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Erdferkel im Zoo Frankfurt Wer beerbt „Elvis“?

Das kleine Erdferkel „Memphis“ wird im Zoo Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt. Für den berühmten verstorbenen Papa „Elvis“ wird ein Nachfolger gesucht.

Erdferkel Memphis in Frankfurt
?Hör mal, Mama ?? - ?Erst gehst du aus dem Essen raus!? Erdferkelmädchen Memphis und Mama Ermine am Mittwoch bei Kunstlicht. Foto: Peter Jülich

Bis vor kurzem ging die interessierte Öffentlichkeit bekanntlich davon aus, dass der Ameisenbär der beste Freund des Menschen sei. Diese Auffassung muss möglicherweise revidiert werden: Seit Mittwoch steht fest, dass auch Erdferkel im großen Stil Ameisen und Termiten vertilgen, sofern sie ihrer habhaft werden. Der Mensch dachte daher stets, beide seien miteinander verwandt. Das ging so weit, dass selbst das blaue Erdferkel Elise, ein Star der Trickfilmzeit in den 70er Jahren, von Millionen Zuschauern irrtümlich für einen Ameisenbär gehalten wurde.

Falsch gedacht, verkündet nun Johannes Köhler, Kurator im Frankfurter Zoo. Die zwei kuriosen Tierarten hätten rein entwicklungsgeschichtlich nichts miteinander zu tun. Sie besuchten lediglich dieselben Restaurants.

Das gilt noch nicht für Memphis, den jüngsten Spross der fast 100 Jahre währenden Frankfurter Erdferkel-Historie. Vor sieben Wochen geboren, bevorzugt Memphis noch Mamas Milch, die ihn bereits auf stattliche sieben Kilo anwachsen ließ. Zoobesucher haben davon nicht viel gesehen, denn Erdferkel sind nachtaktiv. Ihnen zuliebe (und den Buschbabys, Springhasen sowie weiteren Nachbarn in der näheren Umgebung) ist es im Grzimekhaus stockdunkel.

Schon der Weg zur Erdferkel-Anlage ist ein Abenteuer, nur für Leute mit starken Nerven und gutem Orientierungssinn zu empfehlen. Einige Pressevertreter sollen seit der Präsentation gestern noch immer in den dunklen Gängen umherirren, heißt es, aber Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) fand den Weg und verlieh ihrem Entzücken Ausdruck. Nicht nur fürs Ferkelchen, auch fürs Grzimek-Haus als solches, eines der weltgrößten Nachttierhäuser: „Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.“

Dunkel, tränenreich - und „umwerfend niedlich“

Aber hier soll es ja um Memphis gehen. Das kleine Mädchen kommt recht gakelig aus der sicheren Höhle heraus, nachdem Tierpflegerin Astrid Parys der Mama Ermine (10) ein Angebot gemacht hat, das sie nicht ablehnen konnte: zappelnde Schwarzkäferlarven! Und getrocknete Insekten mit Hackfleisch, Gemüse und Blumenerde! Während Mama also tüchtig reinhaut mit dem Rüssel und sich dabei auch nicht vom eingeschalteten Licht stören lässt, stolpert Memphis hinzu und möchte a) einen Schluck Milch, b) mehr Milch und c) auf Mamas Rücken turnen. Noch so eine Parallele zu den Ameisenbären. Nur dass Erdferkel halt keine Strohhütte als Gewand tragen, damit Baby sich festhalten kann. Memphis rutscht dauernd ab, nackig, wie sie nun mal ist. Die hasenhaften Ohren, die ein Erdferkel dem Ameisenbär voraus hat, taugen als Haltegriffe offenbar auch nicht.

Sicher vermissen manche Leserinnen und Leser an dieser Stelle zustandsbeschreibende Begriffe wie „süß“, „umwerfend niedlich“ und „drollig, aber sowas von“. Sie stehen vermutlich alle im Notizblock des Berichterstatters, der seine Klaue aber nicht mehr lesen kann, weil es erstens dunkel war, zweitens tränenreich. Denn da ist ja noch die Geschichte mit Elvis.

Untrennbar sind die Begriffe Erdferkel und Zoo in Frankfurt mit Elvis verbunden, dem berühmtesten Vertreter seiner Art. Elvis verbrachte seine Zeit gern hinter den Kulissen beim Pflegepersonal, in der Küche, auf den Fluren, vor der Fernsehkamera. Nachttier hin oder her: Wenn Elvis gebraucht wurde, war er da. Er zeugte auch jede Menge kleine Erdferkel. Anfang Juli schloss er für immer die Augen – und wenig später kam seine Tochter zur Welt, Memphis genannt, in Memoriam.

Wie es nun mit der Frankfurter Erdferkel-Dynastie weitergeht, entscheidet der Zuchtbuchführer in den Niederlanden. Wünschenswert wäre, sagt Kurator Köhler, dass Memphis ihre Gene in andere europäische Zoos verbreitet und Frankfurt ein Männchen erhält – wie sagt man, Erd-Eber? Ein Name wird sich finden lassen. Vielleicht Jacko. Oder Kanye.

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