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Frankfurt-Nordend Die unbekannte Sicht der Gärtner

Grüne Lunge vs. 1500 neue Wohnungen: Im Nordend sollen Kleingärten weichen, damit Platz für das Innovationsquartier entsteht. Ein Film dokumentiert das Anliegen der Neubau-Gegner.

Aufkleber
Die Aufkleber der Bürgerinitiative Grüne Lunge kleben an vielen Zäunen der Kleingärten oberhalb des Günthersburgparks. Foto: Christoph Boeckheler

Das Innovationsquartier ist ein Bauprojekt im Nordend. Nördlich des Günthersburgparks sollen Klein- und Freizeitgärten weichen, um Platz für ein neues Viertel mit 1500 Wohnungen zu schaffen. Seit rund zwei Jahren wehrt sich die Bürgerinitiative Grüne Lunge am Park gegen die Bebauung. Die Stadt hat den Bau schon beschlossen.

Frau Hoffmann, wie sind Sie darauf gekommen, über die Grüne Lunge einen Film zu drehen?
Sabine Hoffmann: Es interessiert mich generell, wie Stadt sich verändert, wie gebaut wird, wie mit der Stadt umgegangen wird. Ich habe auch schon über das Gallus gedreht, dort gibt es viel Unzufriedenheit mit der Entwicklung des Viertels. In diesem Fall habe ich einen persönlichen Grund, denn ich habe einen Gemeinschaftsgarten in der Grünen Lunge, der dem Bau des Innovationsquartiers weichen soll, und habe die Entwicklung daher von Anfang an mitbekommen.

Können Sie einen neutralen Film machen, wenn Sie persönlich involviert sind?
Es ist eine größere Herausforderung, einen Film zu drehen, wenn man einen persönlichen Bezug hat, weil Distanz eine große Rolle spielt. Ich habe andere zu Wort kommen lassen und einen Querschnitt abgebildet.

„Bau(m)land“ ist ein 30-minütiger Dokumentarfilm. Was ist darin zu sehen?
Der Film erzählt das Thema aus Sicht der Kleingärtner. Es wurde im Bezug auf den Widerstand gegen das Innovationsquartier öfter von den egoistischen Kleingärtnern gesprochen, auch seitens des Dezernats. Es gab kaum den Raum, dass die Kleingärtner sich dazu äußern. Kleingärtner sagen, wie sie zu den Plänen stehen und warum sie sie ablehnen. Sie sprechen auch über die Bürgerbeteiligung, die von der Stadt so gelobt wurde. Es geht aber auch um die Diskussion, was man mit dem Gebiet sonst machen könnte. Die Kleingärtner sehen, dass ein Änderungsprozess notwendig ist.

Wie haben Sie Ihre Protagonisten gefunden?
Ich bin durch das Viertel gegangen und habe rund 20 Leute angesprochen. Ich habe zwei Männer, zwei Frauen und ein Kind ausgewählt. Es ist wichtig, dass jede Person einen neuen Aspekt einbringt. Allerdings sind alle gegen das Bauvorhaben. Ich habe unter den Freizeitgärtnern niemanden gefunden, der für das Bauvorhaben war.

Sind für Sie überraschende Aspekte zu Tage gekommen?
Unerwartet waren für mich die Kultur und die Geschichte der Kleingärten. Eine Frau hat erzählt, wie die Kleingärten nach dem Krieg das Überleben gesichert haben. Sie fragt sich, wie man überleben soll, wenn es keine Gärten mehr gibt und niemand mehr weiß, wie angepflanzt wird. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt für viele eine Rolle, die Kleingärten als Ort des Lernens.

Ist der Film nur etwas für Menschen, die sich schon mit der Thematik Innovationsquartier beschäftigt haben?
Nein, das Thema geht alle an. Das Innovationsquartier ist kein Frankfurter Problem, Grünflächen verschwinden in allen Großstädten. Mein Film soll zur Diskussion anregen, wann die Wachstumsgrenze erreicht ist, wie eine sinnvolle Bürgerbeteiligung aussehen kann und wie viel frische Luft wir in einer Stadt brauchen. Es geht darum, wie Stadt in Zukunft aussehen kann.

Ist der Film nicht tendenziös, wenn nur eine Seite zu Wort kommt?
Man hätte auch die Politik fragen können, das wäre ein anderer Ansatz gewesen. Aber die Sicht von den Kleingärtnern kommt in der Öffentlichkeit zu wenig vor. Es wurde nie auf Augenhöhe und nie ergebnisoffen diskutiert. Die Position der Stadt ist einfach bekannter.

Interview: Miriam Keilbach

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