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Aids-Hilfe Frankfurt Tausende laufen für mehr Zeit

Beim Lauf für mehr Zeit der Frankfurter Aids-Hilfe sind Klein und Groß am Start.

Lauf für mehr Zeit
„Löwe“ Martin Lück präsentiert sich standesgemäß im Löwenkostüm und ist einer der Laufbotschafter. Foto: Michael Schick

Der Lauf für mehr Zeit rund um den Frankfurter Opernplatz hat noch gar nicht angefangen, da stehen viele Teilnehmer schon Schlange, um eines der schicken T-Shirts zu ergattern. An der Ausgabe hat Laura Sebel alle Hände voll zu tun. „Eigentlich sind es ja Finisher-Shirts, aber für uns ist es logistisch einfacher, wenn sich manche Läufer die Shirts schon vorher abholen“, verrät Sebel. Quasi eine Ausgabe für mehr Zeit.

Die Heinrich-von-Gagern-Schule ist fein raus. Die Teilnehmer des Gymnasiums bekommen ihre weißen Shirts mit buntem Aufdruck danach von den Organisatoren der eigenen Schule. Ohne langes Anstehen. Noch aber herrscht am Sammelpunkt der Schule, direkt am Lucae-Brunnen, die Farbe gelb vor, denn in den Leibchen in gelb und schwarz tritt die Schule traditionell an zum Lauf für mehr Zeit. Wie lange die Schule im Ostend bei dem Benefizlauf zugunsten der Aids-Hilfe Frankfurt dabei ist, weiß Organisator Jonas Goebel gar nicht. „Bestimmt schon zehn Jahre“, glaubt Goebel. Knapp 200 Schüler, Lehrer, Eltern und Ehemalige treten für das Gymnasium an diesem Sonntag an. Treibende Kraft sind die Sportlehrer der Schule, die im Unterricht die Werbetrommel rühren und so jedes Jahr Spendengelder in immerhin vierstelliger Höhe einsammeln.

Die Bemühungen der Schule sind aller Ehren wert, aber an Alexander Bodtländer kommt sie nicht ran. Der Internist ist quasi Spendensammelprofi. In seiner HIV-Schwerpunktpraxis im Nordend wirbt er jedes Jahr fleißig. Kollegen, Freunde, Apotheker, Patienten – alle werden für die gute Sache zur Kasse gebeten. „Da geben auch Hartz-IV-Empfänger fünf Euro“, freut sich Bodtländer, der seit zwölf Jahren beim Lauf für mehr Zeit dabei ist und seit zehn Jahren Spenden sammelt. „Motiviert hat mich ein älterer Kollege, der jahrelang der eifrigste Sammler war.“ Von Jahr zu Jahr macht ihm Bodtländer das Leben als fleißigster Geldeintreiber schwerer. „Das ist auch ein kleiner Wettbewerb“, verrät Bodtländer, der in diesem Jahr 12.250 Euro eingesammelt hat. „Ein neuer Rekord“, strahlt der Mediziner und vergisst nicht zu erwähnen, dass er in der Süd-Apotheke in Sachsenhausen seit Jahren einen „Großsponsor“ hat, der 5000 Euro gibt.

Für die Aids-Hilfe Frankfurt ist der alljährliche Benefizlauf die größte Einnahmequelle. Die Kosten der Veranstaltung werden weitgehend von Sponsoren übernommen, das Startgeld der Läufer, 13 Euro für Erwachsene, fünf Euro für Schüler, kommt direkt den Projekten der Aids-Hilfe zugute. Um noch mehr Geld einzuwerben als nur die Startgebühr, wurde die Idee des Spendenläufers aus der Taufe gehoben, der selbst keine Startgebühr entrichten muss, aber dafür viel Geld von anderen einsammelt, die vielleicht lieber Geld geben, als selbst mitzulaufen.

Auch andere helfen, etwa die Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland (GSD). Mitten auf dem Opernplatz wird massiert und geknetet. Shiatsu ist eine japanische Heilmassage. Mehrere Damen bieten ihre Künste zugunsten der Aids-Hilfe an. „20 Minuten für zehn Euro Spende“, steht auf einem Pappschild. „Im vergangenen Jahr kamen um die 600 Euro zusammen“, verkündet Gertraude Trachsel von der GSD.

Der Lauf hat immer noch nicht begonnen, aber ein Warmmach-Programm gibt es. Fitnesscoach Tim Gondorf steht auf einer kleinen Bühne und erteilt den rund 40 Teilnehmern Anweisungen. Startnummer 10 ist mit Feuereifer dabei. Die stolze Mutter der Startnummer 10 hält das ganze mit der Handykamera fest. Die Startnummer 10 hört auf den Namen Iona und ist erst fünf Jahre alt. Zu bremsen ist die kleine Iona nicht, auch wenn die Mama es versucht, weil die Tochter doch noch beim Bambini-Lauf über die Freßgass mitrennen soll. Der drei Jahre ältere Bruder geht bei den Schülern an den Start. Denn was heißt schon Lauf für mehr Zeit – es sind gleich fünf Läufe für mehr Zeit, zweimal über fünf Kilometer (Laufen und Walken), einmal über zehn Kilometer und je einmal für die Bambinis und die Schüler. Das erklärt auch die familiäre Atmosphäre auf dem Opernplatz. Der große Bankenlauf im Frühjahr gehört den Unternehmen, der Lauf für mehr Zeit im Spätsommer gehört den Familien.

Während sich die einen bereits warmmachen, sind andere noch gar nicht angemeldet. Bis kurz vor dem Start sind Anmeldungen möglich, etwa 500 Läufer nutzen die Chance am Starttag und müssen dafür etwas tiefer in die Tasche greifen. „Viele Teilnehmer machen es vom Wetter abhängig, ob sie mitlaufen“, sagt Oliver Henrich, der Sprecher der Aids-Hilfe. Das Wetter ist an diesem Sonntag keine Ausrede. Die Sonne strahlt bei sehr angenehmen Temperaturen. Oder wie es Fitnesscoach Gondorf über sein Mikro sagt: „Die Arme gehen hoch in den wunderschönen blauen Frankfurter Himmel.“

Wie viele Arme und Beine am Ende insgesamt am Start waren, stand zunächst nicht fest. Wohl etwa wieder so viele wie im vergangenen Jahr, da waren es über 4500, die für mehr Zeit, mehr Spenden und ein Finisher-Shirt gelaufen sind.

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