Lade Inhalte...

Praunheim Musizieren nach Symbolen

Der Kunstverein organisiert ein erstes Konzert in der ehemaligen Behinderten-Werkstatt. Zuvor konnten die Besucher ein Transparent bemalen, welches das Ensemble später als Partitur verwendete.

Praunheimer Werkstätten
Mit Schablonen drucken Besucher Symbole auf ein Leintuch. Das so entstandene Bild dient später als Partitur, die von einem siebenköpfigen Ensemble musikalisch interpretiert wird. Foto: Rolf Oeser

Viele Hände arbeiten an einem Stoff-Transparent, das am Samstagnachmittag auf dem Boden im Saal der ehemaligen Praunheimer Werkstätten liegt. Mit Schablonen drucken Kinder und Erwachsene in verschiedenen Farben Symbole auf das lange, weiße Leintuch. Das so entstandene Bild aus Vögeln, Fischen, Herzen und abstrakten Motiven soll später an die Wand gehängt werden und als Partitur dienen, die von einem siebenköpfigen Ensemble musikalisch interpretiert wird.

Die Idee dazu hatten Mitglieder des Kunstvereins Basis, der im letzten September Wohnateliers in den ehemaligen Behinderten-Werkstätten angemietet hat. Gemeinsam mit Geflüchteten, die der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten seit zwei Jahren in dem großen Gebäude untergebracht hat, haben die neuen Nachbarn, die vier Künstler Pariya Lissner-Dharmajiva, Leon Lissner, Nikolai Muck und Lena Kotikova, das Kunstprojekt ins Leben gerufen. Mit „ap2“ hat das Gebäude in der Straße Alt-Praunheim von den Künstler einen neuen Namen bekommen.

Ein Bestandteil des Projektes ist der Verein „Kunst-Werk Praunheim“, der Bewohner des Quartiers eingeladen hat, das Transparent mitzugestalten. „Kunst verbindet über kulturelle und Altersgrenzen hinweg“, sagt die Vorsitzende Gabriela Bloem. Heidrun Schminke vom Frankfurter Verein sagt: „Wir wollen nicht mehr von Geflüchteten, sondern von Praunheimern sprechen“. Sie zeigt sich vom Engagement der Bewohner des Quartiers beeindruckt. Als ihr Verein die Unterkunft für rund 160 Menschen eingerichtet habe, hätten hunderte Stadtteilbewohner ihre Hilfe angeboten.

Besucherin Nicola Eschmann hat sich mit ihrer beiden Kindern angestellt, um ein Motiv auf das Transparent zu drucken. Sie erhalten einen Zettel, auf dem auf Deutsch sowie Arabisch steht: „Drucke ein Symbol so, damit etwas Leises daraus entsteht“. Die Kinder entscheiden sich für ein Symbol, das einer Feder ähnelt und walzen es in blauer Farbe auf das Transparent.

Eschmann ist vor zwei Jahren mit ihrem Mann und den Kindern nach Praunheim gezogen. Sie habe sich sofort als Vereinsmitglied bei Kunst-Werk angemeldet. Beim aktuellen Projekt hebt die 45-Jährige den Gedanken der „Partizipation“ hervor, „dass alle was zusammen machen können“. Das ist auch für Omid Tarokh das Wesentliche. Der 30-jährige Iraner spielt Gitarre im Ensemble des Kunstprojektes. „In der Gruppe gemeinsam Musik zu machen finde ich am wichtigsten.“

Ideengeber des Projektes, das er dem Künstler John Cage entliehen hat, ist Jakob Sturm, Vorsitzender vom Verein Basis. Er hofft, die ehemaligen Praunheimer Werkstätten auch weiterhin für kulturelle Veranstaltungen nutzen zu können.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen