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Brandschutz in Hessen Fluchtwege haben oberste Priorität

Welche Regeln gelten für Fluchtwege? Und was passiert, wenn die Feuerwehr Mängel feststellt? Die FR informiert zum Brandschutz.

Ortstermin
Theaterdirektor Willy Praml (links) und Architekt D. W. Dreysse beim Ortstermin. Foto: Renate Hoyer

Welche Vorschriften gelten beim Brandschutz? 
Die Frage ist in etwa so komplex wie: Welche Regeln gibt es bei der Steuererklärung zu beachten? Es gibt Hunderte Gesetze und Verordnungen, in denen Fragen des Brandschutzes geregelt sind.

Gibt es nicht zumindest Grundsätze?
Doch. Ganz wichtig sind Fluchtwege. Es muss zwei Wege geben, ein Gebäude zu verlassen. Einer ist die herkömmliche Route durch das Treppenhaus. Den zweiten muss im Ernstfall die Feuerwehr schaffen können. Das heißt, sie muss mit Dreh- und/oder Trageleitern an das Gebäude herankommen.

Bei Hochhäusern dürfte das aber nicht funktionieren, oder?
Das ist richtig. Deshalb gelten dort ganz andere Brandschutzvorkehrungen. So sind etwa Brandriegel zwingend vorgeschrieben, die verhindern, dass sich ein Feuer von Etage zu Etage ausbreiten kann. Diese Regeln gelten ab einer Höhe von 22 Metern, wobei dieser Wert nicht zufällig gewählt ist: Bis zu dieser Höhe reichen in der Regel die Drehleitern der Feuerwehr.

Welche Regeln gelten für Fluchtwege?
Flucht- und Rettungswege müssen brandlastfrei gehalten werden. Papierstapel, Kabel oder Verpackungen haben dort also nichts zu suchen. Des Weiteren müssen die Fluchtwege in öffentlichen Gebäuden deutlich gekennzeichnet sein und dürfen natürlich nicht mit Möbeln oder anderen schweren Gegenständen zugestellt sein. 
 
Wer überprüft das alles?
Die Feuerwehr. Sie führt in öffentlichen Gebäuden im Abstand von fünf Jahren sogenannte Gefahrenverhütungsschauen durch. Der Begriff klingt kompliziert, ist aber ziemlich treffend: Die Experten schauen, wie sich die Gefahr durch Feuer verhüten lässt. Je nach Größe des Gebäudes kann der Termin sehr aufwendig sein. Die Feuerwehr schaut sich an, ob sie im Ernstfall schnell ins Gebäude kommt, ob die Wasserversorgung gesichert ist, Feuerlöscher vorhanden sind, diese auch regelmäßig gewartet werden, die Brandschutztüren in Ordnung sind und nicht durch Holzkeile offen gehalten werden, es keine Probleme auf den Fluchtwegen gibt, Rauchmelder funktionieren und vieles mehr. In der Regel wird der Besuch der Feuerwehr zehn Tage vorher angekündigt.

Was passiert, wenn die Feuerwehr Mängel feststellt?
Bei kleineren Problemen wird dem Betreiber eine Frist zur Beseitigung gesetzt. Bei akuter Gefahr kann ein Gebäude aber auch so lange geschlossen werden, bis die Mängel behoben sind. Das ist aber der Ausnahmefall. In Frankfurt musste im Jahr 2012 das Metropolis-Kino für einige Tage schließen. Keinen Spielraum gab es jetzt auch für eine Weihnachtsmarktbude in der neuen Altstadt. Sie stand auf einer Aufstellfläche der Feuerwehr und musste abgebaut werden.

Wie hat sich der Brandschutz in den vergangenen Jahren entwickelt?
Eine wichtige Neuerung war die Pflicht, in Privathäusern Rauchmelder anzubringen: in allen Schlaf- und Kinderzimmern sowie in Fluren, die als Fluchtwege dienen. In Hessen gilt diese Regelung seit 2005 für Neubauten und seit 2015 für Bestandsbauten. Grundsätzlich gilt: Brandschutz ist komplexer geworden, weil die Gebäude komplexer geworden sind, wie Brandschutz-Experte Andreas Ruhs von der Frankfurter Feuerwehr erklärt. Die technische Infrastruktur ist in vielen Gebäuden heute enorm groß. Daraus folgen höhere Brandlasten. Nach einer Statistik des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung sind Fehler in der Elektrizität für 31 Prozent aller Feuer verantwortlich. Damit stehen sie auf dem ersten Platz der Brandursachen. 

Guter Brandschutz führt zu weniger Bränden und weniger Opfern – gilt diese einfache Gleichung?
Zumindest legen das die Zahlen nahe. Eine Zäsur im Brandschutz war sicher das Feuer am Flughafen Düsseldorf im April 1996. Dabei starben 17 Menschen. Danach wurden zwar nicht unbedingt die Regeln für den Brandschutz verschärft, wohl aber stieg die Sensibilität. Das macht sich statistisch bemerkbar: 1990 starben bundesweit 787 Menschen bei Bränden. 2015 lag diese Zahl bei 367.

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