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Praunheim Aus Liebe zur Vespa

Renate Gräfe und Jochen Haseleu haben dem Kultroller ein Museum gewidmet. Wer den Ausstellungsraum betritt, begibt sich auf eine Zeitreise.

VESPA Museum Frankfurt | Frankfurt | 03.03..2017
Fahren selbst gerne Vespa: Renate Gräfe und Jochen Haseleu. Foto: peter-juelich.com (peter-juelich.com)

Wo früher Kegelbahnen waren, stehen heute Vespa-Roller. Mit viel Liebe zum Detail haben Renate Gräfe und Jochen Haseleu das lang gestreckte Hinterhofgebäude in Alt-Praunheim in den vergangenen Jahren zum Frankfurter Vespa-Museum hergerichtet, um dem Kultroller ein Denkmal zu setzen.

Wer den Ausstellungsraum betritt, bekommt das Gefühl, eine Zeitreise zu machen. Auf Regalen, an den Wänden, in Vitrinen gibt es ein wunderbares Sammelsurium an Kostbarkeiten zu entdecken: Schneekugeln mit der Vespa hinter Plexiglas, Mini-Modelle, mit Roller verzierte Parfüm-Flakons, Tassen, Weihnachtsschmuck, eine „Mon Cheri“-Vespa aus Pappe nebst diversen Urkunden, Pokalen und Wimpeln. Blickfang sind verschiedene Modelle aus den vergangenen rund 60 Jahren. Hinzu kommen historische Fotos – auch aus dem Frankfurt der 50er- und 60er-Jahre, die den Kult um den Roller auch in der Mainmetropole dokumentieren.

Die Auswahl ist phänomenal und vielfältig. Werner Schuster nimmt sich viel Zeit, um sich alles anzuschauen und mit den beiden Museumsgründern zu sprechen. Schuster ist der erste Besucher des im März eröffneten Museums. „Ich habe in der Rundschau von der Eröffnung erfahren“, erzählt der 73-Jährige aus Goldstein: „Das sind für mich Jugenderinnerungen. In den 60er-Jahren hatte ich selbst eine, und habe es geliebt, mit ihr zu fahren.“ Nachdem er allerdings zwei Unfälle hatte, einmal war er auf einer Ölspur ausgerutscht, das andere Mal von einem Auto geschnitten worden, hörte Schuster schweren Herzens auf. Doch das „Gefühl von Freiheit“ blieb. „Mit der Vespa kam man überall durch. Es war ein angenehmes Fahren“, erinnert er sich. Von der Ausstellung ist er mächtig beeindruckt: „Da steckt viel Herzblut drin.“

Tatsächlich sind Renate Gräfe und Jochen Haseleu seit ihrer Jugend passionierte Vespa-Fahrer und bis heute in diversen Clubs engagiert. „Das besondere Lebensgefühl, das viele mit der Vespa verbinden, wollen wir mit unserem Museum erhalten und weitergeben. Vespa steht einfach für Freude am Fahren und Lebenslust“, sagt Renate Gräfe. Um endlich selbst eine Vespa fahren zu können, hat die heute 77-Jährige 1959 ihren Führerschein gemacht: „Das war damals für eine Frau nicht selbstverständlich.“ Aufgewachsen an der Habsburgerallee habe sie wohl ein Nachbar inspiriert, der immer an seinem Roller rumgetüftelt habe. Bis heute fährt die frühere Bankkauffrau Vespa, auch bei speziellen Rallyes startet sie noch. Am liebsten ist mit ihrem rosafarbenen Roller on Tour.

Intensiv hat sich Renate Gräfe auch mit der Frankfurter Geschichte des Kultrollers auseinandergesetzt und darüber eine umfassende Chronik geschrieben, die sich im Institut für Stadtgeschichte befindet. 1950 wurde die erste Vespa in Frankfurt zugelassen. „Ein Treffpunkt war damals der ‚Storyville‘-Club in der Stiftstraße 10“, erzählt Gräfe. Namensvorbild des 1955 gegründeten Clubs sei das alte Rotlichtviertel von New Orleans gewesen. Weitere legendäre Treffs in Frankfurt waren an der Bockenheimer Warte die Gaststätte „Zum Heidelberger“ und im Hainer Weg in Sachsenhausen das „Café Neubauer“. Mehrmals war Frankfurt Austragungsort für internationale Vespa-Treffen.

In all den Jahrzehnten haben Renate Gräfe und Jochen Haseleu, die sich aus gemeinsamen Vespa-Club-Zeiten kennen, ungeheuer viele Devotionalien rund um das italienische Vehikel gesammelt. Mit dem jetzt eröffneten Museum haben sie einen Ort erschaffen, an dem auch andere Vespa-Fans all die Raritäten und Leihgaben bestaunen können. Fahrrad-Thöt beispielsweise hat Renate Gräfe, kurz bevor das Traditions-Fahrradgeschäft in der Altstadt für immer schloss, ein Foto von zwei Kindern aus den 60er-Jahren überlassen. Es zeigt die beiden auf ihren Mini-Vespas, als sie – unter den Augen eines wachsamen Schutzmannes – die Hasengasse überquerten. Auch dem Inhaber des Piaggio-Vespa-Centers in Bockenheim an der Schlossstraße, der bald seinen Laden schließen wird, hat sie bereits ihr Interesse an Postern, Plakaten oder anderen Objekten signalisiert.

Hinter dem Museum steht die 2010 von Gräfe und Haseleu gegründete „Renate Gräfe-Vespa-Stiftung Frankfurt“. Sie hat sich dem Ziel verschrieben, historische Fahrzeuge zu erhalten und zu pflegen, insbesondere die Vespa, um „das Bewusstsein der Allgemeinheit für technische Entwicklungen“ zu schärfen. Die Museumsgründer nehmen daher an Umzügen wie in Klaa Paris teil, präsentieren sich auf Wochenmärkten oder machen Aktionen beispielsweise mit Altenheimen.

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