Lade Inhalte...

Niederursel Datteln und Kartoffelsalat

Islamischer Kulturverein lädt zum offenen Fastenbrechen unter freiem Himmel. Das ist Tradition seit 2010.

Frankfurt. Fastenbrechen, Nordweststadt. TAGESHONORAR.
Datteln stehen am Anfang des Fastenbrechens. Foto: Renate Hoyer (Renate Hoyer)

A n die Uhrzeit erinnert sich Ahmed Ajabli noch genau, 3.45 Uhr. Der Zeitpunkt, an dem er das letzte Mal so etwas wie Nahrung zu sich genommen hat, wenngleich es nur ein Glas Wasser war. Von dem allerdings hat er mehr als die letzten 17 Stunden gezehrt. Umso stärker ist er nun darauf bedacht, möglichst schnell seinen Platz zu finden an einem der zahlreichen Tische im Kleinen Zentrum in der Nordweststadt am Samstagabend, beim Open-Air Iftar – Fastenbrechen unter freiem Himmel.

„Seit 2010 schon veranstalten wir das einmal im Ramadan“, sagt Ajabli, der Vorsitzender ist des Islamischen Kulturvereins der As-Salam Moschee im Kleinen Zentrum. In Zeiten der Pauschalurteile über den Islam wolle man sich somit nach außen hin öffnen, raus aus dem Gotteshaus und hin zu den Menschen, denn Sprechen sei wichtig. Die Vielzahl der rund 300 Gäste am Samstag sind Muslime. Eine kleine Gruppe Nicht-Muslime hat aber auch den Weg an die Tische gefunden.

Warten müssen sie alle. Bis 21.38 Uhr. Dann erst ist die Sonne gänzlich untergegangen und das Fasten darf gebrochen werden – nach einem Gebet.

Besonders wichtig seien die Datteln, sagt Usama Ibrahim, der sich gerade an einem der Tische gesetzt hat. Sie stünden nicht nur für den Propheten, sie mäßigten einen auch „und sagen dem Kopf, iss nur das, was du brauchst.“ Denn darum gehe es beim Fastenbrechen nicht: Augen zu und Mund auf. Sondern lediglich so viel zu essen wie nötig. Gereicht wird an Speisen ein Reichtum, der keine Wünsche offen lässt. Als Vorspeise gibt es eine Suppe. Als Hauptspeise Salate, Fleisch und Brot. Alles frisch zubereitet von Frauen wie Naja Bouyrakhen.

Drei bis vier Stunden habe sie am Tag gekocht. „Die Küche sieht aus wie eine Katastrophe“, sagt Bouyrakhen und lacht. Ihre Rezepte sind – multikulti. So habe sie beispielsweise auch deutschen Kartoffelsalat zubereitet. Doch abschmecken dürfe sie nichts, denn hinuntergeschluckt werden darf während des Fastens nichts. Sie verlasse sich da aber auf ihre Erfahrung.

Die ist es auch, auf die sich viele der Gläubige generell beim Fasten zurückbesinnen. Dann, wenn es gilt, den Verzicht auf Nahrung durchzuhalten. Es sei reine Kopfsache, erzählen die meisten. Die ersten ein bis drei Tage fielen jedes Mal noch schwer, Gedanken schwirrten im Kopf umher, wie denn nur der Tag durchzustehen sei. Doch dann gewöhne man sich wieder daran.

Im Kleinen Zentrum tollen die Kinder über die Galerie während unten die Erwachsenen an den Tischen sitzen. Hannah de Graanw-Rusch ist erstmalig aus der Nachbarschaft zum Fastenbrechen gekommen. Für sie eine eindrucksvolle Erfahrung: die Herzlichkeit der Menschen, das Essen, alleine schon die arabische Sprache, die hin und wieder durch die Nachtluft schwirrt. Was sie allerdings am meisten beeindruckt an diesem Abend, hat sie sich auf ihrem Smartphone gespeichert. Es ist ein Satz, den ein marokkanischer Islamwissenschaftler zu Beginn der Veranstaltung gesagt hat: „Es gibt keinen Zwang im Glauben.“ Das, so Graanw-Rusch, sei ein klares Zeichen gegen die, die Religion für ihre Interessen missbrauchten.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum