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Einzelhandel in Frankfurt Die Berger Straße hat ihre Kaufkraft verloren

Die Berger Straße im Frankfurter Stadtteil Bornheim leidet seit dem Wegzug des Saturns unter Leerstand und hohe Mieten. Für das Wochenende ist eine Protestaktion geplant.

Bornheim
Nachmieter gesucht: Leerstand auf der Berger herrscht vor allem, seit der Saturn geschlossen hat. Foto: Peter Juelich

Alexandros Kitsakis ist zufrieden. Seit Ende Januar betreibt er auf der Berger unweit der Höhenstraße einen Laden, der handgemachten Schmuck, Mode und Schuhe aus Griechenland verkauft. „Wir wollen eine Art Urlaubsladen etablieren“, sagt Kitsakis, dessen Geschäft seinen Vornamen trägt. Dinge, die Leute in den Ferien an Ständen an der Uferpromenade sehen, sollen sie bei Alexandros bekommen. Bislang gehe das Konzept auf. Mehr noch: Er sei positiv überrascht über die Nachfrage.

Doch Kitsakis scheint eher eine Ausnahme auf der oberen Berger zu sein. Zwar gibt es in dem Bornheimer Abschnitt nördlich des Alleenrings noch eine bunte Vielfalt an Geschäften, viele von Eigentümern geführt. In den vergangenen Jahren mussten jedoch einige aufgeben. Vor allem seit der ehemalige Elektromarkt Saturn 2013 seine Pforten schloss, klagen Gewerbetreibende über Umsatzeinbrüche.

Seitdem sei es erheblich ruhiger geworden, sagt Klaus-Uwe Beitler vom Schuh- und Schlüsselservice in der Wiesenstraße. Die Gelegenheitskäufer, die früher unterwegs zum Elektromarkt waren, blieben inzwischen aus, „es ist stark eingebrochen“. Derzeit stehen fünf Läden in unmittelbarer Nachbarschaft zum einstigen Kundenmagneten leer.

„Früher waren wir immer auf der Sonnenseite“, sagt Ute Bund, Inhaberin der Sockenkiste, die neben der Saturn-Baustelle Strümpfe und Socken aller Art verkauft. Sie hofft, dass es nach der Fertigstellung wieder aufwärtsgeht. Das Unternehmen, das das Areal entwickelt, hat angekündigt, die Öffentlichkeit im Mai darüber zu informieren, welche Geschäfte in den Neubau einziehen. Bund hofft, dass dann auch die leerstehenden Läden wieder belegt werden, „möglichst mit interessanten Geschäften, dass auch Touristen kommen“. Nischen, die einen vor Ort Handel betreiben müssen, gibt es ihrer Ansicht nach noch immer.

Abwechslung wünscht sich Buchhändler Heinz Eisenbletter. „Früher hat man hier noch fast alles bekommen.“ Inzwischen gebe es zu viele Bäckereien und Telefonläden, das Flanieren mache nicht mehr so viel Spaß. Wichtig sei es deshalb, die Menschen über einen guten Service zu erreichen. Und geschultes Personal, das zu der Ware steht, ergänzt Ute Bund. Bei ihr können etwa Kunden Socken anprobieren, „und wenn sie zu eng sind, nehmen wir einen Gummi raus“.

Die Berger Straße habe zwar noch den Namen einer großen Einkaufsstraße, sagt Marco Büschers, Inhaber eines Blumengeschäfts. Doch habe sie schon lange nicht mehr die Kaufkraft. Die Mieten seien in den vergangenen Jahren um bis zu 30 Prozent gestiegen, „aber nicht der Umsatz“. Das bestätigt auch Peter Grünewald von Lederwaren Diener in der Arnsburger Straße. „Viele Vermieter meinen scheinbar, die Berger hätte die Frequenz der Zeil.“ Büscher sagt, die Mieten müssten runter. Er könne derzeit nicht sagen, wie lange er den Standort aufrechterhalten könne.

Die Situation für Gewerbetreibende werde von Jahr zu Jahr schwieriger, bringt es Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim Mitte, auf den Punkt. Problematisch sei vor allem die Parkplatzsituation. „Jedes Einkaufszentrum funktioniert nur mit Parkplätzen.“ Doch in Bornheim seien diese Mangelware, dabei kämen Kunden zum Teil aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet.

Wichtig sei es deshalb, auf dem ehemaligen Gaumer-Areal zwischen Berger und Ringelstraße die einst mit 230 Plätzen geplante Quartiersgarage zu bauen. „Das ist eine historische Chance“, sagt Steul. „Das wird für unsere Straße von entscheidender Bedeutung sein.“ Derzeit sind dort aber nur noch 110 Stellflächen vorgesehen.

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