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Frankfurt-Nordend Händler im Nordend protestieren gegen Onlinekäufe

Ladeninhaber auf der Berger Straße im Nordend machen mit einer Aktion auf ihre Lage aufmerksam. Fünf Läden und einige Gastronomen sind derzeit von der Schließung bedroht.

Protestaktion
Schaufenster zu: Aktion der Einzelhändler auf der Berger. Foto: Rolf Oeser

Braunes Packpapier hängt am Samstagnachmittag in den Schaufenstern zahlreicher Geschäfte auf der Berger Straße. Die Interessengemeinschaft (IG) Untere Berger Straße hatte Ladeninhaber für Samstag und Sonntag dazu aufgerufen, ihre Auslagen zu verhängen.

Rund 30 Läden zwischen der U-Bahnstation Höhenstraße und dem Anlagenring sind dem Aufruf dann auch gefolgt. Damit wollen die Einzelhändler auf ihre hohen Verluste durch Bestellungen im Internet aufmerksam machen. Sie befürchten, dass sie ihre Läden schließen müssen, wenn weitere Kunden in die Online-Bestell-Welt abwandern.

Dennis Hog steht mit einer kleinen Papiertüte in der Hand am Samstag vor einem Bekleidungsgeschäft, wo er gerade ein T-Shirt gekauft hat. Der 37-Jährige wohnt mit seiner Frau in einer Nebenstraße. Die beiden kämen häufig zum Einkaufen auf die belebte Flaniermeile. Das Paar sei überrascht über die Aktion gewesen, berichtet Hog. „Man müsste meinen, dass die Geschäfte auf der Berger Straße gut laufen“, so seine Ansicht.

Gabriele Rittig, stellvertretende Vorsitzende der IG Untere Berger Straße und Inhaberin eines Buch- sowie Weinladens, dagegen sagt: „Wir wollen darauf hinweisen, dass unsere Umsätze seit den letzten Jahren radikal sinken“.

Ein Grund sei die Schließung des Elektronikmarktes auf der oberen Berger Straße vor mehr als vier Jahren gewesen. Dadurch sei die Laufkundschaft in den umliegenden Geschäften zurück gegangen. Neben „exorbitant hohen Mieten, die man auf der Berger nicht wieder einspielen“ könne, litten kleine Geschäfte aber vor allem unter der steigenden Zahl von Online-Käufen.

Mit ihrer Protest-Aktion wollen die Ladenbesitzer auch auf die Notwendigkeit verkaufsoffener Sonntage hinweisen. Gewerkschaften und Kirchenvertreter würden regelmäßig dagegen klagen. Dabei gehe es nicht darum, an jedem Sonntag zu öffnen. „Wir brauchen vier bis sechs Sonntage im Jahr“, sagt Rittig. Die Einnahmen daraus seien „existenziell“ für die Geschäftsinhaber.

Der Vorsitzende der IG, Kaweh Nameti, berichtet, dass derzeit fünf Läden, die Kleidung und Deko-Artikel verkauften, daneben aber auch Gastronomen, von einer Schließung bedroht seien, obwohl sie qualitativ hochwertige Produkte anbieten würden. Nameti, der ein Modegeschäft auf der Berger betreibt, hebt die Nachteile des Online-Shoppings hervor. „Anfassen, riechen, probieren und sich beraten lassen“, all das sei im Internet nicht möglich. Außerdem sparten sich die Kunden vor Ort die Lieferzeit.

Ann-Kathrin und David, die ihre Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchten, hat das verhangene Schaufenster einer Zoofachhandlung neugierig gemacht. Sie sind vor den Plakaten stehen geblieben, die über die Aktion der Einzelhändler informieren. „Das ist der normale Wandel der Zeit“ sagt David und ergänzt: „Es ist traurig, wenn Einzelhändler kaputt gehen“. Ann-Kathrin sagt: „Ich finde es sehr schade.“ Gerade Kleidung müsse man vor dem Kauf Probe tragen. Als „asozial“ bezeichnet die 30-Jährige es, wenn Kunden Kleidungsstücke im Laden anprobierten und dann im Online-Shop bestellten. Aus Bequemlichkeit ordere aber auch er im Netz, gibt David zu.

Das kommt für Julius Ossowski nur bei Artikeln in Frage, die er auf der Berger Straße nicht bekomme, sagt der 34-Jährige. Mit seiner Freundin Nathalie Czech schaut er sich Postkarten vor einem Buchladen an. „Man hat hier ja fast alles“, sagt Czech. Selten würden die beiden auf die Zeil zum Einkaufen fahren, online lediglich Sportartikel kaufen, die es auf der Berger nicht gebe. „Keine Massenprodukte und große Vielfalt auf einem kurzen Abschnitt“, so preist Ossowski die Einkaufsmeile vor seiner Haustür an.

Carolin Munte, Inhaberin eines Obst- und Gemüseladens, die fast ihr komplettes Schaufenster verhüllt, sagt: „Ich finde es wichtig, ein Zeichen zu setzen und auf die Konsequenzen aufmerksam zu machen“, wenn mehr und mehr Kunden nur noch online bestellten. Es gehe nicht darum, den Internethandel zu verteufeln. Kunden sollten sich aber vor ihrem Einkauf die Frage stellen: „Muss ich das im Internet bestellen, oder kann ich das auch auf der Berger bekommen?“

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