Lade Inhalte...

Bergen-Enkheim Ideen gegen den Verkehrskollaps

Bürger diskutieren mit der Stadt Frankfurt darüber, wie sich der Verkehr in ihrem Stadtteil beruhigen lässt

Bergen-Enkheim
Anwohner in Bergen-Enkheim fordern, dass die Busse nur in einer Richtung auf dem Neuen Weg fahren. Foto: Christoph Boeckheler

Das Profil, mit dem Jens Wöbbeking vom Referat für Mobilität und Verkehrsplanung Bergen-Enkheim überschrieben hat, klingt idyllisch und fast wie aus einer Werbebroschüre: „Etablierter Wohnstandort am grünen Stadtrand“. Dass im östlichen Stadtteil trotzdem nicht alles makellos ist, zeigt die anschließende Bürgeranhörung in der Stadthalle Bergen: Die etwa 70 anwesenden Anwohner klagen am Montagabend über Verkehrsprobleme und sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder.

„Wir sind keine Vollblutpolitiker und Verkehrsexperten“, sagt Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) eingangs. Zuletzt hätten die ehrenamtlichen Stadtteilpolitiker oftmals das Gefühl gehabt, an Grenzen gestoßen zu sein. Daher laute das Ziel der Veranstaltung, die mehr als zweieinhalb Stunden dauert: „Wir wollen mehr Planungssicherheit.“

Etwa beim schmalen Neuen Weg, der Bergen und Enkheim miteinander verbindet. „Das ist die einzige Grundnetzstraße mit solch einem hohen Gefälle“, sagt Andrea Schuster. Mit weiteren Anwohnern hatte sie im September eine Bürgerinitiative gegründet, sammelte 50 Unterschriften und übergab sie dem zuständigen Ortsbeirat 16 – zusammen mit einem Forderungskatalog (die FR berichtete).

Die Anwohner möchten, dass die Busse nur in einer Richtung auf dem Neuen Weg fahren und das Tempolimit auf 30 Stundenkilometer beschränkt wird. „Der Neue Weg ist ein Dauerbrenner: Seit zehn Jahren doktern wir an ihm herum“, sagt Müller-Friese. „Immer wenn wir eine Teilfläche beruhigt haben, tritt ein neues Problem auf.“

Wöbbeking macht Hoffnung: „Eine durchgehende Geschwindigkeitsbeschränkung kann ich mir durchaus vorstellen“, sagt er. Behilflich sei eine Novelle, die Tempo-30-Zonen vor allem vor Schulen, Kitas und Altenheimen erleichtern soll. Wöbbeking zeigt aber auch Grenzen auf: „Wir können nicht den ganzen Stadtteil zu einer Tempo-30-Zone machen.“

Ärger gibt es auch im Fritz-Schubert-Ring. Eine Mutter sorgt sich um die Sicherheit ihrer zwei Kinder. Zwei Verkehrsinseln hätten unvorsichtige Autofahrer dort in kürzester Zeit umgefahren. Ellen Wild (BFF), die seit 42 Jahren in der steilen, kurvigen Straße wohnt, erzählt, dass dort in diesem Zeitraum fünf Menschen ums Leben gekommen seien. „Da kracht es immer wieder.“

Doch diese „Schauergeschichten aus der Vergangenheit“ möchte Müller-Friese am Montagabend nicht hören: Die Ortsvorsteherin sucht nach „kreativen Ideen“, um Probleme zu lösen. Sie habe bereits viele Zuschriften von Menschen erhalten, die quer dachten. „Das finde ich sensationell.“
Auch aus der Bürgeranhörung nimmt Wöbbeking viele Anregungen mit ins Straßenbauamt, dem sein Referat angegliedert ist. So schlägt Roland Pfeifer aus Seckbach eine Art Pförtnerampel vor, die auf der Vilbeler Landstraße zwischen 7 und 9 Uhr morgens Rot anzeigen soll. Eine Mutter der Kita Sternenwelt wünscht sich ein sogenanntes Dialog-Display für die Erlenseer Straße. Dort gebe es einen Zebrastreifen, an dem die zu schnellen Autos nicht anhielten, wenn Kinder dort über die Straße gingen.

Prekär ist die Lage auch rund um das Alte Rathaus. „Mein Auto ist dreimal gerammt worden, weil die Busse dort nicht aneinander vorbeikommen“, klagt die Inhaberin der Postfiliale auf der Marktstraße. „Es ist ein Drama, das uns noch weiter beschäftigen wird“, sagt Müller-Friese. Auch weil das zu sanierende Rathaus noch bis mindestens 2020 eingerüstet sei.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen