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Bornheim Mehr als Karneval im Sommer

Der große Festumzug zur Bernemer Kerb zieht Tausende auf die Straßen von Bornheim.

Umzug zur Bornheimer Kerb
Blumen für die Damen, Bonbons für die Kinder. Manche Besucher fühlten sich wie beim Karneval. Foto: Monika Müller

Süßes fliegt, Reiter in historischen Uniformen mischen das kunterbunt verkleidete Fußvolk auf. Die Bad Vilbeler Quellkönigin gibt sich die Ehre im schwarzen Cabrio, dicht gefolgt von dem der Bergen-Enkheimer Apfelkönigin. An der Spitze des großen Festumzugs der traditionsreichen Bernemer Kerb stimmt die „Erste Deutsche Marchingband Frankfurt“ ihre nächste Nummer an, angeführt von „Ortsdiener“ Dieter Bender. Es scheint fast, als sei die fünfte Jahreszeit im Hochsommer angekommen. Unter den Schaulustigen „uff de Gass“ blitzen Katzen-Haarreifen, ein Flamenco-Kleid und viel Glitzer hervor.

Auch die fünfjährige Anastasia und ihre Schwester Isabella aus dem Nordend haben sich schön gemacht. Von ihren Eltern, die „den Umzug nun zum ersten Mal bewusst mit den Kindern machen“, haben sie schon viel über das Spektakel gehört: „Da gibt es Pferde und Kutschen mit Bier. Und es werden Bonbons geschmissen wie an Fasching.“

„Mit Fasching hat der Umzug nichts zu tun“, findet Heidi Kost, die mehrere hundert Meter weiter Kräutersträuße und Gemüse verteilt. Die alteingesessene Bornheimerin mit dem grün gefüllten Flechtkorb drückt einer Frau am Rand eine Möhre in die Hand. Mit Sabine Flechtenstein und anderen Mitgliedern des Kleingärtnervereins Buchhang verteilt sie in Strohhüten und Schürzen mit gelben Sonnenblumenmustern selbst Angebautes aus Bollerwagen mit Gartenzwergen. Sabine Flechtenstein bereue es fast, im Zug mitzulaufen. „Wenn man draußen steht, bekommt man viel mehr mit.“

Grün leuchtet auch der Kerb-Traktor, der weiter vorne eine Fichte auf dem rund 100 Jahre alten Holzwagen zieht. Der echte Kerbebaum jedoch steht schon seit Samstagmittag auf dem Festplatz. „Das Original ist 28 Meter hoch. Der Baum zum Anschauen nur fünfzehn“, sagt Dominik Müller auf dem Traktor. Die Kerbeburschen hatten am Morgen den Baum aus dem Enkheimer Wald abtransportiert und auf dem Johanniskirchplatz aufgestellt, wo seine roten und weißen Bänder nun gegen den tiefblauen Himmel wehen. Das sei „früh und anstrengend“ gewesen, sagt Müller. „Aber wenn er dann steht, weiß man, warum man sich das jedes Jahr wieder antut.“

Beinahe hätte das über 400 Jahre alte Traditionsfest rund um die Bornheimer „Zwiwwelkerch“ ohne den Baum starten müssen. Weil der Langholztransportwagen alt ist, habe die Polizei Anfang der Woche noch eine Schwerlastgenehmigung gefordert, wie Joshua Lear, stellvertretender Vorsitzender der Bornheimer Kerwegesellschaft, erzählt. Doch dann durfte der Transport wie gewohnt stattfinden. Wie alles im nächsten Jahr geregelt werde, sei noch offen. „Wir werden Gespräche führen. Ich bin guter Dinge, das wir auch dafür eine Lösung finden.“

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