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Frankfurt-Nordend Ungewöhnliche Vielfalt

Seltene Brutvögel und Käfer leben einem Flora- und Fauna-Gutachten des Senckenberg-Instituts auf dem Areal des geplanten Innovationsquartiers. Die Stadt will die Ergebnisse in den weiteren Planungsprozess einbeziehen.

Planungswerkstatt zum Innovationsquartier hier die Kleingärten
Das Senckenberg-Institut hat für das Areal ein Flora- und Fauna-Gutachten erstellt. Foto: Monika Müller

In den Klein- und Freizeitgärten rund um den Günthersburgpark leben zahlreiche bemerkenswerte oder geschützte Tiere, vor allem Vögel, Wildbienen, Ameisen, Käfer und Fledermäuse. Durch den Bau des Innovationsquartier würde sich deren Anzahl massiv reduzieren, einige Vogelarten würden wegziehen. Selbst wenn Grünflächen erhalten blieben, wären die Störungen durch Baulärm und später durch die Anwohner zu groß. Zu diesem Ergebnis kommt das Flora- und Fauna-Gutachten des Senckenberg-Instituts. Sie sehen aber keine Notwendigkeit, den Bau des Innovationsquartiers zu verhindern.

Die Biologen haben das Gebiet zwischen Dortelweiler Straße und Friedberger Landstraße innerhalb eines Jahres mehrfach besucht und dokumentiert, was sie vorfanden. Besonders die Klein- und Freizeitgärten an der Grenze zum Wasserpark wiesen ihren Beobachteungen zufolge einen hohen Strukturreichtum mit vielen alten Bäumen auf.

Von den 226 Farn- und Samenpflanzen werden eine bestimmte Orchidee und die Gewöhnliche Eseldistel als besonders schützenswert betrachtet. Während sich die Orchidee zunehmend im Stadtgebiet ausbreitet, war die Eseldistel ein Einzelexemplar. Die Biologen gehen daher davon aus, dass sie ohnehin verschwinden wird, unabhängig einer Bebauung. Bei der Fauna handele sich ausschließlich um Wildwuchs.

Drei verschiedene Arten von Fledermäusen nutzen zudem das Areal, allerdings eher als Jagd- und Durchflugsgebiet und weniger als Quartier. Zwergfledermaus und Großer Abendsegler seien zudem die zwei häufigsten Fledermausarten in Frankfurt, dazu kommt der Kleine Abendsegler. Die Population wäre, so das Senckenberg-Institut, nicht gefährdet.

Anders sieht das bei den Vögeln aus. 46 Vogelarten wurden in dem Gebiet gesichtet, darunter Mäusebussard und Grünspecht. Außergewöhnlich hoch sei der Anteil der Brutarten: Erwartet wurden 22, tatsächlich sind es aber 30. „Das liegt am hohen Anteil von Gehölzen auf fast der gesamten Fläche“, schreiben die Autoren. Gleich vier Brutpaare gibt es unter den Gartenrotschwänzen. Insgesamt sind davon nur 2500 bis 4000 Paare in ganz Hessen bekannt. Auch Girlitz, Grünspecht, Haussperling und Türkentaube brüten auf dem Areal.

Eine geschützte Hummel- und eine Hornissenart wurden ebenfalls gesichtet, hinzu kommen zahlreiche Bienen- und zwei gefährdete Ameisenarten. Diese haben ihren Lebensraum in alten Bäumen mit Totholz. Dort leben auch Käfer und andere Insekten, die allerdings nicht spezifisch untersucht wurden. Deshalb empfehlen die Biologen die zusätzliche Aufnahme in eine Untersuchung von Bienen, Käfer und Ameisen zwischen März und September.

„Überraschend ist das Ergebnis nicht“, sagt der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert. „Dass dort Fledermäuse und Brutvögel leben, war klar.“ Das Flora- und Faunagutachten werde in den weiteren Planungsprozess einbezogen. Das Dezernat will sich dabei an Empfehlungen der Biologen orientieren, die etwa künstliche Quartiere beim Neubau vorschlagen. „Für manche Tiere werden wir Ersatzräume schaffen, andere schaffen sich diesen vielleicht selbst“, sagt Gellert. Man werde sich Tipps zum Umgang mit Tieren und Pflanzen einholen.

Die Bürgerinitiative „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ wiederholte hingegen ihre Forderung, die Planungen zu stoppen. „Das Gutachten hat bewiesen: Die Grüne Lunge bietet vielen geschützten Arten Lebensraum“, sagt Sprecher Peter Beckmann. Der innenstadtnahe Grünbereich habe eine wichtige Funktion für Menschen, Klima und Biotope.

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