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„Kippa-Tag“ Symbol für die Menschlichkeit

Die Wöhlerschule am Dornbusch beteiligt sich am Frankfurter „Kippa-Tag“.

Kippa
Die Wöhlerschule beteiligt sich am Frankfurter Kippa-Tag. (Symbolbild) Foto: dpa

Eigentlich ist alles normal an diesem regnerischen Morgen. Eine Gruppe von Schülern, vielleicht elf oder zwölf Jahre alt, tollt über den Pausenhof der Wöhlerschule. Doch dann fällt etwas auf: Einige der Jungs tragen eine weiße oder blaue Kippa auf dem Kopf. Beim Toben und Springen fällt ihnen die Kopfbedeckung immer mal wieder herunter, einer hält seine beim Laufen fest. Die Schüler blödeln herum. Sie haben ganz offensichtlich ihren Spaß.

Die Erklärung für die ungewöhnliche Szene liefert ein Zettel am Eingang des Gymnasiums am Dornbusch. „Kippot gegen Antisemitismus“ steht darauf. Nach einigen Debatten hat die Schule beschlossen, sich auf freiwilliger Basis am „Kippa-Tag“ zu beteiligen, zu dem Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) aufgerufen hat. Die Aktion sei im Vorfeld umstritten gewesen, sagt der 17-jährige Carl-Philipp, der Mitglied der Schülervertretung ist und morgens rund 150 Kippot an seine Mitschüler verteilt hat. Einige Schüler hätten gefragt, warum man nicht lieber einen Aktionstag gegen jede Diskriminierung mache. Jüdische Schüler hätten gesagt, es komme ihnen seltsam vor, wenn Nicht-Juden Kippa trügen. „Aber ich denke, das ist einfach ein richtiges Zeichen“, sagt Carl-Philipp.

Amelie, 15 Jahre alt, sieht das genauso. „Wir zeigen heute symbolisch, dass wir gegen den Antisemitismus sind“, sagt sie. Mit der Kippa wolle sie aber auch etwas Allgemeines demonstrieren: „Es ist egal, welche Religion man hat, man darf frei leben.“

Recht ähnlich begründet auch Julian-Chaim Soussan, warum er den „Kippa-Tag“ trotz wichtiger Gegenargumente für eine gute Sache hält. Der orthodoxe Frankfurter Rabbiner ist auf Initiative der Mutter eines jüdischen Schülers in die Aula der Wöhlerschule gekommen, um zu diskutieren.

Diskussion mit Rabbiner

Wer heute eine Kippa trage, solidarisiere sich mit den Juden in Deutschland, sagt Soussan. „Und das fühlt sich für uns unglaublich gut an.“ Zugleich stehe die Kippa, die traditionell beim Gebet und in der Synagoge getragen werde, aber auch generell für die Verpflichtung vor Gott, das Richtige zu tun. Und das gelte auch für ganz weltliche Fälle. „In dem Moment, wo ich sehe, dass irgendwer angegriffen wird, gemobbt wird, dann muss ich handeln“, sagt Soussan. Auch Nicht-Juden, die heute Kippa trügen, träten damit für humanes Handeln und die Würde eines jedes Menschen ein. „Es geht um unsere Gesellschaft, um unsere Demokratie.“

Die Schüler in der brechend vollen Aula – nur wenige von ihnen tragen selbst Kippa –, löchern den Rabbiner mit Fragen. Sie wollen wissen, ob er sich im Alltag bedroht fühlt (Antwort: Ja, durchaus) und was er vom zuletzt viel kritisierten Rapper Kollegah hält (eher wenig). Soussan antwortet ruhig, oft auch lustig. Er erntet viel Applaus. Kein gewöhnlicher Tag in der Wöhlerschule.

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