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Fechenheim Niemand soll alleine sein

Das Begegnungszentrum schickt ehrenamtliche Helfer auf die Suche nach vereinsamten Senioren. Sie sollen die Leute zurück in die Gemeinschaft holen.

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Gudrun Aussenhof (links) und Naoual Alyarrudi haben das Projekt ?Pontifeen? ins Leben gerufen. Foto: Rolf Oeser

Gudrun Aussenhof hat jemanden im Blick. Eine ältere, verwitwete Frau, die bei ihr um die Ecke wohnt. Tagsüber habe sie die Rollläden in ihrer Wohnung immer unten, erzählt die 76-Jährige. Wenn die Dame einkaufen geht, sucht Aussenhof das Gespräch mit ihr. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Aber: „Ich bleibe dran.“

Das soll sie auch. Aussenhof ist eine sogenannte Pontifee. Das sind Helfer, die Brücken bauen sollen. Zu Menschen aus dem Stadtteil, die alleine leben und zu vereinsamen drohen. Aussenhof ist gebürtige Frankfurterin, sie hat nahezu ihr ganzes Leben in Fechenheim verbracht. „Daher kennt man mich.“

Aussenhof ist eine von acht ehrenamtlichen Brückenbauern, die das Service- und Begegnungszentrum (BGZ) Fechenheim kürzlich ausgebildet hat. Unterstützt wird die Aktion von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. „Die Pontifeen sind Tischgastgeber“, erklärt Naoual Alyarrudi, die das BGZ seit acht Jahren leitet. Sie sollen die Leute ins Zentrum holen, ins Gespräch einbinden, mit den übrigen Besuchern bekanntmachen.

Zwar gebe es im Begegnungszentrum viele Angebote für Ältere, sagt Alyarrudi und zählt auf: Handarbeitskreis und Gedächtnistraining, Singkreis und Stadtteilfrühstück. Doch oftmals hätten die Senioren Angst, sich einer neuen Gruppe anzuschließen. So komme es, dass sich viele in die Isolation zurückziehen. Auch wenn sie mit ihrer Situation unzufrieden seien, fehle ihnen der Mut, etwas zu ändern.

An dieser Stelle kommen die Pontifeen ins Spiel: Sie sollen die Hemmschwelle der Alleinstehenden sinken lassen. „Gefühl, Gefühl, Gefühl – und die richtigen Worte“, antwortet Gudrun Aussenhof auf die Frage, wie man am ehesten zu den Menschen durchdringe. Ihr Zwischenfazit? „Es ist unterschiedlich: Manche erreicht man leicht, manche nur schwer.“

Um die Erfolgsaussichten zu erhöhen, haben Kommunikationstrainerin Kerstin Zahrt und die psychotherapeutische Beraterin Ute Rieschle-Schedler die Brückenbauer in den vergangenen Monaten modular geschult – etwa zu den Themen Kommunikation und Einsamkeit. Die Absolventen erhielten auch ein Zertifikat.

Damit können die Brückenbauer einsame Senioren nun gezielter kontaktieren. Einmal im Monat kommen sie zusammen und tauschen sich im Begegnungszentrum in der Straße Alt-Fechenheim im Ortskern aus. Naoual Alyarrudi spricht von einer Phase des „Bekanntmachens“.

Um alleinstehende Menschen aufzuspüren, seien auch sogenannte Multiplikatoren im Stadtteil wichtig, sagt Alyarrudi: Ärzte, Sozial- und Pflegedienste, Sozialbezirksvorsteher. Auch die Besucher des Begegnungszentrums selbst. Langfristig sollen so aus den neu geknüpften Kontakten weitere Aktivitäten entstehen. „Das Ziel ist eine lebendige Nachbarschaft.“

Bei FR vor Ort rückt die Lokalredaktion einen Stadtteil in den Fokus. In dieser Woche sind wir in Fechenheim. Wenn Sie Fragen zu Ihrem Stadtteil haben, rufen Sie uns an. Sie erreichen uns unter den Nummern 21 99-39 31 oder -37 08. Oder Sie mailen uns an: stadtteile@fr.de

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