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Schulen in Frankfurt Schüler wollen sich nicht abspeisen lassen

Die Schulgemeinde der IGS Nordend in Frankfurt protestiert vor dem Bildungsdezernat lautstark für den Erhalt ihres Mensateams.

IGS Nordend Sodexo
Trommeln engagiert für den Erhalt ihres bewährten Mensaessens: Schülerinnen der IGS Nordend vor dem Frankfurter Bildungsdezernat. Foto: Christoph Boeckheler

Sie schlagen mit Kochlöffeln auf Töpfe. Sie blasen so ausdauernd in ihre Trillerpfeifen, dass man die per Megafon verstärkten Redebeiträge kaum verstehen kann. Ihre im Chor gerufenen Forderungen aber dringen bis in die vierte Etage des Frankfurter Bildungsdezernats durch: „IGS für gutes Essen! Mensa retten!“

Es sind Osterferien – trotzdem haben sich am Dienstagvormittag rund 200 Schülerinnen, Schüler und Eltern der Integrierten Gesamtschule (IGS) Nordend versammelt, um lautstark für den Erhalt ihres bewährten Kantinenteams einzutreten. „Sodexo isst zum Kotzen“, haben sie auf ihre Plakate geschrieben, „wir lassen uns nicht weichkochen“ oder auch etwas sperriger: „Demokratisch und fair – Für Ernährungssouveränität in Frankfurt.“

Seit Köchin Sandra Beimfohr und ihr kleines Cateringunternehmen Cantina Buen Barrio Ende vergangener Woche die Nachricht erhielt, dass sie im Vergabeverfahren über die nach fünf Jahren neu ausgeschriebene Schulverpflegung dem Großunternehmen Sodexo unterlegen sei, läuft die Schulgemeinde Sturm. Knapp 4000 Menschen haben binnen vier Tagen eine Onlinepetition gegen den im Sommer geplanten Wechsel in der Schulkantine unterschrieben. Schulelternbeiratsvorsitzende Stephanie Dietmann übergibt die ersten 2500 Unterschriften und dazu abgegebene Kommentare am Dienstag ausgedruckt und mit roter Schleife gebunden an Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD).

Eine Mutter, Tamara Schmidt vom Hofe, überreicht einen Umschlag mit den Namen aller Eltern, die ihre Kinder im Falle, dass der Vertrag mit Sodexo unterschrieben wird, vom Schulessen abmelden wollen: 180 von 250 Kindern, die bislang in der Mensa speisen, würden dies künftig nicht mehr tun. „Essen ist doch dazu da, gegessen zu werden. Wenn es nicht gegessen wird, hat es keinen Nutzen“, folgert der 13-jährige Anton.

„Es ist erstaunlich, was Sie innerhalb so kurzer Zeit hinbekommen haben“, lobt die Dezernentin das Engagement der Nordend-Familien. „Wir sind eben ein buen barrio“, ein gutes Viertel, entgegnet Dietmann in Anspielung auf den Namen des Kantinenbetreibers. Während draußen das Topfschlagen unermüdlich weitergeht, bittet Weber im Dezernat die kleine Delegation von Eltern, Jugendlichen und stellvertretender Schulleiterin Susanne Frye an den Tisch, um sich ihre Forderungen anzuhören.

Dezernent will Vergabe noch einmal prüfen lassen

„Wir möchten die Cantina behalten“, sagt Stephanie Dietmann. Das laufende Vergabeverfahren müsse gestoppt werden, um Fehler korrigieren zu können. Eltern müssten, auch an anderen Schulen, in den Vergabeprozess einbezogen werden. „Obwohl wir eine sehr engagierte Elternschaft haben, war es für uns im Vorfeld sehr schwierig, Strukturen zu erkennen.“ Sie als „Laien“ und kleine Catererer wie die Cantina stünden hochspezialisierten Großunternehmen wie Sodexo gegenüber, das sei nicht fair. Unterstützung für diese Forderungen erhielten die Eltern am Dienstag von den Römer-Fraktionen der Grünen und der FDP, die ihrerseits auf einen Stopp des Verfahrens und eine Lösung im Sinne der Schulgemeinde drangen.

„Es hat eine Beteiligung der Schule im Vorfeld gegeben“, betont Weber. Die Schulleitung habe die ihr wichtigen Punkte für die Schulverpflegung eingereicht und diese seien bei der Ausschreibung auch berücksichtigt worden. So seien Kriterien für alle Bewerber gewesen, dass sie eine Mischküche mit überwiegend vor Ort gekochtem Essen anbieten müssten und sich verpflichteten das Ernährungskonzept der Schule umzusetzen. Auch eine Auswahl von täglich zwei Gerichten, darunter ein vegetarisches, und die Einhaltung der Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung seien Bedingung gewesen sowie ferner die Verpflichtung, die Kantine auch für Schulveranstaltungen zur Verfügung zu stellen, das Mensapersonal nach Tarif zu bezahlen und dem bisherigen Team die Möglichkeit einer Weiterbeschäftigung anzubieten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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