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Frankfurt-Nordend „Man kann doch nicht alles zubauen“

Ein Bauherr errichtet 43 Wohnungen auf einem einst großzügigen Innenhof-Grundstück im Nordend. Anwohner fürchten, dass es künftig recht laut wird im Carré.

Nordend
Blick auf die Baustelle Mitte September. Foto: Mechthild Rühl

Bisher konnte sich Birgit Fritze nie beklagen. „Es war sehr luftig, sehr entspannt“, erzählt sie. „Bisher haben wir ruhig gewohnt.“ Und das im dichtbesiedelten Nordend. Doch damit könnte es schon bald vorbei sein. Im vergangenen Jahr wurde nämlich der große Hof auf der Rückseite ihrer Wohnung verkauft, im November rückten die Bagger an. Nun blickt Fritze auf eine Großbaustelle, wenn sie in ihrer Wohnung in der Elkenbachstraße aus dem Fenster schaut. „Jetzt steht da ein Riesenklotz“, sagt sie.

Zuvor habe das fünfeckige Grundstück, eingeschlossen von den Straßen Bäckerweg, Mauerweg, Elkenbachstraße, Baumweg und Gaußstraße, einer religiösen Gemeinschaft gehört, berichtet Fritze. Ein kleines Gemeindehaus und ein Wohnhaus hätten dort gestanden, sonst nichts. Nun entsteht dort ein großes Wohngebäude, manche Anwohner werden künftig auf grauen Beton starren, wenn sie auf dem Balkon sitzen. „Wir werden mit Verschattung zu tun haben, die Luftzirkulation wird schlechter werden, es gibt keine Sicht mehr wie bisher und es wird deutlich lauter werden“, zählt Fritze ihre Bedenken auf.

Bauherr Arthur Wiener wiegelt am Telefon ab und will nicht über das Projekt sprechen. Er bittet um Verständnis – er äußere sich grundsätzlich nicht öffentlich zu seinen Bauvorhaben. Uwe Amend, stellvertretender Leiter der Bauaufsicht Frankfurt, verrät, dass vier Vollgeschosse geplant sind, die 43 Wohnungen beherbergen.

Dazu solle es weitere Räume geben, die etwa für Arztpraxen oder Anwaltsbüros genutzt werden könnten, sowie eine Tiefgarage mit 25 Stellplätzen.

Einigen Anwohnern kam die Baustelle verdächtig groß vor. Amend bestätigt jedoch, dass bei der Planung alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Der Bauantrag sei von der Bauaufsicht genehmigt worden. Und: „Die Anzahl der Etagen entspricht den Festsetzungen des Bebauungsplans.“ Für Birgit Fritze ist das ein schwacher Trost. „Rechtens hin oder her, das ist eine massive Verschlechterung für uns“, klagt sie.

Bauprojekte wie das in Fritzes Hinterhof sind in Frankfurt keine Seltenheit. An vielen Stellen wird „nachverdichtet“ – wenn am Rand kein Platz mehr ist, werden eben die freien Flächen mitten in der Stadt aufgefüllt. Investoren und Bauherren rechtfertigen das oft mit dem hohen Bedarf an Wohnungen.

Birgit Fritze kann das nicht nachvollziehen. „Es gibt objektive Grenzen, die muss man akzeptieren“, findet sie. „Nur weil die Menschen im Nordend wohnen wollen, kann man doch nicht alles zubauen.“ Wenn sie gerne auf dem Römer wohnen wolle, würde ihr ja auch niemand ein Haus dort hin bauen. „Und man holzt ja auch nicht den ganzen Taunus ab, weil da alle hinziehen möchten.“

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