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Bornheim Körper und Geist vereint

Die TG Bornheim lehrt seit 25 Jahren die koreanische Kampfkunst Hapkido. Der Verein hat jüngst auch die EM ausgerichtet.

TG Bornheim
Alfons Heck (links) und Christoph Müller beim Hapkido-Training der TG Bornheim. Foto: Monika Müller

Die Laute sind schwerlich nur in Buchstabenfolgen aufzuschreiben. Aber sie deshalb nicht zu erwähnen wäre töricht, sie prägen die Szene. Jedes Mal, wenn jemand mit dem Bein nach vorne austritt, mit der Hand nach vorne ausschlägt, jedes Mal füllen diese kurzen Laute beim kraftvollen Ausatmen den kleinen Turnraum der TG Bornheim. Es ist ein Mittwochabend, rund ein Dutzend Sportler steht verteilt auf den rot-blauen Matten und folgt Tills Anweisungen.

Till ist an diesem Abend Trainer, Hapkido-Trainer. Bei Hapkido handelt es sich um eine koreanische Kampfkunst, die Schlag-, Tritt-, Wurf-, und Hebeltechniken vereint. Beim Sport ist man schnell per Du, deswegen nennt Till seinen Nachnamen auch gar nicht mehr. Die Silbe „Hap“ steht für Ausgewogenheit des Körpers und der Seele, „ki“ für Kraft und „do“ für den Weg. „Körper, Geist und Kraft kommen in dem Sport zusammen“, sagt Christoph Müller, seit 22 Jahren selbst Hapkido-Sportler. Daher ist auch die Atmung so wichtig. Als Sinnbild der Einheit.

Nach dem zweiten Weltkrieg sei die Kampfkunst nach Europa gekommen, „und seit 25 Jahren gibt es sie bei der TG Bornheim.“ Wichtig ist für jede Gruppe, sich einem Verband anzuschließen, einer Stilrichtung. „Wir gehören zur Daehan Minguk“, sagt Müller. Prägend dabei: die Bewegungsabläufe sind kurz und knackig. Zu jedem Stil gebe es auch einen koreanischen Großmeister, der in regelmäßigen Treffen über die Kampfkunst lehrt. Der für die TG Bornheim zuständige Meister sitzt in Kassel, hat aber Kontakt nach Korea.

Im Turnraum scheucht Till die Gruppe über die Matten – laufend, kniend, hüpfend und kniend hüpfend. Dazu kommen Abroll- sowie Bauchübungen, Liegestütze und Atemübungen. Aufwärmen muss sein.

Bis auf Gil, der sich an diesem Abend das Training zum ersten Mal anschaut, tragen alle Kampfanzüge inklusive Gürtel, wie man sie wohl am ehesten vom Taekwondo kennt. „Es gibt acht Schülergrade und fünf so genannte Dan-Grade“, erklärt Müller. Letztere sind die Fortgeschritteneren. Für jeden Grad gibt es eine Prüfung und einen Gürtel. Müller trägt den vierten Dan-Grad – nach fast zehn Jahren intensiven Trainings. Ende Mai erst hat die TG Bornheim die Hapkido-Europameisterschaft des Daehan-Minguk-Verbandes in Frankfurt ausgerichtet. Aus fünf Ländern sind Teilnehmer angereist, knapp 100 waren es insgesamt, sagt Müller.

Saskia hat bei der EM eine Bronzemedaille geholt. Jetzt steht die 28-Jährige wieder auf der Matte, das Gesicht verschwitzt, außer Atem. Seit zweieinhalb Jahren trainiert sie Hapkido bei der TG. „Es ist so eine Gruppendynamik, obwohl es ja eigentlich ein ein-Mann-Sport ist.“ Sie schätze die Vielfältigkeit der Techniken, die Körperkoordination und die Philosophie dahinter. „Aber es hilft mir auch in der Selbstverteidigung.“ Schließlich wolle sie niemals in der Opfer-Rolle sein.

62 Leute bilden die Hapkido Gruppe der TG Bornheim, das jüngste Mitglied ist 16 Jahre alt, das älteste 53. Zum Training allerdings kommen immer nur eine handvoll, „jeder so, wie er Zeit hat“, sagt Müller.

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