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Preungesheim Ruf nach Videoüberwachung

Anwohner starten nach Gewalttaten am Gravensteiner Platz eine Online-Petition. Die CDU im Ortsbeirat 10 unterstützt die Initiative, die SPD sähe lieber mehr Sozialarbeiter im Einsatz.

Haltestelle
Die Haltestelle ist durch Dach und Bäume schlecht einsehbar, argumentieren die Bürger. Foto: Peter Jülich

Tatort Gravensteiner Platz: ein zusammengeschlagener Mann, ein überfallener und mit einem Elektroschocker bedrohter 13-Jähriger, ein niedergestochener und lebensbedrohlich verletzter 27-Jähriger. „Das häuft sich jetzt“, stellt eine Userin auf Facebook fest. Anwohner fordern deshalb eine Videoüberwachung auf dem Platz, „nicht zuletzt wegen der Kinder“, schreibt die Userin.

Filip Tepsic ist nach reichlich Zuspruch in der Facebook-Gruppe „Frankfurter Bogen“ aktiv geworden. Er hat eine Online-Petition gestartet. „Die Sicherheitssituation an der Haltestelle ist unzureichend“, sagt er. Tagsüber sei die Siedlung Frankfurter Bogen ein familiäres, ruhiges Viertel, „aber wenn es dunkel wird, wird es unübersichtlich.“ Rund ein Dutzend Mal habe er die Polizei in den anderthalb Jahren gerufen, in denen er am Bogen wohnt, wegen Schlägereien, Randalen und Lärm.

Eine Kamera, die den Bereich von Straßenbahn- und Bushaltestelle überwacht, könnte abschreckend wirken oder wenigstens zur Täteridentifizierung beitragen, sagt er. „Vielleicht kann es auch die Gesamtsituation beruhigen.“ Tepsic sprach mit Ortsvorsteher Robert Lange (CDU), der Polizei und Anwohnern, „und man kann nicht viel tun außer abzuschrecken“, sagt er. Nicht nur er: In den ersten 18 Stunden haben bereits 94 Menschen die Petition unterschrieben. Aufgekommen ist die Diskussion in dem sozialen Netzwerk, nachdem am Montag ein Mann beim Aussteigen aus der Straßenbahn von einer fünf- bis achtköpfigen Gruppe mit Messern attackiert und lebensgefährlich verletzt worden ist.

Die Polizei ist skeptisch

„Wir waren Zeugen und haben alle Anwesenden darauf hingewiesen, dass eine Kamera dringend notwendig ist“, sagt eine Anwohnerin. Die Polizei weist das aber zurück. „Es hat in dem Gebiet in den vergangenen sechseinhalb Monaten 50 Delikte gegeben, die Hälfte davon Ladendiebstähle“, sagt ein Sprecher der Polizei. In der Videoüberwachung sieht die Polizei zwar ein geeignetes Mittel gegen Straftaten, „aber die Schwerpunkte liegen in der Stadt anderswo: an der Hauptwache, im Allerheiligen- und im Bahnhofsviertel.“

Die CDU im Ortsbeirat 10 sympathisiert mit der Idee, glaubt aber, dass sie nur schwer durchzusetzen ist. „Wenn der Bürgerwille da ist, werden wir gerne einen Antrag dazu stellen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Gero Gabriel. Er hält nach Gesprächen mit der Polizei den präventiven Charakter der Videoüberwachung für stärker als allgemein angenommen. „Aber die Römer-Fraktion wartet nicht darauf, dass wir auch noch mit einem Antrag dazu kommen.“

„Ich weiß, dass einige Anwohner Kameras wollen, aber das bringt nichts“, sagt Paul Barth (SPD). Man müsse etwas gegen die Gewalteskalationen machen, er setzt dabei aber auf Prävention. „Wir sollten mit Streetworkern arbeiten oder Möglichkeiten schaffen, bei denen Leute ihre Aggressionen abbauen können“, sagt der SPD-Mann. Auch einige Bürger zweifeln an dem Vorhaben, nicht zuletzt wegen dem Schutz der Privatsphäre. Sie fürchten, die Videoüberwachung werde das Problem lediglich an andere Orte verlagern.

Petition: weact.campact.de

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