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Burschenschaft Frühschoppen am Tag der Bücherverbrennung

Burschenschaften wollen am Jahrestag der Bücherverbrennung in Frankfurt vor dem Römer feiern. Das stößt auf Kritik.

Burschenschaftler im Frankfurter Kaisersaal
Nicht oben ohne: Burschenschaftler bei einem früheren Empfang im Frankfurter Kaisersaal. Foto: Christoph Boeckheler

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) beklagt, dass die Studentenverbindung „Straßburger KDStV Badenia zu Frankfurt“ den Römerberg an Christi Himmelfahrt für ihren Vatertags-Frühschoppen nutzen darf, obwohl der christliche Feiertag in diesem Jahr auf den 10. Mai, den Jahrestag der Bücherverbrennung, fällt. Die Kreisvereinigung der Antifaschistinnen und Antifaschisten wirft der Stadt vor, damit einem Trinkgelage von Burschenschaften den Vorrang zu geben vor der Lesung, mit der der Verein jedes Jahr an die von nationalsozialistischen Studenten organisierte „Aktion gegen den undeutschen Geist“ erinnert. Sie spricht von einer geschichtsvergessenen Entscheidung der Stadtverwaltung.

Die VVN hält es unabhängig von der Frage, wer zuerst seine Veranstaltung angemeldet habe, für falsch, dass sie am 85. Jahrestag der Bücherverbrennung nicht am Ort des Geschehens das Gedenken bewahren kann. Schließlich hätten von Nazis fanatisierte Studenten, darunter Angehörige studentischer Verbindungen, Bücher, die dem Regime als zersetzend galten, am 10. Mai 1933 auf dem Römerberg „unter dem hysterischen Gegröle ihrer Gesinnungsgenossen“ vebrannt. Daran erinnert eine 2001 eingelassene Gedenkplatte auf dem Platz.

Veranstaltungsreigen an Christi Himmelfahrt

Weil Gespräche mit dem Ordnungsamt keinen Erfolg gehabt hätten, hätten sich die Organisatoren der Lesung entschieden, auf den angrenzenden Paulsplatz auszuweichen. Dort soll es an Christi Himmelfahrt von 11 Uhr an Rezitationen, musikalische Beiträge und Reden geben.

Eine rechtliche Auseinandersetzung mit ungewissem Ausgang will die VVN nach eigenen Worten zwar vermeiden. Sie erwartet vom Ordnungsamt aber, dass dieses strenge Auflagen für den sogenannten „Römerberg-Frühschoppen“ macht, den die 1882 gegründete katholische Verbindung seit 1982 ausrichtet.

Die Gruppe fordert unter anderem, dass die Burschenschaften einen Abstand von zehn Metern zur Gedenkplatte einhalten und dass sie dafür Sorge tragen, dass die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung dort Blumengebinde niederlegen können. Sie dringt zudem darauf, dass die Verbindungen in einer Lautstärke feiern, die das Gedenken an der Paulskirche nicht stört.

Beim Ordnungsamt heißt es, der Frühschoppen am 10. Mai sei schon genehmigt gewesen, als die Versammlungsankündigung der VVN eintraf. Die Veranstaltung der Verbindung gebe es seit Jahren. Zu besonderen Beschwerden sei es nie gekommen, sagte die zuständige Abteilungsleiterin Dagmar Reininger gestern.

Ziel des Ordnungsamts sei es weiterhin, beide Veranstaltungen zu ermöglichen, Der Vorschlag, diese zeitlich zu entzerren, habe aber nicht gefruchtet.

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