Lade Inhalte...

Kalbach Platz eins in der Tabelle

Der FC Kalbach will in den Nachwuchs investieren. Zum 70-jährigen Bestehen des Vereins gibt es natürlich eine Feier.

Wie so oft im Fußball beginnt auch diese Geschichte mit einigen Gläsern Bier. Es begab sich im Jahre 1948, da saßen 27 Männer im Gasthaus „Zur Linde“ zusammen und entschieden: Wir gründen einen Verein. Gekickt wurde auf einem staubigen Hartplatz im Norden Frankfurts, zum Umziehen ging es vor dem Training in eine kleine Hütte ohne Wasser und ohne Licht, zum Duschen hinterher in die nahegelegene „Linde“. Der FC Kalbach war geboren.

In diesem Sommer feiert der Stadtteilklub sein 70-jähriges Bestehen, und selbstverständlich sieht heute in der Straße Am Hopfenbrunnen vieles anders aus als damals, als die Urväter des FCK zusammenkamen. Der Hartplatz ist einem modernen Kunstrasen mit Flutlicht gewichen, auch einen Rasenplatz gibt es, dazu ein Vereinsheim inklusive Restaurant, Kabinen und mehr. Im Dunkeln braucht sich keiner mehr die Stutzen überzustreifen.

Der Mann, der dafür sorgen will, dass sich beim FC Kalbach auch in Zukunft noch einiges tut, heißt Reinhard Vanhöfen. Der großgewachsene 48-Jährige ist in Kalbach geboren, seit vier Jahrzehnten Vereinsmitglied und war schon als Knirps für den FCK am Ball. Im März haben ihn die Mitglieder zum neuen Ersten Vorsitzenden gewählt.

Vanhöfen hat den Verein in einer äußerst schwierigen Lage übernommen. Sein Vorgänger hatte viel privates Geld in den Klub gepumpt, um ihn am Leben zu halten. Als der Mann schwer erkrankte, stand der FCK vor dem Aus. „Die Finanzen waren im roten Bereich“, sagt Vanhöfen. „Es wurde jahrelang mehr ausgegeben als eingenommen.“

Zukunftskonzept in Arbeit

Zusammen mit einem achtköpfigen Team erarbeitete er ein Zukunftskonzept. Und setzte radikal den Rotstift an. Das Budget der ersten Mannschaft, gerade Meister in der Gruppenliga Frankfurt-West geworden, wurde um die Hälfte reduziert, das Aufstiegsrecht in die Verbandsliga abgelehnt. Der Trainer und fast alle Spieler suchten daraufhin das Weite, doch nur so ließ sich Geld sparen. Vanhöfen nennt keine Zahlen, betont aber, dass das Geld, das in die erste Mannschaft investiert wurde, über 50 Prozent des gesamten Vereinsbudgets ausgemacht habe. „Das lag deutlich über dem, was wir uns erlauben können.“

Doch Reinhard Vanhöfen hat sein Amt nicht angetreten, um seinen Heimatverein klein zu machen. Im Gegenteil, er hat noch einiges vor. So soll vor allem der etwas eingeschlafene Nachwuchsbereich wiederbelebt werden. Ein „Fördertrainer“, der mannschaftsübergreifend alle Jugendspieler im Blick hat, hat bereits angeheuert, dazu will Vanhöfen die Trainerausbildung und Trainingsplanung verbessern und Kooperationsprojekte mit Schulen anstoßen, um das Interesse der Jugendlichen im Stadtteil zu wecken.

Auch wirbt der Erste Vorsitzende im Römer dafür, die Anlage, die der Stadt gehört, auszubauen. Eine neue Geschäftsstelle soll entstehen, Basketballkörbe und Tischtennisplatten, vielleicht ein Spielplatz. Denn wer keine Lust auf Fußball hatte, dem wurde beim FC Kalbach bislang eher wenig geboten. Die 1991 gegründete Tennisabteilung spaltete sich nach einigen Jahren im Streit ab. Deswegen soll auch die große Jubiläumsfeier am 8. September (ab 11 Uhr) eine für die ganze Familie sein. Mit menschlichem Tischkicker, Hüpfburg, Modellauto-Rennen und mehr.

Nicht allen der 456 Mitglieder schmeckt der Kurs, den Vanhöfen eingeschlagen hat. Manchmal bekommt er kritische Briefe oder es hängen Flugblätter am Eingangstor, auf denen steht, er richte den Verein zugrunde. „Aber es gibt auch welche, die sagen: Endlich trifft mal einer die schwierigen Entscheidungen“, sagt Vanhöfen.

Und die Bilanz der neu formierten ersten Mannschaft, die nun zum Gros aus eigenen Nachwuchskickern besteht, kann sich nach fünf Spieltagen sehen lassen: vier Siege, ein Unentschieden, Platz eins in der Tabelle.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen