Lade Inhalte...

Gedenken in Frankfurt Frühschoppen am Jahrestag der Bücherverbrennung?

Grüne und Linke fordern die Stadt Frankfurt auf, den Römerberg-Frühschoppen einer Verbindung an einen anderen Ort zu verlegen. Das Gedenken an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 gehe vor.

Römerberg
Erinnerung an die Bücherverbrennung in Frankfurt (Archivbild). Foto: Michael Schick

Dass sich die Studentenverbindung Straßburger KDStV Badenia in Frankfurt am 10. Mai, dem 85. Jahrestag der Bücherverbrennung, auf dem Römerberg zum Frühschoppen treffen darf, obwohl die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) dort an die „Aktion gegen den undeutschen Geist“ erinnern will, stößt in der Frankfurter Stadtpolitik auf Kritik. „Für uns ist klar: Das Gedenken an die Bücherverbrennung hat Vorrang vor dem Vatertags-Frühschoppen“, sagt Manuel Stock, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer. Das Gedenken nicht auf dem Römerberg als „Ort der Schande“ und der Gedenkplatte, die an die Frankfurter Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 erinnert, stattfinden zu lassen, „wäre geschichtsvergessen und falsch“.

Die Grünen fordern die Studentenverbindung nun auf, „Geschichtsbewusstsein zu zeigen und ihren Frühschoppen an einen anderen Platz zu verlegen“. Das Ordnungsamt wiederum müsse alles unternehmen, damit das Gedenken an die Bücherverbrennung würdevoll auf dem Römerberg stattfinden könne. Er hätte sich gewünscht, dass das Amt schon bei der Anmeldung des Frühschoppens sensibel auf das Aufeinanderfallen von Christi Himmelfahrt und dem Jahrestag der Bücherverbrennung reagiert und zunächst abgewartet hätte, ob eine Gedenkveranstaltung geplant ist.

Linke sehen falsches Signal

Die Linke fordert die Stadt auf, das „Trinkgelage - so es denn stattfinden muss – auf den Paulsplatz auszulagern“ und den Römerberg für ein würdevolles Erinnern dem VVN zu überlassen. Gerade weil sich Antisemitismus, Ausgrenzung und rechtsnationales Gedankengut ausbreiteten, sei die Erinnerung an die Verbrechen des Faschismus wichtiger denn je und sollte höchste Achtung erhalten, sagt der Stadtverordnete Michael Müller. Am Jahrestag der Bücherverbrennung einer konservativen Studentenverbindung ein Trinkgelage am Römer zu gestattet, sei dagegen geschichtsvergessen und ein falsches Signal.

„Ich hoffe, dass den Burschenschaften die „Benutzung“ des Römerbergs noch verwehrt wird“, schrieb die Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) am Mittwoch auf Twitter.

Das Ordnungsamt hatte den Frühschoppen, zu dem die katholische Verbindung seit Jahren für den 10. Mai einlädt, wie die FR berichtete, nach eigenen Angaben bereits genehmigt, als die Versammlungsankündigung der VVN eintraf. Daraufhin versuchte das Ordnungsamt, die Veranstaltungen zeitlich zu entzerren – jedoch ohne Erfolg. Die VVN will deshalb nun auf den Paulsplatz ausweichen, fordert das Ordnungsamt aber auf, strenge Auflagen für den Frühschoppen zu machen. Sie wirft der Behörde vor, einem Trinkgelage von Burschenschaften den Vorrang vor dem Gedenken an die Bücherverbrennung zu geben.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen