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Kalbach Nur selten Brandbekämpfer

Die Freiwillige Feuerwehr rückt seit 90 Jahren vorwiegend in geflutete Keller aus. Die Einrichtung möchte sich präsentieren, auch um Nachwuchs zu gewinnen.

Alexander Horlacher,
Alexander Horlacher ist der Wehrführer der freiwilligen Feuerwehr Kalbach. Foto: Rolf Oeser

Vor 14 Jahren gab es in Kalbach einen großen Brand: Eine Scheune im Ortskern ging in Flammen auf. Manuela Franke, die Vorsitzende des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr, erinnert sich gut daran. Denn es handelte sich um den ersten Einsatz ihres damals 18-jährigen Sohns. Franke war in Sorge, denn zum Alltag gehört so ein Feuer nicht. „Das kommt nur alle 20 Jahre einmal vor“, schätzt sie.

Die Hauptaufgabe der Freiwilligen Feuerwehr in Kalbach ist eine andere: Meist rückt sie aus, um überflutete Keller abzupumpen. Deshalb sind ihre Einsätze meist unwetterabhängig. Nichtsdestotrotz hat der ehrenamtliche Löschtrupp seine Existenz einem Brand zu verdanken. Das war 1922, als die Scheune im ehemaligen „Frankfurter Hof“ Feuer fing.

Der damalige Kalbacher Bürgermeister Johann Karl Horneck rief deshalb dazu auf, eine Freiwillige Feuerwehr zu bilden. 58 Bürger folgten dem Aufruf und gründeten sich am 3. April 1927 in der Gaststätte Zur Linde an der Kalbacher Haupstraße. So kommt es, dass der Löschtrupp in Kürze sein 90-Jähriges feiert.

Die Festlichkeiten begannen bereits mit einem gut besuchten Blaulichtgottesdienst im Januar. Demnächst wird es eine Lesung mit Buchautor Martin Meyer-Pyritz, selbst Berufsfeuerwehrmann, geben. „Es ist ein runder Geburtstag und eine gute Gelegenheit, uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren“, betont Franke. Auch um Nachwuchs zu gewinnen.

Das sei heute schwieriger denn je, sagt Franke. Umso mehr investiere das Kalbacher Wehr in die eigene Kaderschmiede: die Mini- und die Jugendfeuerwehr, in denen zusammengenommen etwa 20 Mädchen und Jungen unter 17 Jahren aktiv sind. Wer älter ist, wechselt automatisch in die Einsatzabteilung.

Dort rücken 24 Männer und fünf Frauen vornehmlich aus, wenn die Berufsfeuerwehr um Hilfe bittet. Die geringe Frauenquote führt Franke auch darauf zurück, dass die Feuerwehr noch immer zu einem Großteil eine Männerdomäne sei. „Die Technik ist für viele Frauen unattraktiv“, sagt sie. Trotzdem gebe es manche ländliche Regionen, in denen mehr weibliche Mitglieder den Wehren angehören.

In Kalbach ist ein Mann der Wehrführer. Alexander Horlacher, der seit eineinhalb Jahren im Stadtteil wohnt, stieß zunächst in Karben zur Feuerwehr. Nicht nur, weil er zunächst in dem Ort in der Wetterau lebte. Sondern auch, weil er eine Schwäche für Wasserschlachten hatte. Und, weil Karben wenig zu bieten hat: Schützenverein, Fußballklub – die Klassiker eben. „Ich bin wie ein Klassensprecher“, sagt Horlacher über sein Wehrführer-Amt.

Sein Büro befindet sich im Feuerwehrhaus an der Kalbacher Hauptstraße, unmittelbar hinter dem Alten Rathaus. Der Bau von 1987 ersetzt das alte Gerätehaus, das dort 1957 errichtet wurde. Im Gebäude hängen Fotos aller bisherigen Wehrführer an der Wand. Dort lagert auch eine historische Handpumpe aus der Anfangszeit des Wehrs, für die es die Muskelkraft von vier Männern bedurfte. „Die Pumpe funktioniert leider nicht mehr“, bedauert Franke, „deshalb haben wir sie zum Museumsstück hergerichtet.“

Im Erdgeschoss des Feuerwehrhauses stehen drei Einsatzfahrzeuge: ein roter Mannschaftsbus und zwei Löschgruppenfahrzeuge, mit denen die freiwilligen Feuerwehrleute ausrücken. Weniger, um Brände zu löschen als vollgelaufene Keller leer zu pumpen.

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