Lade Inhalte...

Verkehr in Frankfurt Leben an einer Großbaustelle

Seit mehr als einem Jahr bereitet der Umbau der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt vielen Händlern Schwierigkeiten. Nach Abschluss der Arbeiten ziehen sie unschlüssig Bilanz.

Einkaufen auf der Eschersheimer
Oliver Kannemann bedient wegen der Bauarbeiten derzeit etwa 20 Kunden weniger als sonst in seinem Geschäft, sagt er. Foto: Monika Müller

Der Lärm an der Ecke Eschersheimer Landstraße / Schwalbenschwanz ist ohrenbetäubend: Schrill brüllt eine Kreissäge, als ein Bauarbeiter das schwere Gerät an einer Betonplatte ansetzt. Der Gehsteig gleicht einer Baugrube. Um in Oliver Kannemanns Schreibwarenladen zu gelangen, müssen Kunden ein Labyrinth aus Bauzäunen und Brettern überwinden. 

Im Inneren des Geschäfts werkelt Inhaber Kannemann in der Auslage, der Lärm der Baustelle ist hier nur gedämmt zu hören. „Natürlich spüren wir einen Rückgang der Kundschaft durch den Umbau“, sagt Kannemann. Rund 20 am Tag kämen weniger. 

Dabei sei das Timing des Umbaus der wichtigen Verkehrsader im Frankfurter Norden für ihn noch relativ glücklich: Der Abschnitt zwischen Schwalbenschwanz und Hügelstraße wird zum größten Teil in den Sommerferien umgesetzt, einer der umsatzschwächsten Zeiten des Jahres. 

Rückblick: Vor rund einem Jahr ist die Stadt wegen der Großbaustelle massiv unter Druck geraten. Die Händler klagen über Umsatzeinbrüche, Anwohner über Umleitungsverkehr und der zuständige Ortsbeirat über mangelnde Informationen. Als im Juli auch noch die U-Bahntrasse wegen Bauarbeiten einen Monat lang unterbrochen ist, spitzt sich die Lage zu. „Nerv-Baustelle ruiniert uns“, titelte damals die „Bild-Zeitung“. 

Oliver Kannemann ist Mitglied im Gewerbeverein Eschersheim. Nach mehr als einem Jahr Baustelle ist er geteilter Meinung: „Man hätte Anwohner und Händler mit ins Boot nehmen müssen. Nicht ein Mal haben wir einen Vertreter der Stadt vor Ort gesehen“, bemängelt er. „Vergangenes Jahr hat der Laden durch die Baustelle rote Zahlen geschrieben“, so Kannemanns ernüchternde Bilanz. Vielen anderen sei es ähnlich gegangen. 

Seit mehr als sechzig Jahren ist der Fachhandel an Eschersheim ansässig. Ob die Baustelle für Händler existenzbedrohend ist, lasse sich aber wahrscheinlich erst nach Fertigstellung sagen. Dass bislang Geschäfte nur durch Beeinträchtigung der Baustelle die Türen schließen musste, ist aber auch dem Gewerbeverein nicht bekannt. 

Schräg gegenüber von Kannemanns Schreibwarenladen liegt das italienische Restaurant Monte Bianco. Hier ist der Umbau der Eschersheimer bereits abgeschlossen, die Fahrbahn einspurig, der Gehweg breit. Auch Inhaber Sadek Ouremi zieht unschlüssig Bilanz: „Das Straßenbild wurde optisch aufgewertet“, findet er. Ansonsten habe sich nicht viel verändert. Auf dem nun breiteren Gehweg ist zwar mehr Platz für Tische, viele Gäste säßen aber ungern an der Straße. 

„Der Verkehr ist auch auf der einspurigen Fahrbahn noch sehr laut, außerdem fahren öfters Radfahrer auf dem Gehsteig“, berichtet der Gastronom. Der Großteil seiner Gäste sitze nach wie vor am liebsten im Innenraum. „Vielleicht machen die neuen Bäume die Eschersheimer noch etwas freundlicher“, hofft er. 

Weiter nördlich in Richtung Weißer Stein rollt der Verkehr auf der Eschersheimer noch über den alten Fahrbahnbelag, hier steht der Umbau erst bevor. Im September soll dieser Abschnitt fertig werden. Meiko Schreiber, Mitarbeiter bei Radsport Frankfurt, sieht der Baustelle gelassen entgegen. „Viele Kunden, auch von außerhalb, kommen gezielt ins Geschäft“, erklärt er. Andere Händler seien stärker auf Laufkundschaft angewiesen. 

Auch dem Fahrradladen kommt der Zeitplan recht gelegen. „Die meisten Räder verkaufen wir im Frühjahr“, sagt Schreiber. Im Herbst werde die Baustelle das Geschäft dagegen nur gering beeinträchtigen, hofft er. 

Hart getroffen haben die Bauarbeiten hingegen die Oil-Tankstelle an der Ecke Klarastraße. Inhaberin Diana Dietrich erinnert sich noch genau: „Der Umbau war eine schlimme Zeit. Als Tankstelle ist der Durchgangsverkehr natürlich lebenswichtig.“ Mittlerweile steige der Umsatz zwar wieder, allerdings musste beim Personal eingespart werden. Nun gelte es nach vorne zu schauen, sagt Dietrich. Ob sich der Umbau für die Tankstelle positiv auswirke, lasse sich bisher nicht sagen. 

Lesen Sie weitere Berichte aus Eschersheim

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen