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Platensiedlung in Ginnheim Brandstifter zünden Bücherschrank an

Unbekannte haben Feuer an einem Bücherschrank in der Platensiedlung gelegt. Die Anwohner sehen darin mehr als nur Randale: „Das ist nicht zu entschuldigen“.

Platenstraße
Der Bücherschrank an der Platenstraße 75 ist ausgebrannt. Foto: privat

Der Schock sitzt tief. Auch mehrere Tage, nachdem der Bücherschrank in der Platensiedlung einer Brandstiftung zum Opfer gefallen ist, suchen viele Menschen im Viertel nach Worten, um ihre Gefühle zu beschreiben. Für sie stellt das Feuer einen Höhepunkt der Unruhen dar, die die Siedlung in den vergangenen Monaten in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt haben.

„Ich bin fassungslos“, sagt der Vorsitzende des Regionalrats, Rachid Rawas. Dass der Bücherschrank an der Platenstraße angezündet wurde, sei eine „böse Tat. Das ist nicht zu entschuldigen.“ Der oder die Täter hätten damit bewusst Geschichte und Kultur der Menschheit vernichtet. Den Wert der Literatur wüssten sie offenbar nicht zu schätzen. Die Brandstiftung sei nicht als Streich abzutun, „das ist eine kriminelle Handlung“.

So sieht das auch die Polizei, die derzeit ermittelt. Unbekannte haben den Schrank am frühen Samstagmorgen angezündet, sagt eine Sprecherin. Kurz nach vier Uhr sei die Feuerwehr alarmiert worden. Die Einsatzkräfte löschten den Brand, der Schrank brannte dennoch aus. Der Schaden wird auf 2000 Euro geschätzt. Die Anwohner seien befragt worden, so die Polizeisprecherin, Zeugen gebe es keine.

„Wir kapitulieren nicht“

Auch am Montag liegen die Überreste der verkohlten Bücher rund um den Schrank vor der Astrid-Lindgren-Schule. „Das sieht aus wie ein Mahnmal“, sagt ein Anwohner, „für etwas Gescheitertes.“ Für ihn ist die Brandstiftung ein barbarischer Akt. Es sei der Höhepunkt der Probleme, die derzeit die Siedlung beschäftigen. Für ihn liegt es nah, dass der Vorfall damit zu tun habe, dass die ABG vor kurzem einigen Familien gekündigt hat, in deren Wohnungen unter anderem Drogen gefunden wurden (die FR berichtet). Sie wollen Zerstörung hinterlassen, vermutet er. 

Rachid Rawas, der auch für die SPD im Ortsbeirat 9 sitzt, geht davon aus, dass die Aktion als eine Botschaft aus der Platensiedlung zu verstehen ist. Anders als 2015, als dort schon einmal ein Bücherschrank in Flammen aufging. Damals sei es eine Art Randale gewesen, glaubt Rawas, auch wenn die Täter nie geschnappt wurden. „Dieses Mal habe ich ein anderes Gefühl. Da steckt eine Intention dahinter.“ Trotz allem sei die Platensiedlung kein Ghetto. Es gebe zwar Probleme. „Aber man kann durch die Straßen gehen, ohne dass einem etwas passiert.“

Die Brandstiftung führe jedoch dazu, dass die Menschen Angst bekommen. „Und wenn sie Angst haben, fangen sie an, sich zu isolieren.“ Deshalb sei es wichtig, auf die Menschen zuzugehen.

„Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen die Straßen als ihren eigenen sozialen Raum annehmen, wo sie keine Furcht haben.“ Deshalb werde der Bücherschrank auch auf jeden Fall wieder aufgebaut. „Wir kapitulieren nicht.“

Der Bücherschrank sei bewusst vor die Schule aufgestellt worden, sagt Rawas, der auch das Nachbarschaftscafé im Viertel leitet. Dort seien viele Schüler, Kindergartenkinder und Familien unterwegs. „Wir wollen, dass sie den Wert eines Buches zu schätzen lernen. Dass sie wissen, dass es nicht nur Handys gibt, sondern auch Bücher.“

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