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Frankfurt-Bornheim Frankfurter sorgen sich um Gaststätte „Zur Sonne“

Die Eigentümer verkaufen das historische Apfelweinlokal an der Berger Straße. Für den Erhalt des Frankfurter Gastronomiebetriebs setzt sich derweil eine Onlinepetition ein.

Gasthaus Zur Sonne
Für 2,5 Millionen Euro steht das Traditionslokal an der Berger Straße derzeit zum Verkauf. Foto: Christopf Boeckheler

Die historische Gaststätte „Zur Sonne“ auf der oberen Berger Straße wird verkauft. Die Eigentümer lassen das Traditionshaus über einen Makler vermarkten, der die Liegenschaft für 2,5 Millionen Euro im Internet anbietet. Demnach müsse das Apfelweinlokal nicht erhalten bleiben. Viele Bürger sorgen sich jetzt um die Zukunft des Ensembles. 

Der Bornheimer Thomas Becker, der in unmmittelbarer Nähe wohnt, hat deshalb am Dienstag eine Onlinepetition für den Erhalt der Sonne ins Leben gerufen. Bis Mittwoch hatten dort bereits rund 900 Personen unterschrieben. Er wäre „todtraurig“, wenn es das Lokal künftig nicht mehr geben werde, sagt Becker. Es sei „ein fester Bestandteil Bornheims“. Mit seiner Aktion wolle er verhindern, dass die Gaststätte geschlossen „und verhökert wird, um daraus Profit zu machen“.

Sorge um den Erhalt bereitet Becker vor allem ein Hinweis in der Makler-Anzeige. Darin heißt es, dass „es durchaus denkbar“ sei, „die kompletten gastronomischen Flächen und Nebengebäude zu Wohnraum umzubauen. Ausbaureserven seien in den Dachgeschossen vorhanden. Der große Biergarten „könnte neu bebaut werden – behördliche Genehmigung vorausgesetzt“. 

Bislang gibt es weder einen Bau- noch einen Abriss-Antrag, sagt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. Es habe jedoch eine Beratung für eine Bebauung in zweiter Reihe gegeben. Im Landesamt für Denkmalpflege ist die Sonne als Einzelkulturdenkmal notiert. Dadurch stehe das Innere und Äußere des Ensembles unter Denkmalschutz, sagt Andrea Hampel, Leiterin des städtischen Denkmalamts. „Das heißt aber nicht, dass es nicht verändert werden kann.“ In Abstimmung mit der Behörde sei eine neue Nutzung denkbar. 

Seit knapp drei Jahrzehnten ist die Gaststätte im Besitz der Familie Lorz. Diese könne das Lokal aus Altersgründen nicht mehr weiterführen, sagen sie auf Anfrage. Zum Verkauf selbst wollten sie sich nicht äußern. Ursprünglich habe der ehemalige Wirt das Lokal weiterführen wollen, heißt es im Stadtteil. Dieser sei Ende vergangenen Jahres ausgestiegen und habe ein anderes Lokal in Bornheim übernommen.

240-jähriger Gastronomiebetrieb 

Dass in dem bekannten Apfelweinlokal künftig etwa Wohnungen entstehen, möchte auch der Stadtteilhistoriker Bernhard Ochs verhindern. Seit mehr als 240 Jahren gebe es die Gaststätte bereits. Zeitweilig sei die Sonne, die Valentin Reineke im Jahr 1768 erbaut hat, vom Bornheimer Schultheiß geführt worden. Das Gasthaus sei eines der letzten Kulturgüter Bornheims. Es gehöre zu den „erhaltenswertesten Gebäude im Stadtteil“ und genieße „höchste Denkmalpriorität“. Die Sonne dürfe nicht zum Spekulationsobjekt werden, sagt Ochs. Wünschenswert sei es, wenn eine „Apfelweindynastie“ das Ensemble übernimmt und weiter betreibt. „Das wäre das Beste für Bornheim und die Eigentümer.“ 

Auch der Biergarten darf nach Ansicht Beckers und Ochs nicht bebaut werden. Die großen Bäume, unter denen im Sommer Hunderte von Gästen ihren Apfelwein trinken, könnten nicht einfach gefällt werden. „Das muss unbedingt verhindert werden“, sagt der Initiator der Petition. 
90 Tage lang sammelt Becker Unterschriften. Die Petition möchte er Oberbürgermeister Peter Feldmann übergeben. Wenn die Sonne auch dadurch nicht gerettet werden könne, überlege er, ein Crowdfunding zu starten. Dann könnten alle Bornheimer zusammenlegen und die Gaststätte gemeinsam kaufen. 

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