Lade Inhalte...

Bergen-Enkheim Mücken nerven Anwohner und Sportler

Mücken über Mücken in Bergen-Enkheim. Der Ortsbeirat diskutiert, ob es sich bereits um eine Plage handelt.

Mücke
Eine Mücke sticht zu (Symbolfoto). Foto: imago

Dass zum Dreiklang Sommer, Sonne, Wasser in Frankfurt (und anderswo) auch Stechmücken gehören, ist nicht erst seit diesem Jahr bekannt. Hört man sich allerdings in Bergen-Enkheim um, so scheint es aktuell schlimmer zu sein als sonst. Von einer „Mückenplage“ ist gar die Rede in einem Ortsbeirats-Antrag der CDU-Fraktion aus der vergangenen Woche, welcher der FR vorliegt.

Dort heißt es unter anderem, Bewohner, Besucher des Riedbades sowie Sportler und Zuschauer im Riedstadion würden von einer Mückenplage „gequält“. Als Ursache werden der Weiher neben der Stadionzufahrt und der Riedteich ausgemacht. Der Antrag sieht vor, dass der Magistrat den Sachverhalt prüft und gegebenenfalls noch im laufenden Sommer gegen die Insekten vorgeht.

In der vergangenen Ortsbeiratssitzung Anfang Juni hätten sich einige Bürger über den Zustand am Riedteich und am nahegelegenen Tümpel beklagt, erzählt Michael Reiß, CDU-Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat 16. Seine Forderung ist klar: „Das muss mit biologischen Mitteln bekämpft werden.“

Eine solche Möglichkeit bietet die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs), die im Antrag auch erwähnt ist. Das Einsatzgebiet erstrecke sich auf den Oberrhein und reiche von Breisach bis Bingen, erzählt Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor und Biologieprofessor. Die Mücken bekämpfe man mit der B.t.i.-Methode sehr effektiv: Bodenbakterien, die Sporen und Eiweißkristalle bilden, werden in den Brutgebieten ausgesetzt. Fressen nun die Mückenlarven diese Eiweiße, sterben sie - und die übrige Umwelt nimmt dabei keinen Schaden. Obwohl die Kabs bereits seit 36 Jahren so vorgehe, sei noch keine Resistenz entstanden, so Becker. Er schlussfolgert: „Es gibt keine bessere Methode.“

Nervige Plagegeister

Doch wie gefährlich sind Stechmücken wirklich? Immerhin ist im CDU-Antrag von „schlimmen Krankheiten“ wie dem Dengue-Fieber die Rede, die durch die kleinen Tiere übertragen werden könnten. Besonders von nicht-einheimischen Arten gehe Gefahr aus. Auch Biologe Becker warnt vor den Insekten: „Mücken sind nicht so harmlos“, sagt er. Praktisch jede Minute sterbe irgendwo auf der Welt ein Mensch an einem Stich der Tiere, vor allem in Afrika.

Unter den rund 3500 Stechmückenarten weltweit sieht er Tigermücken an dritter Stelle, was das Gefahrenpotenzial anbelangt. Der asiatische Typ scheine sich in Deutschland auszubreiten, so Becker. Die afrikanische Tigermücke (besser bekannt als Gelbfiebermücke), vor der im Ortsbeiratsantrag gewarnt wird, könne sich hier allerdings nicht halten, da sie eine rein tropische Art sei.

Bei der Stadt Frankfurt gibt man sich gelassener. „Die Mückenpopulationen, die wir hier haben, übertragen keine Infektionen“, erzählt Udo Götsch vom Gesundheitsamt. Auch von importierten Arten wie der Asiatischen Tigermücke gehe keine große Gefahr aus; „die Mücke müsste den Krankheitserreger erst mal in sich tragen“, um ihn übertragen zu können. Da Erreger wie das Dengue-Virus in Deutschland allerdings nicht vorkämen, seien Mücken nicht besonders gefärlich, so Götsch.

Lediglich von Reisenden eingeschleppte tropische Viren und Infekte könnten zum Risiko werden, wenn sie durch Mückenstiche weitergegeben würden. Bezogen auf die Menge an Stechmücken sagt Bernhard Traulich vom Umwelttelefon der Stadt: „Insgesamt ist es in diesem Jahr noch recht entspannt.“ Durch die trockene Hitze seien viele kleine Wasserflächen wie etwa Pfützen ausgetrocknet, weshalb es eher weniger der Insekten gebe als sonst zu dieser Zeit. Das fühle sich aber nicht unbedingt so an, denn viele Menschen hielten sich aufgrund der hohen Temperaturen öfter und länger im Freien auf - da werde man dann auch mal gestochen. An stehenden Gewässern könne es darüber hinaus durch die Hitze auch größere Mückenpopulationen geben.

Besserung in Sicht?

Das kann Roland Sedlatschek, Jugendtrainer beim FC Germania Enkheim, bestätigen. Denn seines Eindrucks nach sei es im Riedstadion schlimmer als in den letzten Jahren. „Man kann manchmal auf dem Rasen in den Abendstunden kaum noch trainieren.“ Das Kicken sei zum Teil nur mit Mückenschutzmitteln möglich.

Im angrenzenden Riedbad allerdings scheint es entspannter zu sein. „Wir haben jetzt konkret keine Beschwerden“, sagt der Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt, Frank Müller. Allerdings sei das Bad aufgrund eines Rohrbruchs auch erst seit Anfang Juli geöffnet.

Doch ob durch die Trockenheit nun mancherorts mehr oder weniger Mücken umherschwirren: Zu einer Belastung könne es noch kommen, wenn Niederschläge fielen, sagt Bernhard Traulich. Weder für Bergen-Enkheim noch für den Rest der Stadt lässt sich also jetzt schon ein Sommer-Fazit in Bezug auf Stechmücken ziehen. Denn der nächste Regen kommt bestimmt – irgendwann.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen