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Niederursel Zurück zur alten Farbgebung

Die Evangelische Gemeinde in Niederursel feiert Wiedereröffnung der Gustav-Adolf-Kirche. Entworfen hat sie Martin Elsässer 1928.

Frankfurt. Gustav-Adolf-Kirche. TAGESHONORAR.
Blick in die Evangelische Gustav-Adolf-Kirchein Niederursel. Foto: Renate Hoyer (Renate Hoyer)

Ein wenig mutet es an wie ein Dornröschenschlaf, aus dem die Gustav-Adolf-Kirche erwacht zu sein scheint. Ein Jahr lang wurde im Kircheninneren für 1,5 Millionen Euro eine bauliche Zeitreise unternommen, an deren Ende nun das Gotteshaus sich so zeigt, wie es sich sein Schöpfer Martin Elsässer 1928 wohl gedacht hatte.

„Es gefällt mir wahnsinnig gut“, sagt Dorothee Schücking, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, im Rahmen des gestrigen Festaktes zur Wiederöffnung der Kirche. Von außen wirkt das Gemäuer wie eine normale Kirche. Im Innern offenbart sich eine Reichhaltigkeit an Farben. Von Leuchten angestrahltes Rot ziert die gesamte Decke des Oktogons und die hölzernen Fensterrahmen, die ehemals bunten Fenster wurden durch einfache transparente ersetzt, Nebenräume sind unter anderem in blau gehalten, Nuancen von Violett kontrastieren den Gesamteindruck.

Ebenso haben Fachleute den Altarraum mit Kanzel in ihren ursprünglichen Zustand mit Stufe und entsprechender Farbgebung zurückversetzt.

Detektivische Arbeit

Dass diese Rückbesinnung auf die Ursprünglichkeit der Kirche möglich geworden ist, gleicht einem Wunder. „Wir hatten nur einige schwarz-weiße Fotos“, sagt Jürgen Hamm, einer der beteiligten Architekten bei der Eröffnungsfeier. Die tatsächliche Farbgebung hat sich erst durch fein säuberliches Sezieren der Wand- und Deckenflächen offenbart, auf denen unter Übermalungen der eigentliche Kern zu verstecken versucht worden war.

Geradezu detektivisch haben die Sanierer zusätzlich aus Archiven und Unterlagen Informationen zum ursprünglichen Bau zusammengetragen. 1959 und 1984 war die Kirche renoviert worden. „Die Veränderungen waren in der Zeit Ausdruck der damaligen Befindlichkeiten“, sagt Hamm.

Viele Niederurseler kannten die Kirche bis vor einem Jahr nur in dieser übertünchten Form. Eine Veränderung, selbst wenn sie auch im Sinne des Erbauers sein sollte, stieß daher immer wieder auf Gegenwind und provozierte Diskussionen.

„Mir gefielen die Fenster vorher besser, das war wesentlich bunter, näher an der Schöpfung dran“, sagt etwa Besucher Hans-Werner Meyer. Ebenso empfinde er die neue-alte Farbgebung als wenig stimmig.

Maria Schneidewind dagegen, kann der Kritik nichts abgewinnen. „Es ist toll, der Raum ist viel heller“, sagt sie. Zum ersten Mal seit Jahren überhaupt sei sie noch mal in der Kirche. „Vorher war es scheußlich.“ Die neue Gestaltung könne auch einladend auf die Menschen wirken, glaubt sie.

Vielleicht erwacht damit dann tatsächlich nicht nur die Kirche aus ihrem Schlaf.

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