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Kinder in Frankfurt „Wir müssen Bücher erfahrbar machen“

Der Kinderverein im Frankfurter Stadtteil Kalbach erläutert, wie er Kinder in Zeiten der Digitalisierung für Literatur begeistert.

Lena Grothe und Hans Jörg Troost.
Lena Grothe und Hans Jörg Troost mit der „Kalbacher Klapperschlange“. Foto: Joel Schmidt

Digitalisierung macht auch vor Kinder- und Klassenzimmern keinen Halt. Immer mehr Kinder und Jugendliche wachsen mit Smartphones auf. Am Dienstag hat die Römer-Koalition beschlossen, dass WLAN nun an Schulen eingeführt wird. Was bedeutet diese Entwicklung für das Leseverhalten von Kindern? Über diese Frage hat die FR mit dem Kalbacher Kinderverein gesprochen, der alljährlich die Kalbacher Klapperschlange verleiht und eine Kinderbücherei betreibt.

Herr Troost, Frau Grothe, welche Anstrengungen muss man aus Ihrer Sicht heutzutage unternehmen, um Kinder für Literatur zu begeistern?
Troost: Ich denke, es ist wichtig, früh zum Buch zu führen und die Eltern für das Thema Lesen zu sensibilisieren. Deshalb bieten wir in unserer Bücherei auch Vorlesenachmittage und Bilderbuchkinos an. Besonders wichtig ist es, Bücher erfahrbar zu machen. Das heißt, sie mit sinnlichen Erlebnissen zu verbinden. 

Grothe: Die positiven Fähigkeiten, die man durch Lesen erlangt, sind in zahlreichen Studien belegt. Je früher die Kinder mit Büchern in Kontakt kommen, desto größer ist der Nutzen, den sie daraus für ihr ganzes Leben und ihre Schullaufbahn ziehen können.

Eine Möglichkeit ist die Teilnahme an der Kalbacher Klapperschlange, die der Kinderverein jetzt zum 31. Mal vergeben hat. Was macht heute noch die Besonderheit dieses Kinderbuchpreises aus?
Troost: Die Kalbacher Klapperschlange ist einzigartig. Die Mitglieder einer reinen Kinderjury lesen über ein halbes Jahr jeweils mindestens fünf, teilweise bis zu 60 Bücher, benoten diese und schreiben zu jedem Buch eine Bewertung, die den Autoren direktes Feedback gibt.

Aus welcher Motivation heraus organisiert der Kalbacher Kinderverein die Kinderbuchmesse?
Troost: Schon seit mehr als 30 Jahren betreibt der Verein aktiv Leseförderung. Durch die Möglichkeit, Teil einer reinen Kinderjury zu sein, animieren wir Kinder zum Lesen. Die Messe veranstalten wir nicht nur um der Verleihung der Klapperschlange einen würdigen Rahmen zu geben, sondern auch, um durch ein umfangreiches Rahmenprogramm weiter die Lust am Buch zu wecken.

Grothe: Dabei versuchen wir schon die Kleinsten durch Bastelecke, Bilderbuchkino, Rätsel und Kinderkonzert zu begeistern – für die Älteren ist unsere Autorenlesung immer ein Höhepunkt. Absolutes Highlight der Buchmesse bleibt jedoch die Verleihung der Kalbacher Klapperschlange, wenn mehr als 100 Kinder ihre Urkunden erhalten und stolz auf der Bühne der Bekanntgabe der Preisträger lauschen.

Zu den bisherigen Preisträger der Kalbacher Klapperschlange zählen viele bekannte inderbuchautoren. Welche Bedeutung messen diese der Kinderbuchmesse und dem Preis zu?
Troost: Ich glaube, die Kalbacher Klapperschlange ist schlichtweg der ehrlichste Preis. Die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke hat ihn sogar einmal als ihren Lieblingspreis bezeichnet. Denn nirgendwo sonst erhalten die Autoren ein so direktes Feedback von ihrer Leserschaft.

Grothe: Jeder Autor, der bei der Preisverleihung auf der Bühne steht oder am Abend bei der Lesung die Fragen der zahlreichen interessierten Kinder hört, freut sich immer, dass sich in diesem Rahmen so viele Kinder für Bücher begeistern lassen. Zudem genießt die ehrenamtliche Tätigkeit, solch ein Event auf die Beine zu stellen, höchste Anerkennung bei den Autoren.

Trägt ihre Arbeit Früchte?
Troost: Wir machen durchweg positive Erfahrungen. Die Anmeldezahlen in unserer Bücherei wachsen rasant, unsere Veranstaltungen sind immer sehr gut besucht. So gut sogar, dass wir, um der großen Nachfrage gerecht zu werden, zukünftig mehr Platz brauchen werden.

Grothe: Momentan sind bei uns etwas über 1500 Leser registriert, darunter jährlich ungefähr 300 aktive Nutzer. Allein im vergangenen Jahr hatten wir in der Kinderbibliothek fast 6000 Ausleihen, das sind 800 mehr als im Jahr zuvor. Es ist zwar stets mit viel Arbeit und Mühe der vielen ehrenamtlichen Helfer verbunden, doch es lohnt sich. Denn Bücher werden so lange attraktiv bleiben, wie der Einstieg mit ihnen gut gelingt.

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