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Bornheim Bornheim besser anbinden

Im Rahmen eines Forschungsprojekts werden Anwohner befragt. Es gibt eine große Nachfrage nach Parkplätzen und Radwegen.

Beinahe wehmütig schaut Monika Gärtner der jungen Frau auf dem Fahrrad hinterher, als diese in die Turmstraße abbiegt. Früher, sagt Gärtner, sei sie auch oft Rad gefahren: „Täglich vier Kilometer zur Arbeit in die Innenstadt und zurück.“ Irgendwann machte der Rücken Probleme, dann schmerzte das Knie – heute ist die Bornheimerin auf den Bus angewiesen. „Viele Ecken im Stadtteil sind aber nur mangelhaft an die Öffentlichen angebunden“, findet sie.

Um ihre Ideen mit einzubringen, folgte sie der Einladung des Stadtplanungsamts und des Fachbereichs Humangeographie der Goethe-Universität zur Auftaktveranstaltung des Forschungsprojekts „Quartier Mobil Bornheim“ am Samstag.

Martin Lanzendorf, Professor für Humangeographie, koordiniert die Forschung. Er erklärt: „Uns interessiert, wie die Bornheimer in Zukunft leben und sich bewegen wollen.“ Mit seinen vielen engen Straßen sei der Stadtteil nicht für den Autoverkehr ausgelegt, beobachtet Lanzendorf. Gleichzeitig ziehen Gastronomie, Einzelhandel, Krankenhäuser und Sportvereine ins Viertel. Nicht nur im Hinblick auf Nachhaltigkeit seien daher Veränderungen nötig. „Diese passieren oft sehr schnell“, sagt er. „Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass man einfach Leihautos von der Straße mitnehmen kann“, spielt er auf das Thema Carsharing an.

Im Rahmen der Forschung hat Lanzendorfs Team 3000 Fragebögen im Stadtteil verteilt – mehr als 1000 kamen ausgefüllt zurück. Nun geht es an die Auswertung. „Die Impulse müssen aus der Bevölkerung kommen“, betont der Professor.

Heidi Breuer lässt sich das nicht zweimal sagen. „Der Stadtteil braucht eine neue Buslinie, der die Altersheime abfährt“, fordert sie. Breuer wohnt in der Seniorenwohnanlage Falltorstraße. Sie selbst sei zwar noch fit zu Fuß, die meisten Bewohner würden aber unter der mangelhaften Anbindung leiden. Etwas verärgert ist die Bornheimerin daher, als sie erfährt, dass in keinem der fünf Altersheime im Stadtteil Fragebögen verteilt wurden. Luise Tegeler, Mitglied im Forschungsprojekt, erklärt: „Die Haushalte wurden nach einer statistischen Methode, also per Zufall, ausgewählt.“ Zwar dauere die Auswertung noch an, es zeichne sich aber ab, dass ohnehin meist ältere Menschen an der Studie teilgenommen hätten.

Auch Andreas Cornel ist an der Zukunft Bornheims gelegen. Der Arzt wohnt nahe dem Johanneskirchplatz. „Früher war hier alles zugeparkt“, erinnert er sich. Vor etwa zehn Jahren hatte der Kirchenvorstand, dem auch Cornel angehört, sich dann für eine Umgestaltung eingesetzt. Heute sei der Vorplatz sehr beliebt, viele Anwohner würden auf den Bänken entspannen.

Dass Konflikte entstehen, wenn Parkplätze wegfallen, liege in der Natur der Sache, sagt Cornel. Umso ärgerlicher findet er, dass die angedachte Quartiersgarage an der Ecke Berger Straße/Ringelstraße nun voraussichtlich doch nicht entsteht.

Kritisch blickt Heike Weber auf das Ideen-Flipchart des Quartier-Mobil-Teams. Im Laufe der Veranstaltung haben Anwohner hier Vorschläge gesammelt. „Räume für Kinder schaffen“, oder „Autofreie Freihofstraße“ steht dort auf Zetteln. Auch Weber hat eine Forderung miteingebracht: „Mehr Raum für Radfahrer“. Eine gefährliche Ecke im Viertel sei etwa die Wittelsbacherallee; hier würden die Autos besonders rigoros fahren und parken. „Solange Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben kommen, werde ich nicht aufhören, zu protestieren“, sagt Weber.

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