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Demo gegen §219a Frauenbündnis schlägt zurück

Aktivistinnen wehren sich gegen die Mahnwache von Abtreibungsgegnern vor den Beratungsstellen von Pro Familia.

Demo Frankfurt für Frauenrechte
Gut gelaunt und entschlossen ziehen die Demonstrantinnen durch das Frankfurter Westend. Foto: Monika Müller

Rund 300 Menschen haben am Samstag in der Frankfurter Innenstadt für Frauenrechte demonstriert. Die Aktion richtete sich vor allem gegen eine sogenannte Mahnwache vor der Beratungsstelle Pro Familia im Stadtteil Westend. Dort hat die erzkonservative Vereinigung "40 Tage für das Leben" während der diesjährigen Fastenzeit gegen Abtreibungen demonstriert. Bereits zum dritten Mal, nachdem es bereits im vergangenen Frühjahr und Herbst ähnliche Aktionen gegeben hatte.

Claudia Hohmann, Geschäftsführerin des Frankfurter Ortsverbands von Pro Familia, wollte das nicht länger hinnehmen. „Es war die richtige Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt sie. Denn mit der Gründung eines „Bündnisses Frankfurt für Frauenrechte“ wollen die Aktivistinnen nun quasi zum Gegenschlag ausholen. Beatrix Baumann, die dem Bündnis angehört und gleichzeitig Vorstandssprecherin der Frankfurter Grünen ist, findet deutliche Worte für die Mahnwache, durch die der Besuch einer Schwangerschaftskonfliktberatung für junge Frauen zum Spießrutenlauf wird. „Das ist niederträchtig und gemein, wir nehmen das nicht hin“, sagte sie. Dabei will sie den Abtreibungsgegnern gar nicht ihr Recht absprechen zu demonstrieren, nur eben nicht direkt vor einer Beratungsstelle. Baumann forderte das Ordnungsamt und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) auf, dafür zu sorgen, dass die Mahnwache künftig an einem anderen Ort stattfindet. „Für eine Demonstration kann man auch Auflagen machen“, betont sie.

Unter den Demonstranten, die ihr zuhören, ist auch Thomas Herget. Er hat sich ein Priestergewand angezogen und ein Kruzifix mit Edelsteinimitaten umgehängt. „Damit kann man die ganz gut provozieren“, glaubt er. Herget hat in den vergangenen Wochen ein paar Mitstreitern der Mahnwache „40 Tage für das Leben“ Gesellschaft geleistet. „Wir haben Federball gespielt und sind am Boden rumgekullert, um eine Gegenöffentlichkeit herzustellen.“

Herget meint zu wissen, warum die Abtreibungsgegner gerade diesen eher ruhigen Ort in der Palmengartenstraße für ihre „Pseudomahnwache“ wählten. „Sie trauen sich nicht auf der Zeil oder an der Hauptwache zu stehen, weil sie die Meinung der Stadtgesellschaft scheuen.“ Doch damit irrt sich der verkleidete Priester.

Der Demonstrationszug zieht zunächst vom Westend mit Sprechchören wie „Mein Bauch gehört mir“ und „Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine“ Richtung Innenstadt. Das geht reibungslos, bis der Demonstrationszug vor der Katharinenkirche eben auf jenes gute Dutzend Leute trifft, die in den Wochen zuvor vor der Beratungsstelle standen und die ihnen hier offenbar „auflauern“. Die Demonstranten sind empört, die Szenerie wirkt etwas gespenstisch. Etwa 15 Menschen stehen zusammen und murmeln mit gesenkten Köpfen gebetsmühlenartig das Vaterunser und Ave Maria vor sich hin, während empörte Demonstranten auf sie einbrüllen. „Das Mittelalter ist vorbei, wir sind im 21. Jahrhundert, ihr Knalltüten“, ruft ein Mann mit Fahrrad. Das betende Dutzend bleibt stoisch, auch als ein Polizist wissen will, ob deren Demonstration angemeldet sei.

Die Mahnwache mag Passanten belustigen, aber sie zeigt leider Wirkung. Eine Demonstrantin, die mit ihrer Organisation selbst Schwangerschaftsberatungen anbietet, mag ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen aus Angst, dass „die dann auch bei uns vor der Haustür stehen“.

Claudia Hohmann von Pro Familia berichtet, Hilfesuchende seien jeweils am Telefon auf die Mahnwache hingewiesen worden und konnten ihre Termine bei Bedenken dann in die Randstunden der Beratungsstelle legen, wenn die Mahnwache vorbei war oder noch nicht angefangen hatte. Hohmann hofft, dass die Demonstration hilft, die Mahnwache zu verlagern. Den Demonstranten jedenfalls ist sie dankbar: „Ihr seid wie ein warmer Regen.“

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