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Fechenheim Beim Fischerfest gibt’s weiterhin Fisch

Aus dem Fechenheimer Fischerfest wird kein „Veggie-Fest“. Tierrechtler erleiden Schiffbruch mit ihrem Vorschlag zur Umbenennung.

Fechenheimer Fischerfest
Diese Forelle hätte ein vegetarisches Fest wohl befürwortet. Foto: Rolf Oeser

Ist das jetzt ein unmoralisches Angebot? Oder eher ein moralisches? Fakt ist: Die Tierrechtsorganisation Peta hat dem traditionsreichen Fechenheimer Fischerfest vorgeschlagen, seinen Namen zu ändern. Die neue Bezeichnung des Budentreibens an diesem Wochenende würde dann lauten: „Veggie-Fest“. Eine Belohnung gäbe es auch. 

Der Begriff Veggie hat sich als gängige Abkürzung für Vegetarier, vegetarisch oder Vegetarismus eingebürgert. Veggie-Fest würde somit bedeuten, dass es nur noch fleisch- und vor allem fischlose Speisen geben würde am Linneplatz und auf der Ankergasse.

„Fische sterben für einen kurzen Gaumenkitzel“, erklärt Peta-Referentin Tanja Breining, „dabei muss Fischgeschmack nicht aus Tieren sein.“ Alternativ stünden dem Gaumen Algen- und Gemüsesushi zur Verfügung, pflanzliche Fischstäbchen, vegane Lachsfilets. Bissen die Fechenheimer auf ihrem Fest in derlei Speisen, könnten sie „unzählige Tierleben retten“ und ein „großartiges Zeichen für mehr Mitgefühl mit allen Wasserbewohnern“ setzen: „Fische respektieren statt filetieren.“

Botschaft angekommen. Kein Grund, sich darüber lustig zu machen, immerhin gehen jährlich viele Milliarden Fische in die Netze, und nur die wenigsten von ihnen landen als stolze Dorade oder Seezunge auf unseren Tellern. Viele gehen als Beifang über die Wupper oder werden in Form von Fischmehl verfüttert. 

Fragt sich nur, ob ausgerechnet ein Fischerfest veggie werden muss – an einem Ort, der heißt, wie er heißt, weil dort seit Urzeiten gefischt wird. Der Name Fechenheim kommt bekanntlich von Fach, Teil einer Vorrichtung zum Fischfang. Den Tierschutz in allen Ehren, aber ein Fischerfest ohne Fisch? Das wäre ja fast wie ein Veggie-Fest ohne Salat. 

„Wie kommt so eine Organisation aus Stuttgart dazu, uns vorzuschlagen, ein Frankfurter Stadtteilfest mit Tradition fleischfrei zu machen?“, wundert sich Benjamin Wiewiorra vom Vorstand des Arbeitskreises Fechenheimer Vereine. Über das Anliegen des Tierschutzes könne man immer reden, sagt er. „Aber Fisch beim Fischerfest verbieten – das kommt für uns gar nicht in Frage.“ 

Die Vereine und Gewerbetreibenden entschieden selbst, was sie an den Ständen anböten, erklärt Wiewiorra. „Da machen wir gar keine Vorgaben.“ Im Übrigen könne er es verstehen, wenn Peta sich mit solch einer Aktion ins Gespräch bringen wolle. „Aber warum mit so einem Mini-Stadtteilfest wie unserem? Warum nicht mit dem Frankfurter Weihnachtsmarkt, der bringt doch viel mehr Aufmerksamkeit.“ 

Dann wird wohl nichts aus den 500 Portionen Sushi, die Peta den Fechenheimern für die Namensänderung als Belohnung anbot. Vegetarisch, versteht sich. Aber wenn sich die Tierrechtler im Stadtteil engagieren wollten – gern, regt Benjamin Wiewiorra an. Peta könne beim Fischerfest 2019 einen Stand errichten: „Wir sind da ganz offen.“

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