Chören finde ich nicht schlecht“, berichtet ein älterer Herr, der das Ersatzprogramm interessant findet. Er werde auf jeden Fall auch an den „ausgestöpselten“ Tagen auf dem Stoffel vorbeischauen. „Ich wohne gleich hier um die Ecke, und der Stoffel ist in all den Jahren gewissermaßen ein Treffpunkt aus dem Viertel geworden“. Doch auch er befürchtet, dass weniger Leute zum Stoffel kommen und dadurch Umsatzeinbußen drohen. Er schlägt eine ungewöhnliche Lösung vor: „Eigentlich wäre es doch am besten, der Querulantin drei Wochen Urlaub zu bezahlen“.

Nicht alle Besucher reagieren mit Unverständnis auf die Anwohnerbeschwerden: „Ich denke, es soll eine Veranstaltung des Miteinanders sein“, meint eine Zuschauerin, die den Kompromiss gut findet. Auf der einen Seite müsse man auf die Anwohner und deren Bedürfnisse Rücksicht nehmen, auf der anderen Seite sei der Stoffel „mittlerweile eine Institution in Frankfurt“. Sie werde mit ihrer Familie auch an den ruhigen Tagen auf das Festival gehen, da sie in der Nähe des Parks wohnten.

Ob es reicht, wenn an den „ausgestöpselten“ Tagen nur Anwohner den Weg auf den Stoffel fänden, wird sich zeigen. Dass das Festival allerdings an den regulären Programmtagen und bei schönem Wetter viele Besucher anlocken kann, daran lässt dieser Samstag keine Zweifel.

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