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Praunheim Rundgotisch richtig schön schreiben

Historische Schriften und Sprachen sind Thema bei der Aktion „Kindermuseum unterwegs“.

Schriftarten
Sonja und Sofia Daschti (von links) üben alte Schriftarten. Foto: Rolf Oeser

Das S ist voll schwer“, klagt Sonja Daschti und scheucht ihre kleine Schwester weg. „Könnt ihr nicht mal leise sein?“ Die Neunjährige ist konzentriert bei der Sache, sie schreibt verschiedene Worte in verschiedenen historischen Schriften. Als sie fertig ist, zieht sie ein neues Wort. Zahnlücke. „Es gibt kein Ü in meiner Schrift“, sagt sie – und improvisiert: Über das U malt sie zwei Striche.

Sonja und ihre zehnjährige Schwester Sofia sind zum zweiten Mal bei „Kindermuseum unterwegs“ mit dabei. Dabei rücken zwei Museumspädagogen in die Stadtteile aus, um vor Ort ein niedrigschwelliges, kulturelles Angebot zu machen. In dieser Woche sind Laura Hollingshaus und Suzan Manav täglich von 15 bis 18 Uhr in der Heinrich-Lübke-Siedlung. Im Hof 5 haben sie einen kleinen Pavillon aufgebaut. Hier lagern Kataloge von verschiedenen Schriften, von Karolingische Minuskel bis Rundgotisch.

Die 10-jährige Nouhaila schreibt das Wort Vase auf Rustica. Das klappt noch nicht so gut. „Ich kann das besser, ich möchte nochmal von vorn anfangen“, sagt sie und schnappt sich ein neues Papier. Nicht nur die Schrift, auch das Material ist neu: „Mit solchen Füllern schreiben wir in der Schule nicht“, sagt sie.

Als sie fertig ist, legt sie ihr Papier sorgfältig in eine Mappe, die mit ihrem Namen beschriftet ist. Am Freitag wird für jedes Kind ein Buch mit allen Werken erstellt.

An jedem Tag steht ein anderes Thema im Fokus. Die Kinder lernen Drucktechniken, Holzschnitt – und wie man mit Tinte und Gänsefeder schreibt. „Ich weiß, wie das geht“, sagt der zwölfjährige Marvin, „man schneidet die unten ab, und dann füllt sich die Feder mit Tinte.“ Beim Arbeiten werden sie auf die Unterschiede aufmerksam, etwa, dass einige historische Schriften nur Groß- oder nur Kleinbuchstaben haben. „Ein paar Schriften kannte ich vom Computer“, sagt Marvin.

„Was meint ihr, wie lange es gedauert hat, bis die Leute diese Schriften gelernt haben?“, fragt Hollingshaus in die Runde. „Eine Stunde“, sagt Nouhaila. „Nicht ganz, drei Jahre“, sagt Hollingshaus. Dafür sieht das nachher auch aus, als wäre es gedruckt.

Bis Anfang September noch ist das Kindermuseum mit seinen Schriften und Zeichen in den Stadtteilen unterwegs. Das Angebot richtet sich an Kinder ab sechs Jahren, wobei es auch ein paar Aktionen für jüngere gibt. Die nächsten Stopps: 17. bis 21. Juli in Griesheim, Kai-Uwe-Gärtner-Haus; 24. bis 29. Juli in Rödelheim, Spielplatz am Zentmarkweg; 31. Juli bis 4. August in Preungesheim, Wegscheidestraße 21.7. bis 13. August in Zeilsheim, Grünfläche in der Rombergstraße 71; 28. August bis 2. September in Fechenheim, Spielplatz Konstanzer Straße.

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