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Frankfurt-Fechenheim Schauspiel für alle

Mit einem neuen Konzept will die Philharmonie Fechenheim jeden ansprechen: Kinder wie Erwachsene. Eine Woche vor Ostern wird es daher erstmals Theatertage im Stadtteil geben.

Frankfurt-Fechenheim
Die Philharmonie Fechenheim probt im Vereinszentrum Am Mainbörnchen. Foto: Christoph Boeckheler

Shakespeare-Fans müssen jetzt stark sein. „Wir machen kein Sein oder Nichtsein“, sagt Aniko Nagy. Die Philharmonie Fechenheim versteift sich also nicht auf Dramen des englischen Lyrikers aus dem 16. Jahrhundert. Der Amateurtheaterverein möchte alle ansprechen: „Es soll für jeden Fechenheimer etwas dabei sein.“

Um dem Anspruch gerecht zu werden, hat die Philharmonie ein neues Konzept ersonnen: die Fechenheimer Theatertage. Sie finden erstmals in der Woche vor Ostern statt. Geplant sind zwei Stücke an drei Tagen. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir frischen Wind ins Vereinsleben und nach Fechenheim bringen können“, sagt Nagy. Sie wird Regie führen.

Theater für alle – das heißt: Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene sollen auf ihre Kosten kommen. Die Kleinen durch das Stück „Tierisch was los“, angelehnt an das Brüder-Grimm-Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“. Das Interesse der Großen soll durch Geschlechtsverkehr geweckt werden.

„Mord durch Sex“ – so heißt die englische Komödie von Joan Shirley, die das Amateurtheater erstmals auf die Bühne bringt. „Es gibt schwarzen, britischen Humor“, verspricht Erik Barth. Der 28-Jährige, der ebenfalls Regie führt, hat sich das Stück ausgesucht: „Die Rollenprofile passen perfekt zu unseren Schauspielern.“ 90 Minuten dauert die Vorstellung, inklusive Pause.

„Die Leute haben sich auf die Karten gestürzt“, sagt Barth. Beide Termine für das Erwachsenenstück seien binnen zwei Wochen ausverkauft gewesen. „Die Leute haben das dringende Bedürfnis, direkt vor ihrer Haustür Theater zu sehen“, sagt Nagy.

Gut, Theater gab es in Fechenheim schon seit 1918. Damals gründete sich die „Vergnügungsvereinigung“, die sich bald darauf in „Theaterverein Philharmonie Fechenheim“ umbenannte. Allerdings gab es die Schauspiele nur an einzelnen Terminen – und nicht an mehreren Tagen am Stück. „Ein Konzept wie die Theatertage hat gefehlt“, sagt Barth. Es sei zunächst ein Versuch. Wenn das Projekt erfolgreich ist, will der Verein es im nächsten Jahr ausbauen. Passend zum Geburtstag, denn 2018 feiert die Philharmonie ihr 100-jähriges Bestehen.

Der Verein hat noch 60 Mitglieder von ehemals 140 und verfügt neben einem Theater- auch über ein Musikensemble. „Früher hatten wir eine große Big-Band und ein Philharmonieorchester“, schildert Vereinsvorsitzende Marion Berger. „Jetzt dominiert das Theater, da Musiker Geld verdienen wollen.“

Kulturliebhaber wissen: Ein Schauspieler lebt nicht nur vom Applaus, schon gar nicht Amateure. Deshalb gehen die 15 bis 20 Aktiven der Fechenheimer Philharmonie nebenher arbeiten. So auch Regisseurin Nagy. Bis vor zwei Jahren wusste die Sächsin gar nicht, dass es im Stadtteil eine Theatergruppe gibt. Dann stieß sie per Zufall dazu.

Die 29-Jährige hat dort nicht nur ihr schauspielerisches, sondern auch ihr privates Glück gefunden: Die Regisseure Nagy und Barth sind ein Paar geworden. Die Romanze habe selbst Potenzial für ein Bühnenstück, scherzt das Duo. Es würde sogar ins philharmonische Gesamtwerk passen. Denn eine Shakespeare-Tragödie wäre die Liebesgeschichte nicht, eher alltägliches Schauspiel für Jedermann.

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