Lade Inhalte...

Trinkhalle in Frankfurt-Niederursel Gäste kämpfen fürs „Bierstübchen“

„Heinrichs Bierstübchen“ soll nach sieben Jahren das Angebot erheblich einschränken, fordert die Bauaufsicht. Der Betreiber des Niederurseler Wasserhäuschens und seine Gäste wehren sich gegen die Auflagen der Bauaufsicht.

Protest
Mahnwache: Besitzer (rechts) und Unterstützer von „Heinrichs Trinkhalle“ demonstrieren. Foto: Monika Müller

Gäste und Nachbarn sind erzürnt, einer schrieb sogar einen Protestbrief an den Oberbürgermeister. Was die Leute in Niederursel umtreibt: Nach sieben Jahren soll Naim Yildirim, der Wirt des Wasserhäuschens „Heinrichs Bierstübchen“ in der Niederurseler Landstraße 54, sein Angebot erheblich einschränken. So hat es die Bauaufsicht verfügt.

„Wenn ich das mache, was die Behörden von mir wollen, dann kann ich die Trinkhalle nicht mehr wirtschaftlich führen“, sagt Yildirim und deutet nach draußen. Die Szenerie macht deutlich, wovon er spricht: Da sitzen etwa 20 fröhliche Leute auf Bänken im Vorgarten, erfrischen sich mit kühlen Getränken und plaudern. Damit soll nun Schluss sein.

„Herr Yildirim hatte seinerzeit eine vorübergehende Genehmigung für den Wirtschaftsgarten erhalten“, sagt Uwe Amend im Bauaufsichtsamt. Diese Genehmigung sei im Herbst 2017 ausgelaufen, ohne dass der Betreiber eine Verlängerung beantragt habe; das sei erst in diesem Jahr geschehen. Yildirim widerspricht - er habe sehr wohl bereits 2017 eine Verlängerung beantragt.

„Es liegt aber gar keine Genehmigungsfähigkeit vor“, sagt Amend. Schließlich handle es sich beim „Bierstübchen“ um einen Kiosk und keine Garten- oder Schankwirtschaft. Zudem habe es Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben. Ergo: „Den Kiosk kann Herr Yildirim weiterbetreiben – für Bewirtung im Freien sehe ich momentan keine Chance mehr.“

Das bedeute das Aus, sagt Yildirim. „Wir sind hier wie eine Familie“, erzählt er. Das Wasserhäuschen sei Treffpunkt, es erfülle eine soziale Funktion für Gemeinschaft und Integration im Stadtteil. Im vorigen Jahr trat ein Opernsängerduett im Büdchen auf, das Publikum war begeistert. Fürs Zusammensein brauche man Platz, sagt der Chef. Das unterstreicht der Wasserhäuschen-Unterstützerverein Linie 11, der sich seit Jahren um die Belange der Büdchen kümmert. Zwei Vertreter sind zum Informationsabend an die Niederurseler Landstraße gekommen. „Wir sehen uns als Vermittler“, sagt Oliver Tepper, „wir haben zu vielen Leuten in den Ämtern guten Kontakt, den wir nutzen möchten.“

Vereinskollege Tim Grohganz betont: „Der Betreiber hat Zehntausende Euro hier reingesteckt, und das soll jetzt alles weg.“

Seit Freitagfrüh macht eine Mahnwache auf den Konflikt aufmerksam und täglich von 8 bis 21 Uhr sind alle willkommen, „die für Wasserhäuschen und gegen Behördenwillkür sind“, sagt Naim Yildirim. Mit Willkür meint er besonders, was unter den Sympathisanten das Hauptthema ist: dass es eigentlich nur eine Person gebe, die das Wasserhäuschen bekämpfe – und die sei „aus dem direkten Umfeld des Ordnungsamts“. Davon sprechen sogar die Mitglieder des Ortsbeirats – Leute von CDU und SPD, die ebenfalls zum Solidaritätstermin gekommen sind.

„Der Verdacht liegt nahe, dass diese Person der Auslöser war“, formuliert Sozialdemokrat Uwe Stein. Seine Fraktion bereite eine Initiative fürs „Bierstübchen“ vor. „Wir sollten sehr schnell im Ortsbeirat etwas tun.“

Rechtsmittel hat Yildirim bereits eingelegt. Uwe Amend in der Bauaufsicht bestätigt den Eingang des Anwaltsschreibens. „Den Mythos von der Frau aus dem Ordnungsamt“ habe er auch schon gehört, sagt Amend. Er bleibt aber dabei: „Es gab Beschwerden aus verschiedenen Richtungen, und eine Frau vom Ordnungsamt hat niemals bei uns angerufen und verlangt, wir sollten die Trinkhalle schließen.“

Yildirim bleibt seinerseits dabei, dass die Akte ausschließlich Beschwerden besagter Person aufliste.

Sein Kiosk ist übrigens nicht etwa nach einem Vorbesitzer namens Heinrich benannt. „Nein, ich habe ihn so genannt, weil nebenan die Heinrich-Kromer-Schule ist“, sagt Yildirim. Der Namenspatron habe ihm imponiert, weil er sich mit den Nationalsozialisten anlegte.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen