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Wildnis in der Stadt Honig geht durch den Magen

Aus Liebe zur Natur: ein aufregender Aktionstag für Schüler, diesmal in der Stadtwildnis im Bonameser Nordpark.

Nordpark Bonames
Nach wie vor einer der schönsten Orte Frankfurts: der Nidda-Altarm im Nordpark Bonames, jetzt offiziell Teil der Wildnis. Foto: Christoph Boeckheler

Manchmal liegt die Lösung so nah. „Warum kommen die Wespen eigentlich?“, fragt Anna Hoffmann, 19, aus der zwölften Klasse der Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen. Und antwortet sich gleich selbst: „Ach, weil ich gut rieche, Parfüm und so.“ Kann man so sagen, bestätigt Jan Wacker. Der Senckenberg-Mitarbeiter, Abteilung Bildung und Vermittlung, erläutert der Schülergruppe gerade das Wichtigste über Bienen. Ein Satz, der hängenbleibt: „Honig ist nichts anderes als Bienenkotze“, sagt er, „aber glaubt mir, ihr habt schon Schlimmeres gegessen. Das geht ja auch nicht durch den Hauptmagen, die haben einen Extra-Honigmagen.“

Man lernt nie aus. Und ums Lernen geht es ja schließlich an diesem Tag im Bonameser Nordpark. „Kultur fördert Natur?“ heißt der Aktionstag für Schulen. Umweltamt, Senckenberg-Forscher und weitere Partner haben einen Parcours aus 19 Stationen aufgebaut, und überall erzählen kluge Leute den Oberstufenschülern die dollsten Geschichten.

Am Bibermobil, mit dem Nabu aus der Wetterau angereist, gibt es so lebensnahe Tierpräparate zu sehen, dass selbst der Storch auf der anderen Seite des Nidda-Altarms neugierig in der Nähe herumscharwenzelt. Der echte Storch! Auf der Hundewiese am Alten Flugplatz, seelenruhig.

Die AG Feldhamsterschutz ist auch da, die Schmetterlingsfreunde Apollo, die Entwicklungsplaner von Renn.west, Stadtforst, Niddaschützer, so viele weitere – und natürlich die Wildnislotsen der Naturschule Hessen. Der Nordpark bildet ja, gemeinsam mit dem Monte Scherbelino im Süden, das designierte Wildnisgebiet in Frankfurt. Wildnislotse Torsten Jens erklärt gerade einer Gruppe aus der Nieder-Eschbacher Otto-Hahn-Schule, worum es dabei geht. „Was fällt euch zu Wildnis ein?“, fragt er in die Runde. Mücken, sagen die Schüler. Pflanzen. Wölfe. „Das hier war mal ein richtig cooler Auenwald“, sagt Jens. Was daraus geworden ist, sollen die elf jungen Leute aus der Mittel- und Oberstufe jetzt malen – mit Wasserfarben. Erst die landschaftstypischen Umrisse, in Schwarz. „Ich mach’ euch ein bisschen Dampf, ihr habt zwei Minuten.“ Dann mit Grün: Natur. Gelb: Naturnahes. Orange: vom Menschen Beeinflusstes. Und mit Rot: vom Menschen Geprägtes.

Die Ergebnisse sind spannend und verblüffend unterschiedlich. Die frisch gemähte Wiese, gestern vom Bauern geschnitten, haben die meisten Schüler orange gemalt, manche aber auch bunt gemischt, weil sie einen Mix verschiedener Einflüsse darin sehen, sowohl menschlich-technischer als auch natürlicher Art. Sogar der Himmel und der Feldberg in der Ferne haben unterschiedliche Farben auf den einzelnen Bildern.

Ein Greifvogel fliegt vorbei. „Was für einer ist das?“, fragt Jens. „Ein Habicht“, sagt ein junger Mann. Anerkennung aus der Gruppe („Eeeyy, woher weiiißt du sowas?“), aber: „Ein Mäusebussard“, korrigiert Jens. „Die Botschaft von uns an euch lautet: Schaut genau hin.“ Für die 20 Minuten Intensivkurs bekommt er von den Schülern lauter nach oben gereckte Daumen, auch von Lukas Matthäi, 17 Jahre, elfte Klasse, Bio-Leistungskurs. Er hat sich, wie die anderen, in der Projektwoche für den Ausflug nach Bonames angemeldet. „Weil mich Natur interessiert“, sagt er. Voriges Jahr war er schon am Berger Hang dabei, es ist ja bereits der sechste Projekttag dieser Art. Lukas geht dann mal weiter. Nächste Station? „Reptilien.“

Biologielehrerin Judith Jackson ist zum dritten Mal mit einer Gruppe aus der Otto-Hahn-Schule dabei. Sie schätzt die vielen Impulse an den einzelnen Stationen, aber auch die Aktion als solche. „In der letzten Woche vor den Ferien fällt sonst alles aus oder die Leute gehen ins Kino – so was wie hier ist dagegen doch großartig.“

270 Schüler haben sich für den Tag angemeldet, sagt Senckenberg-Organisator Willem Warnecke. Ganz weit vorne ist wieder die Ricarda-Huch-Schule aus Dreieich, diesmal mit 90 Teilnehmern. Im Umzug vom Berger Hang in den Nordwesten der Stadt sieht Warnecke ein klares Ziel: „Wir wollen das Projekt ,Städte wagen Wildnis‘ in den Fokus rücken.“ Auf die Vermittlung komme es an und darauf, schon die jungen Leute zu sensibilisieren. „Naturschutz heißt nicht: Zaun drumrum“, sagt Warnecke, „sondern ruhig hingehen, angucken, auch ein bisschen pflegen.“

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