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Flüchtlinge in Frankfurt Geflüchtete machen Theater

Junge Geflüchtete im Frankfurter Ostend verknüpfen im Theater die digitale Welt mit einer literarischen. Das Stück feiert Premiere im Internationalen Theater.

Flüchtlinge in Frankfurt
Geflüchtete Kinder aus Syrien und Afghanistan erarbeiten sich ein Theaterstück. Foto: Michael Schick

Es geht ums Aufwachsen in Zeiten des Internets – mit Snapchat, Youtube und Instagram. Es geht um Gesellschaft, Vergangenheit und Zukunft. Die Nahtstelle zwischen diesen Themen will das Theaterstück „Zeitlos“ aufgreifen, das heute Abend im Internationalen Theater Premiere feiert.

Die Schauspieler sind jugendliche Debutanten zwischen zehn und 13 Jahren – aus der Flüchtlingsunterkunft Bonames, die vom diakonischen Werk Frankfurt geleitet wird. Aufgeregt sei er nicht, sagt Hauptdarsteller Adam Ahmed und schüttelt den Kopf. Der zwölfjährige Schüler spielt den Protagonisten Anton, der sich im Stück auf eine Zeitreise in Zukunft und Vergangenheit begibt.

„Anton verändert sich im Stück“, sagt Adam: „Er ist nett, mal traurig und manchmal ein bisschen frech. Ich finde, wir passen zusammen.“ Auch wenn er auf der Reise seine Freunde vermisst, Anton erlebt viel: So trifft er auf einen Roboter und beschäftigt sich mit Gedichten von Goethe und Hesse.

Regisseurin Rebekka Waitz hat das Stück seit Februar mit den Kindern einstudiert. „Erst haben wir einfach Theater gemacht, Improvisation, ganz frei“, erzählt Waitz. Aus ihren Beobachtungen in den freien Stunden hat sie das Stück entwickelt. „Ich wollte etwas machen, das den Kindern nah ist“, sagt sie. Durch die Auseinandersetzung mit der digitalen Welt will die Regisseurin Ihre Darsteller zur Selbstreflexion im Umgang mit Smartphones anregen, mit den literarischen Anteilen ein Stück Integrationsarbeit leisten. Auch sprachlich.

Stumm bewegt die zehnjährige Afnan bei der Probe ihre Lippen auch bei Szenen mit, in denen ihre Figur gar nicht spricht. „Am Anfang war es schwierig. Aber ich mag es, Texte auswendig zu lernen“, flüstert sie und lächelt schüchtern.

Fordernd war das Projekt auch für Waitz. Die Freiberuflerin hat Erfahrung in der Arbeit mit Kindern, und trotzdem war diese Arbeit „das schwierigste, was ich je gemacht habe“, sagt die 31-Jährige. Etwa wegen der Situation der Kinder: „Es ist eine plötzliche Überflutung von Neuem und Verlust vom Bekannten. Dann die Orientierung im fremden Land, das ist nicht einfach.“

Zudem habe die fehlende Trennung zwischen Zuhause und Spielstätte häufig für Ablenkung gesorgt, so Waitz. Die Gruppe probte in einem freien Raum in der Unterkunft. Doch trotz Herausforderungen soll es weitergehen: Im nächsten Projekt sollen Kinder mit und ohne Fluchterfahrung zusammenkommen. Ihre Hoffnung: langfristige Integration indem die Kinder durch „Kunst und Kreatives Schaffen in eine fiktive Welt eintauchen können, wo viele Vorurteile, Grenzen und Pflichten für den Moment aufgehoben sind“.

Die Aufführung ist heute Abend um 20 Uhr und morgen um 15 Uhr im Internationalen Theater in der Hanauer Landstraße 5-7. Karten gibt es an der Abendkasse für elf Euro. Im Anschluss gibt es eine Fragerunde mit der Regisseurin.

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