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Fechenheim Tatwaffe ist ein Degen

Die FTV-Fechterin Danielle Zinn hat einen Krimi geschrieben - mit großem Erfolg. 6000 Exemplare hat sie bereits verkauft.

Ihr Erstling sollte eigentlich nur ein Geschenk werden. Foto: Anne Simon

Mit diesem Erfolg hätte Danielle Zinn nicht gerechnet: Seit November auf dem Markt ging ihr Debüt „Snow Light“ bisher 6000 Mal über den Ladentisch. Rund 4000 davon als E-Book. „Ich bin völlig geplättet“, gesteht die Fechterin des Frankfurter Turnvereins. Ursprünglich war ihr Krimi „nur“ als Geschenk für ihre Mutter gedacht.

Beim Online-Versandhändler Amazon geben die Käufer Bestnoten, auch die Fechtkollegen beim FTV 1860 sind voll des Lobes. „Das Buch ist spannend, mit vielen überraschenden Wendungen“, findet etwa Abteilungsleiterin Erika Fenner. „Und es gibt ja nicht so viele Bücher, in denen Fechten vorkommt.“

Seit 2010 ist Danielle Zinn Mitglied in der erfolgreichen Fechtabteilung des Turnvereins. Ein Jahr zuvor kam die Wahl-Frankfurterin in die Mainmetropole, arbeitet im Gallus bei einer internationalen IT-Beratung als „Financial Controller“. Bis zu dreimal wöchentlich fährt sie abends nach der Arbeit zum Training ins Ostend.

An Wettkämpfen nimmt die 31-Jährige, die jetzt in Bad Soden wohnt, zwar nicht teil. „Die Freundschaften und der Spaß stehen für mich im Vordergrund“, sagt die gebürtige Sächsin, die in ihrer Schulzeit mehrmals Landesmeisterin im Tischtennis wurde.

Geboren in Annaberg-Buchholz nahe der tschechischen Grenze, aufgewachsen in Crottendorf, studiert Danielle Zinn im britischen Durham Wirtschaft und Management. Danach verbringt sie Zeit in Wales. Ihre Mutter ist Englischlehrerin in der Heimat, beide haben ein großes Faible für englischsprachige Krimis. Von ihren Reisen bringt Danielle Zinn stets Romane als Souvenir mit, bis zu einem Australien-Aufenthalt 2014: Bei einem Thriller von Peter Temple kommt ihr die Idee, es selbst einmal mit dem Schreiben zu versuchen.

Es folgen erste Skizzen, zunächst will die FTV-Fechterin ihre Geschenkidee geheim halten. Als ihr nach drei Monaten der immense Aufwand bewusst wird und sie oft ihre Eltern im Erzgebirge besucht, weiht sie ihre Mutter ein. Die motiviert sie, weiterzuschreiben. „Das klang sehr interessant“, lobt Kerstin Zinn, „sprachlich ist es topp“.

In „Snow Light“ kann ein Polizeiinspektor einen Mord nicht verhindern und zieht sich mit Schuldgefühlen aufs Land zurück. Bis ihn seine Vergangenheit einholt und im Dorfzentrum eine Leiche gefunden wird. Die Mordwaffe: Ein abgebrochener Degen. Viele der Handlungsorte haben einen realen Hintergrund: Aus Zinns Geburtsort Annaberg wird im Englischen „Saint Anna“, das einst als Krötendorf gegründete Crottendorf heißt nun „Turtleville“. „Das war eigentlich ein Spaß“, sagt Danielle Zinn, „meine Mutter sollte miträtseln“.

Nach einem dreiviertel Jahr ist sie fertig mit Schreiben und schickt die 324 Seiten an Bekannte in Wales und Australien. Nach ersten Korrekturen lässt sie eine kanadische Firma das Manuskript editieren. Dann packt sie die Neugier, was Verlage dazu sagen. Mehr als 50 erhalten das Werk, nach vier Tagen meldet sich mit „Bloodhound Books“ ein junger, auf Thriller spezialisierter Verlag aus Cambridge zurück.

Zwar ist sie keine Muttersprachlerin, doch der Verlag sucht ohnehin Autoren jenseits der britischen Insel. Mit der nächsten Mail erhält Danielle Zinn bereits einen Buchvertrag. „Komisch“ sei es später gewesen, das fertige Buch in Händen zu halten. „Aber auch ein schönes Gefühl“, sagt die Autorin. Ideen für eine Fortsetzung hat sie bereits.

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