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St. Matthias in Frankfurt Warten auf die Abrissbirne

Das Ordinariat rudert zurück. Der Verkauf von St. Matthias in Frankfurt wird überdacht: Mindestens zwei Jahre soll der Gemeindebetrieb weitergehen.

Sankt Matthias Gemeinde
Wie es mit St. Matthias in der Thomas-Mann-Straße weitergeht, ist ungewiss. Foto: peter-juelich.com

Nachdem das Bistum Limburg bekanntgegeben hatte, das Grundstück des Niederurseler Kirchortes St. Matthias zu veräußern, war die Aufregung in der Gemeinde groß. Nun rudert das Ordinariat zurück: „Die Abrissbirne schwingt vorerst nicht“, erklärt Stephan Schnelle, Pressesprecher des Bistums. In den nächsten zwei Jahren soll der Gemeindebetrieb normal weitergehen.

Einen finalen Beschluss, dass die Kirchgebäude auf dem rund 4000 Quadratmeter umfassenden Areal in der Thomas-Mann-Straße 2-4 verkauft werden, gibt es bislang nicht. Im Zuge des Projekts „Kirchliche Immobilienstrategie“ seien die Gebäude der katholischen Pfarrgemeinde St. Katharina von Siena zunächst nur begutachtet worden, so Schnelle. Die Untersuchung umfasst 28 Bauten, die sich auf sieben Kirchorte im Frankfurter Nordwesten verteilen.

Das Bistum Limburg hat die sieben Grundstücke in den letzten zwei Jahren unter anderem auf Instandhaltungs- und Sanierungskosten prüfen lassen. Allein die Instandhaltung würde in den nächsten zehn Jahren mit 2,2 Millionen Euro zu Buche schlagen. „Aus diesem Grund – und mangels Kirchgänger – hat das Ordinariat sich für den Verkauf von St. Matthias ausgesprochen“, erklärt Sprecher Schnelle. „Das ist aber erst mal nur eine Empfehlung.“

Bei der Ortsausschusssitzung der Pfarrgemeinde im November klang das noch ganz anders. „In dieser Deutlichkeit ist uns das nicht mitgeteilt worden“, sagt Ortsausschussmitglied Rudolf Kunert. Er vermutet, dass das Bistum nach den empörten Reaktionen vonseiten der Kirchenmitglieder und Medien die Pläne nochmals überdenkt. „Für die Gemeinde ist es ein Trauerspiel – und diese Neuigkeit gibt Hoffnung“, meint er. Rund 2700 Mitglieder zählt St. Matthias zurzeit. „Nun werden wir das Thema neu diskutieren.“

Hoher Schuldenberg des Bistums

„Für viele ist die Kirche Heimat – und eine solche Nachricht schmerzhaft“, weiß auch Stephan Schnelle. „Aber es geht hier um die Zukunftsfähigkeit der ganzen Pfarrei. Das muss besprochen werden.“ Neben dem Rückgang der Kirchenmitglieder – in den vergangenen zehn Jahren hätte sich die Zahl der Gottesdienstbesucher fast halbiert – sei auch der hohe Schuldenberg des Bistums ein Grund für die Verkaufsüberlegungen. Rund 500 000 Euro sind es allein im Frankfurter Nordwesten, hinzu kommt ein jährliches Defizit von 40 000 Euro. Der Verkauf von Kirche, Gemeindezentrum, Pfarr- und Küsterhaus auf dem Areal von St. Matthias könnte einen Teil der Schulden abtragen. Die dort ansässige Kita soll nicht veräußert werden.

Schon 2006 war der Sparplan ein Thema und ein Aufreger. Auch damals wurde das Vorhaben wieder verworfen. „Die Gemeindemitglieder werden sich jetzt aktiv dafür einsetzen, dass es weitergeht“, sagt Rudolf Kunert. Sie könnten nicht verstehen, „dass eine Kirche wie eine Scheune veräußert werden soll“. Schnelle beschwichtigt: Kaufinteressenten gebe es bislang ebenso wenig wie ein konkretes Konzept, wie eine Umnutzung des Areals realisiert werden könnte. „Das soll im Laufe der nächsten zwei Jahre erarbeitet werden.“

Da die Gemeindebauten unter Denkmalschutz stehen, sind die Optionen begrenzt. Eine Möglichkeit wäre sozial geförderter Wohnungsbau, eine andere die Einrichtung einer Schule. „An anderer Stelle investiert das Bistum auch“, betont Schnelle. Der rund zwei Kilometer entfernte Standort St. Sebastian etwa wird für 1,8 Millionen Euro saniert. Er fungiert als pastoraler Mittelpunkt der Nordweststadt. Die dort beheimatete Kita soll als Nächstes erneuert werden. „Sie wird dann vorübergehend nach St. Matthias umziehen“, erzählt Schnelle. Ein Grund mehr, den Standort vorerst zu erhalten.

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