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Störche in Frankfurt Wieder Storchenküken in Harheim

Mindestens zwei Junge werden im Nest an der Nidda gefüttert. Mit etwas Glück sieht man die Schnäbelchen der Kleinen über den Nestrand pieksen.

Störche in Harheim
Hunger! Ein Küken reckt das Köpfchen, gleich wird serviert. Foto: Michael Schick

Man kann ja mit gutem Willen in alles etwas hineininterpretieren. Dass etwa die Frankfurter Störche jedes Jahr im Mai Nachwuchs produzieren und die Frankfurter Eintracht, ebenfalls jedes Jahr im Mai, im DFB-Pokalfinale steht – ist das noch Zufall?

Gut, zugegeben: Die Eintracht steht jetzt zum zweiten Mal hintereinander im Finale, während die Störche schon zum dritten Mal in Folge Frankfurter Küken füttern. 2015 kam bekanntlich ein Ade-Paar zum Probenisten, 2016 dann das erste erfolgreiche Familienunternehmen, und seither gibt es jedes Jahr Grund zum Feiern und Schnabelklappern.

Vor der neuen Harheimer Dynastie hatte fast 50 Jahre lang kein Storch ein Ei auf Frankfurter Gebiet gelegt; der letzte hob 1968 vom Schornstein der Bonameser Bäckerei ab und ward nie mehr gesehen. Wie beliebt der vor gut drei Jahren neu errichtete Nest-Standort nahe der Nidda ist, beweist auch dies: „Soweit ich es erkennen konnte, ist diesmal keines der Tiere beringt“, sagt Ingolf Grabow, Vogelschutzbeauftragter im Norden der Stadt. Das bedeutet: Beim 2018er Paar ist erneut mindestens ein Partner neu – damit hatten die drei Jahrgänge jedes Mal andere Eltern.

Die Harheimerin Yukiko Kaneko, eifrigste Storchenbeobachterin weit und breit, weiß stets als Erste, wenn es Neues im Nest gibt, und zeigt es in ihrem Blog (blogs.yahoo.co.jp/fuerstenkrone). Sie hielt die Augen offen, als das Paar bedenklich lange nicht zu brüten schien, obwohl andernorts schon überall Eier in den Nestern lagen. Und sie war es, die endlich das erste kleine Schnäbelchen über den Rand pieksen sah. Inzwischen sind es mindestens zwei, vielleicht drei. Yukiko Kaneko ist auch auf dem Laufenden, was Storchbewegungen am Himmel angeht. Gelegentlich wollen fremde Rotschnäbel gern das Nest übernehmen und müssen mit vereint klappernden Elternkräften verjagt werden. Ein hartnäckiger Storch versucht es häufiger – etwa ein Nestbewohner von 2016 oder 2017? Kaum, sagt Dagmar Stiefel, die Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte. „Wäre das ein Erfahrener aus den Vorjahren, wüsste er, wie er das Nest zurückerobert. Das ist eher ein Jungstorch, der was ausprobiert.“

Laut Stiefel ist der Storchstandort Harheim immer noch der einzige in Frankfurt – obwohl es seit Jahren heißt, der Siedlungsdruck steige, von Ost nach West und vom Land mit seinen Monokultur-Äckern hin zur Stadt. Aber während etwa in Groß-Gerau 120 Störche auf engstem Raum siedeln und aus Wohnungsnot gar die Leitungsmasten der ICE-Trasse besetzen, sind sie weiter schneubisch, was das Frankfurter Stadtgebiet angeht. Wieso? „Wir können nicht in Storchenhirne hineingucken“, sagt Dagmar Stiefel. Sie würde gern eine große Studie beginnen, warum es regelrechte „Ballungsräume“ für Störche gibt und andere, nahrungsmäßig ähnlich ausgestattete Orte unbeachtet bleiben. Doch dafür fehlten momentan sowohl Geld wie Zeit.

Fest steht: Sollte Familie Adebar auch künftig jedes Jahr eine Finalteilnahme der Eintracht garantieren, gar einen Pokalsieg, müsste man mal über den Wechsel des Maskottchens nachdenken. Sorry, Attila, aber der Storch trägt sogar die Vereinsfarben.

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