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Klimaschutz in Frankfurt Reparieren statt wegwerfen

Eine Initiative im Frankfurter Stadtteil Heddernheim macht durch Tauschbörsen, Werkstätten und Vorträgen auf Nachhaltigkeit aufmerksam.

Tauschcafé Frankfurt Heddernheim
Bademantel, Sommerblusen oder ein Blazer – beim Tauschcafé gibt es ein breites Angebot an gebrauchter Kleidung. Foto: Renate Hoyer

Hosen und Pullover liegen zusammengelegt auf einem Tisch in der Ecke. An einer Garderobe hängen Blusen, Röcke und Jacken. Neugierig stöbertBirgit Gutberlet in der Second-Hand-Mode. Andere haben es sich währenddessen am Kaffeetisch mit einem Stück Kuchen gemütlich gemacht und unterhalten sich. Für das Tausch-Café im Service- und Begegnungszentrum in Heddernheim haben die Teilnehmer alte Kleidungsstücke mitgebracht. Viele liegen schon seit Jahren ungetragen im Schrank. Statt sie wegzuwerfen, sollen sie hier einen neuen Besitzer finden.

Die Kleidertauschbörse ist eine Veranstaltung des Klimaschutzprojekts „Heddernheim im Wandel“. Leiterin Imke Eichelberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Gemeinschaftsgefühl im Stadtteil zu stärken und die Menschen zu motivieren, ein nachhaltigeres Leben zu führen. „Das ist einfacher als viele Menschen denken“, sagt sie. Um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, bringt sie Vorträge und andere Angebote in die Räume des Begegnungszentrums.

„Das ist eigentlich mein Pullover – aber behalte ihn ruhig“, sagt Eichelberg und lacht, als eine der Damen sich bei der Anprobe in ihrem Strickpullover präsentiert. Eine emotionale Bindung zu Kleidungsstücken habe sie schon lange nicht mehr. Sich von alten Dingen zu trennen statt sie irgendwann wegzuwerfen, sei Teil des Nachhaltigkeitsgedankens, sagt die Projektleiterin. Neben dem Tausch-Café organisiert sie auch ein Repair-Café bei dem alte Fahrräder oder Elektronikgeräte repariert werden.

„Heddernheim im Wandel“ ist Teil des Frankfurter Klimaschutzvereins Transition Town. Die drei Projektleiter der beiden Stadtteilprojekte – außer Heddernheim auch Eschersheim – sind die ersten, die durch die Fördergelder eine feste Anstellung in Teilzeit bekamen. „Das gibt uns die Zeit, die wir brauchen, um Kontakte herzustellen und uns intensiv um das Projekt zu kümmern“, sagt Eichelberg.

Die Gastredner für die Vorträge im Heddernheimer Begegnungszentrum findet Imke Eichelberg meist vor Ort. Sie ist immer wieder überrascht, wie viele Menschen im Stadtteil sich mit ganz speziellen Themen zur Nachhaltigkeit auskennen. „Es gibt hier eine Frau, die seit Jahren ohne Plastikmüll lebt und einen Vortrag darüber halten wird“, sagt die Projektleiterin. Mit solchen Vorträgen sollen die Teilnehmer lernen, wie sie das Thema Klimaschutz in ihren Alltag integrieren können. Auch Vorträge zum Thema „bienenfreundliches Gärtnern“ und „Kochen mit dem Solarkocher“ sind geplant, aber noch nicht terminiert.

Kochkurs soll für Landwirtschaft sensibilisieren

Einmal im Monat will das Projekt einen Kochkurs mit Gemüse aus solidarischer Landwirtschaft anbieten. „Hier kommen Menschen allen Alters und Geschlechts zusammen“, sagt Sybille Vogl. Die Leiterin des Begegnungszentrums beteiligt sich mit großer Begeisterung an dem Klimaschutzprojekt. Sie hilft Imke Eichelberg dabei Kontakte im Stadtteil zu knüpfen und bringt sich mit neuen Ideen ein. Die Räume des Frankfurter Verbands stehen dem Klimaschutzprojekt kostenfrei zur Verfügung.

Mit 103 638 Euro durch das Förderprogramm des Bundes und 4000 Euro durch das Frankfurter Energiereferat wird das Projekt unterstützt. Mit dem Geld werden Werkzeuge für das Repair-Café und die Personalkosten für die Leiterin und einer Fachkraft für die Buchhaltung bezahlt. Demnächst sollen zwei Lastenfahrräder gekauft werden, mit denen Lebensmittel oder andere Dinge schadstofffrei transportiert werden können.

Einmal im Monat können sich die Heddernheimer bei einem Gesprächsabend mit Ideen für das Projekt einbringen. Sybille Vogl hofft darauf, mit den neuen Lastenfahrrädern eine Art „Essen auf Fahrrädern“ für das anliegende Seniorenwohnheim organisieren zu können. „Der Klimaschutz bringt uns hier näher zusammen“, sagt sie. Erst beim jüngsten Kochkurs habe eine Familie spontan für alle Waffeln gebacken, erzählt Vogl. „Mit dieser positiven Energie, können wir hier viel erreichen“, sagt Imke Eichelberg.

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