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Bergen-Enkheim Islamfeindliche Vorbehalte

In der Diskussion ums islamische Gemeindezentrum in der Bessemer Straße geht es nicht nur um mehr Lärm und mehr Verkehr.

Der geplante Bau eines islamischen Gemeindezentrums in der Bessemer Straße löst in Bergen-Enkheim heftige Diskussionen aus: Vordergründig geht es um fehlende Parkplätze und Lärmbelästigung. Doch zumindest manch ein Anwohner hätte mit einer christlichen Kirche weniger Probleme.

Im vergangen September wurde bekannt, dass der Verein „Islamische Informations- und Serviceleistungen“ (IIS) in der Bessemer Straße 7 ein Grundstück erworben hat. Der im Gallus ansässige Verein will dort ein Gemeindezentrum mit Gebetsraum, Seminarräumen und einem Infoladen eröffnen.

Um das zu verhindern, gründeten rund 50 Anwohner die Bürgerinitiative (BI) Bessemer Straße. Auch im Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim) wurde in mehreren Sitzungen über das Zentrum diskutiert: Parteiübergreifend argumentierten die Ortsbeiratsmitglieder, dass der Standort aufgrund der ohnehin knappen Parkplätze ungeeignet sei. Im November forderte das Stadtteilgremium die Stadt auf, nach alternativen Grundstücken für den Verein zu suchen.

Dass die Parkplätze in der Bessemer Straße nicht ausreichen, glaubt auch Ortsbeiratsmitglied Dimitros Bakakis (Grüne). Darum gehe es in der Debatte aber zum Teil gar nicht: „Bei einigen Anwohnern stehen islamfeindliche Vorbehalte im Vordergrund“, sagte Bakakis der FR. Immer wieder hätten sich Anwohner in den Bürgersprechstunden rassistisch geäußert. Auch erreichten den Ortsbeirat immer wieder Schreiben mit eindeutigem Inhalt.

Eines der Schreiben, das an mehrere Ortsbeiratsmitglieder verschickt wurde, liegt der Frankfurter Rundschau vor. In dem vierseitigen Brief vom 17. Oktober 2017 schwadroniert eine nach eigenen Aussagen Anwohnerin der Bessemer Straße in rechtspopulistischer Rhetorik von der Vernichtung der „christlich-abendländischen Kultur“ und der „Islamisierung unserer Heimat“. Der Islam fülle das „geistige Vakuum, das Gender-Ideologie, Homo-Ehe und Feminismus hinterlassen haben“, heißt es in dem Schreiben.

Besonders brisant: Die Verfasserin ist Mitglied der BI Bessemer Straße. In einem Schreiben vom 5. November 2017 sagte sie im Namen der BI die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion zum Gemeindezentrum ab. BI-Sprecher Gerhard Laube bestätigte auf Nachfrage, dass die Frau immer noch aktives Mitglied sei.

Von dem Inhalt des Schreibens zeigte sich Laube überrascht: Solche Äußerungen seien „absolut daneben“ und hätten nichts mit den Inhalten der BI zu tun. „Wir haben nichts gegen eine Moschee, aber der damit einhergehende Lärm und Verkehr würden das Wohngebiet stark treffen“, sagte Gerhard Laube. Klar distanzieren wollte er sich dennoch nicht: „Wir sind nicht verantwortlich für die Äußerungen einzelner Mitglieder.“ Dass Anwohner und der Verein IIS zu einem Kompromiss kommen, schloss er auch aus.

Doch die BI spricht nicht für alle Anwohner der Bessemer Straße. Einer, der sich nicht von der Initiative vertreten fühlt, ist Norbert Reh. „Ich habe nichts gegen das Gemeindezentrum“, sagte der 62-jährige im Gespräch mit der FR. Zwar wäre es problematisch, wenn die Gemeindebesucher alle mit dem Auto anreisten, aber es gebe ja auch öffentliche Verkehrsmittel.

Die Idee des Grundstücktauschs ist mittlerweile vom Tisch. Im März teilte der Magistrat mit, dass die Stadt über kein gleichwertiges Gelände verfüge. Einen Termin für den Baubeginn gibt es noch nicht. Auch einen Bauantrag habe man noch nicht bei der Frankfurter Bauaufsichtsbehörde eingereicht, sagte IIS-Sprecher Mohammed Johari. Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens muss der Verein auch ein Parkplatzkonzept vorlegen – die Zahl der vorgeschriebenen Stellplätze hängt dabei von der vorgesehenen Nutzung des Gebäudes ab. „Wir werden uns selbstverständlich an die Vorgaben halten“, so Johari.

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