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Wohnen in Frankfurt Stadt plant weiter Neubaugebiet

In Frankfurt werden dringend Wohnungen benötigt. Im Neubaugebiet von Nieder-Eschbach könnten 800 Wohnungen entstehen. Doch im Stadtteil wächst die Kritik an dem Projekt.

Nieder-Eschbach
Ortslandwirt Gerd Kester und seine Kollegen sind nicht begeistert, dass die Stadt Ackerfläche überbauen möchte. Foto: Christoph Boeckheler

Als die ersten Entwürfe für die Neubaugebiete im Süden des Stadtteils Ende vergangenen Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, hagelte es von den mehr als 100 Anwesenden größtenteils Kritik: Bis zu 2000 neue Anwohner seien zu viel, der Verkehr sei jetzt schon überlastet, zudem mangele es an Infrastruktur, obschon geplant, sei sie noch nicht da. Mancher sprach gar von einer „mittleren Katastrophe“. Die Stadtplaner versprachen Nachbesserung – und längst nicht alle Nieder-Eschbacher sind grundsätzlich gegen neue Baugebiete.

Die anvisierte Fläche misst insgesamt rund zehn Hektar und teilt sich in zwei Plangebiete: „Nieder-Eschbach Süd“ und „Am Hollerbusch“, östlich der Bahnlinie U2/U9 sowie rund um die Straße Am Hollerbusch. Bis zu 800 Wohnungen in zwei- bis dreistöckigen Gebäuden sowie Einfamilienhäusern sollen dort entstehen, nebst einer Kindertagesstätte und einer Grünfläche. Baubeginn könnte in fünf Jahren sein, die Pläne seien aber nur eine mögliche Option, heißt es aus dem Baudezernat.

Grundsätzliche Kritik kommt von dort ansässigen und nun betroffenen Landwirten. „Unsere Pachtflächen nehmen ständig ab“, klagt Claudia Seiboldt. „Ohne dafür Ersatzflächen zu erhalten.“ Nach der Aufforstung am Pfingstberg und dem geplanten Radweg nach Nieder-Erlenbach sei sie nun bereits zum dritten Mal betroffen. „Die wissen nicht, welche Ressourcen sie vernichten“, fehlt der Besitzerin eines Bauernhofs ein klares Bekenntnis zur Landwirtschaft seitens der Stadt. „Wir Landwirte sitzen am kürzesten Hebel.“

Zustimmung erhält Claudia Seiboldt vom Ortslandwirt Gerd Kester. „Die Landwirte verlieren immer mehr Flächen“, sagt auch der 53-Jährige. Dennoch sieht er in den aktuellen Bauplänen das kleinere Übel: „Ein kleines Baugebiet ist mir lieber als ein neuer Riesenstadtteil wie der Riedberg.“ Er hofft auf eine Ringstraße um die neue Siedlung.

Pläne für eine eigene Verkehrsanbindung gibt es noch nicht, sollen aber kommen. Viele Anwohner befürchten, die zusätzlichen Fahrzeuge müssten sich ebenso durch die jetzt schon zu Stoßzeiten überlastete Hauptverkehrsader, die Deuil-La-Barre-Straße drängen. „Und wo sollen die ganzen Bagger entlangfahren?“, fragt Jochen Hasseleu von der BFF-Fraktion im Nieder-Eschbacher Ortsbeirat. Ein möglicher Antrag, den Verkehr in Richtung Homburger Landstraße zu leiten, wurde bislang vertagt.

Die Stadtverordnetenversammlung hat Anfang März eine Vorkaufsatzung beschlossen, um am Hollerbusch 30 Prozent geförderten Wohnungsbau zu schaffen. Der Sozialverband VdK regt zudem an, betreutes Seniorenwohnen zu fördern. „Das würde super passen“, sagt Projektleiterin Kerstin Ackermann vom Stadtplanungsamt. „Allerdings benötigen wir dafür konkrete Vorschläge und einen Träger.“ Mindestens fünf Jahre bis zum möglichen Bau will Nieder-Eschbachs VdK-Chef Otto Pühl aber nicht warten und sieht sich derzeit nach bereits leerstehenden Gebäuden im Stadtteil um.

Betroffen wären von den Bauplänen auch zwei Gärtnereien im Gebiet Am Hollerbusch. Erste Gespräche seien geführt, heißt es vom Stadtplanungsamt. Das bestätigt die Gärtnerei Fritzel auf Anfrage der FR – betont aber, man werde definitiv keine Fläche verkaufen. „Unser Sohn will die Gärtnerei weiterführen“, sagt Renate Fritzel. „Wir haben guten Boden, jeder abzugebende Zentimeter täte weh.“

Im Planungsdezernat sieht man das Verfahren nicht ins Stocken geraten. „Mit dem Bebauungsplan machen wir ein Angebot und schaffen die planungsrechtlichen Grundlagen“, erklärt Pressesprecher Mark Gellert. Die Perspektive hierfür sei mittel- oder langfristig und die Erschließung des Gebiets gesichert. „Ein Bebauungsplanverfahren ist ergebnisoffen“, hatte Verkehrsplaner Jörg Stellmacher-Hein bereits bei der öffentlichen Vorstellung betont. „Es gab auch schon Pläne, die nicht weiter verfolgt wurden, weil wir zu bestimmten Themen keine Lösungen gefunden haben.“

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