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Äpfel in Frankfurt Experte beurteilt Äpfel: Mimosen und große „Klopper“

Werner Nussbaum untersucht die Apfelbäume rund um den Lohrberg in Frankfurt. Mehr als 500 Besitzer von Streuobstwiesen gibt es dort.

15.10.2017 13:29
Lohrberg
Experte Werner Nussbaum mit einem Topas. Foto: Monika Müller

Er ist Experte für die Hauptzutat des Frankfurter Nationalgetränks, den Apfel. Und natürlich auch für die Bäume, auf denen er wächst. Werner Nussbaum ist Vorsitzender des hessischen Pomologen-Vereins und hat in den vergangenen zehn Jahren 13.000 Bäume im Rheinmain-Gebiet erfasst. „Um mal zu wissen, was wir überhaupt noch an alten Sorten und Raritäten haben“, sagt der 63-Jährige.

Zuletzt war er mit seinem Tablet rund um den Lohrberg unterwegs, auf dem Berger Süd- und dem Nordhang. Mehr als 500 Besitzer von Streuobstwiesen gibt es dort, über das Streuobstzentrum können die Wiesen betreut werden. Sechs Jahre lang hat Werner Nussbaum über 6000 Bäume ganz penibel auf Karten festgehalten und weit mehr als 100 verschiedene Obstsorten verzeichnet. Das Ergebnis stellte er am Freitagabend im MainÄppelHaus Lohrberg vor, angereichert mit viel Wortwitz.

Denn Nussbaums liebste Forschungsobjekte bekommen auch gerne mal einen kleinen Seitenhieb ab, etwa wenn er den rund 30 interessierten Gästen und Hobbygärtnern die hiesigen Baumsorten näher bringt: „Speierlinge sind Mimosen“, gibt der Berufsgärtner zum besten. „Wenn man sich um die nicht kümmert, geht es bergab.“

Auch die Äpfel selbst bekommen hin und wieder ihr Fett weg. Etwa die hier am häufigsten vorkommende Sorte, die Rheinische Schafsnase: „Wächst staksig, aber das werden richtig große Klopper.“ Oder der Himbacher Grüner: „Ein wunderbarer Kelterapfel, ergibt Brühe ohne Ende.“ Aber auch zum Essen geeignet? „Vergesst es!“

Auch viele Kirsch- und Birnenbäume sowie deren Obstsorten wanderten genauestens in die Dateien des gebürtig aus dem Main-Kinzig-Kreis stammenden Werner Nussbaum. Etwa die seltene Holzbirne, „steinhart und prädestiniert zum Fenster einschmeißen – da braucht man keine Backsteine“, fügt der Obstexperte schmunzelnd hinzu. Sechs Birnenbäume im Alter von 120 Jahren hat er bei seinen vielen Streifzügen entdeckt. Gegen Ende seines zweistündigen Vortrags wird Werner Nussbaum aber auch nachdenklich: Zu 70 Prozent seien die untersuchten Bäume überaltert und viele bereits über 90 Jahre alt. Es müssten dringend neue angepflanzt werden. „Ich würde gern mal wissen, wo die Keltereien sonst in 20 Jahren ihre Äppel herbekommen.“

Ohnehin lasse sich mit Streuobst aber kein Geld verdienen, es sei ein reines Hobby. „Nur wenige Keltereien sind bereit, 20 Euro pro 100 Kilo zu bezahlen.“ Ein Preis, den Nussbaum als absolut akzeptabel ansieht und kritisch hinzufügt: „Wir beziehen unsere Äpfel jetzt schon größtenteils von Plantagen aus China.“

Am aktuellen Pflegezustand der Bäume rund um den Lohrberg hat der Experte aber nichts auszusetzen: Zwei Drittel der Bäume erhalten in seinem Pamphlet eine mittlere bis sehr gute Benotung. Werner Nussbaum veranstaltet am Lohrberg auch Kurse zur Obstsortenbestimmung.
Anmeldung und weitere Informationen im Internet unter www.mainaeppelhauslohrberg.de .

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