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Bergen-Enkheim Ein offenes Ohr für Jugendliche

Im Jugendhaus Bergen wird gerappt, getanzt und jeden Abend pünktlich um 18 Uhr gemeinsam gekocht. Bei Problemen sind die Mitarbeiter jederzeit ansprechbar.

Jugendhaus
Hip-Hop-Workshop im Jugendhaus. Foto: peter-juelich.com

Fehler entgehen Isabella Rosastro nicht: Durch den riesigen Spiegel sieht sie, ob Anna, Madelaine, Nina und Magdalena zur richtigen Zeit das Bein nach vorne schieben oder einen Ausfallschritt machen. In den kurzen Pausen zwischen zwei Liedern erklärt die Tanzlehrerin den vier Mädchen die nächsten Schritte. Sobald die Reggae-Musik wieder aus den Boxen schallt, geht es aufs Neue los.

Jeden Mittwoch ist der Aufenthaltsraum im Jugendhaus Bergen zwischen 16 und 17 Uhr fest in den Händen von Rosastro und ihren Schülerinnen: Dann wird die Tischtennis-Platte zur Seite gestellt und die Lautstärkeregler der Musikanlage nach oben geschoben. Die Mädchenarbeit sei ein wichtiger Bestandteil ihres Konzepts, sagt Jugendhaus-Mitarbeiterin Esther Reinecke. „Mädchen tauchen weniger in Jugendräumen auf, deshalb wollen wir sie durch gezielte Angebote reinholen.“

Wenn nicht gerade getanzt wird, ist der Aufenthaltsraum ein offener Treffpunkt für Jugendliche aus dem Stadtteil: Hier können sie Billard und Tischtennis spielen oder einfach ihre Freunde treffen. Begleitet werden sie dabei von Reinecke und ihrer Kollegin Natalie Sciortino. „Wir wollen einen Schutzraum für Jugendliche schaffen und für Probleme ansprechbar sein“, erklärt Sciortino.

In Bergen-Enkheim seien wenige Jugendliche sozial benachteiligt, sagt sie. Ein größeres Problem seien Eltern, die kaum Zeit und nur selten ein offenes Ohr für ihre Kinder haben. Auch klassische Teenie-Geschichten wie Liebeskummer oder erste Erfahrungen mit Alkohol spielten in ihrer Arbeit eine Rolle.

Dreh- und Angelpunkt des Jugendhauses, das im Jahr 1993 auf Initiative von Eltern aus dem Stadtteil gegründet wurde, ist das gemeinsame Kochen. Unter der Woche wird jeden Tag pünktlich um 18 Uhr gekocht und anschließend gemeinsam gegessen. Was auf den Tisch kommt, entscheiden die Jugendlichen selbst – ein Teil der Zutaten stammt aus dem eigenen Kräutergarten im Hof.

„Das gemeinsame Kochen ist pädagogisch wertvoll, weil es das soziale Miteinander fördert“, sagt Sciortino. Damit die Jugendlichen sich beim Kochen und Essen wirklich miteinander beschäftigen, sind Smartphones verboten. „Wir wollen zeigen, dass es auch ohne Handy schön sein kann“, erklärt Reinecke.

Angebote, für die es sich lohnt, das Handy beiseite zu legen, hat das Jugendhaus reichlich zu bieten. Während die Mädchen im Aufenthaltsraum tanzen, sitzt der zwölfjährige David mit Georgij Becker im Computerraum am Drehbuch für einen Film mit Lego-Figuren. „Das war so eine Schnapsidee von mir“, sagt der 24-jährige Becker, der früher selbst häufig Gast im Jugendhaus war. Das Film-Projekt bietet er jetzt ehrenamtlich an. Bis der Film im Kasten ist, wird es aber noch eine Weile dauern: „Wir haben erst zwei Seiten, die nicht gerade dicht beschrieben sind“, sagt Becker.

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