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Die Altstadt-Rekonstruktionen Unscheinbarer Bruder: „Haus Eichhorn“

Das Haus „Eichhorn“ in der neuen Frankfurter Altstadt wird gerne übersehen. Für Liebhaber gibt es einiges zu entdecken.

Frankfurter Altstadt
Blick auf das Haus Eichhorn in der neuen Frankfurter Altstadt. Foto: Renate Hoyer

Nicht alle Häuser in der neuen Altstadt sind für Touristen gleich interessant. Kein Fachwerk, wenig Glanz und Prunk – das Haus „Eichhorn“ gehört zu den Bauten, an denen Touristen eher vorbeigehen, als ein Foto zu machen. Auf schmaler Parzelle zwängt sich der Steinbau wie schutzsuchend zwischen seine breiteren Brüder „Schlegel“ und „Goldene Schere“. 

Viele Besucher der neuen Altstadt achteten tatsächlich weniger auf das eher unscheinbare Haus Eichhorn, meint Michael Guntersdorf, der Chef der städtischen Dom Römer GmbH. Viel wichtiger sei das ganze Ensemble am Hühnermarkt. „Und das kommt bei den Besuchern richtig gut an.“

Das Haus „Eichhorn“ ist wie „Schlegel“ und „Goldene Schere“ ein klassizistisches Mitglied dieses Ensembles. Die Baumeister des Klassizismus wählten schlichte Formen und verzichteten auf die reiche und ornamentale Kunst des Barock. Auch dem „Eichhorn“ schenkten die Baumeister durch harmonische Proportionen und eine regelmäßige Fensterreihung ein schlichtes, aber nobles Aussehen.

Zur Strenge des Klassizismus tritt ein weiterer Aspekt: Im Jahr 1809 untersagte ein neues Baustatut die bis dahin stadtbildprägenden Überhänge, Erker und Zwerchhäuser und bestimmte strenge Vorschriften für Dachneigungen, Trauf- und Firsthöhen. Das Statut veränderte das Frankfurter Stadtbild erheblich – das unspektakuläre Äußere des „Eichhorn“ ist ein beredtes Zeugnis jener Veränderung. So muss das Geschäft im Erdgeschoss sogar auf Schaufenster verzichten.

Ein bisschen Abwechslung in die eher zurückhaltende Fassade des „Eichhorn“ bringen französische Balkone an den Fenstern und Rundbogen parterre und im dritten Stockwerk. „Die Fassade der Rekonstruktion kommt ihrem historischen Vorbild sehr nahe“, berichtet Guntersdorf. Auch die Grundstruktur der Wohnungen sei ihren Vorbildern ähnlich.

Auf dem geschwungenen Schieferdach trägt „Eichhorn“ – wie seine großen Brüder – drei größere und zwei kleinere Dachgauben. Auch die traufständige Bauweise des Daches deutet auf die Mitgliedschaft des „Einhorn“ zur Familie der klassizistischen Häuser am Markt. Als „traufständig“ bezeichnen Architekten ein Haus, dessen Dachtraufe und Dachfirst parallel zur Straße – hier zum Hühnermarkt – verlaufen. In Gotik und Renaissance galt es hingegen als typisch für die deutschen Straßenbilder, wenn der Giebel zur Straße stand. Weil im 17. und 18. Jahrhundert aber viele Häuser umgebaut und aufgestockt wurden, verwandelten sich giebelständige in traufständige Häuser.

Die Herkunft des Namens Eichhorn ist indes ungeklärt. Möglicherweise wohnte einst eine Familie desselben Namens in dem Haus. Vielleicht spielt die Bezeichnung auch auf den ursprünglichen Namen der Nagetiere an, bevor er verniedlicht wurde. Letzteres würde immerhin zum künftigen Mieter im Erdgeschoss passen: ein Spielwarengeschäft mit Plüschtieren.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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