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Kalbach Die Vergangenheit lebendig halten

Kurt Mathé setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass die Geschichte von Kalbach nicht in Vergessenheit gerät.

Kurt Mathé
Kurt Mathé will das Bewusstsein für die Geschichte von Kalbach stärken. Foto: Rolf Oeser

Kurt Mathé kennt sowohl das alte als auch das neue Kalbach so gut wie kaum ein anderer. Der 70-Jährige kann auf historischen Plänen des Stadtteils präzise zeigen, wo früher der Hof seines Großvaters lag, und beschreibt auch sonst die Entwicklung des einstigen Bauerndorfes gerne und mit vielen Anekdoten. „Es ist eine Verpflichtung der Alteingesessenen, das geschichtliche Bewusstsein zu erhalten“, erklärt Mathé. Alteingesessen trifft es in seinem Fall genau. Nach seinem Studium und ein paar Jahren Berufstätigkeit außerhalb der Region zog es Mathé wieder zurück nach Kalbach. „Ich wollte immer hierher zurück“, erzählt Mathé aus seiner Zeit als Student, in der er erstmals begann, sich für Geschichte zu interessieren.

Seine Familie ist Teil der mehr als 1200-jährigen Historie von Kalbach. Bis ins Jahr 1678 kann er seine Vorfahren zurückverfolgen und betont, dass die Vorzüge und Annehmlichkeiten, die wir heute genießen, von ihnen und anderen geschaffen und erkämpft wurden: „Wir stehen heute auf den Schultern der Generationen, die vor uns kamen.“ Dies dürfe nicht in Vergessenheit geraten. Mathé setzt sich daher als Vorsitzender des Bürgervereins dafür ein, die Vergangenheit des Ortes lebendig zu halten. Schon bei der Gründung des Vereins vor 25 Jahren war Mathé dabei. Das Engagement der rund 50 Mitglieder ist vielfältig: Neben einem jährlichen Programm mit wechselndem Angebot wie Ausflügen und Wanderungen bemüht sich der Verein darum, Geschichte in Kalbach sichtbar zu machen.

Dazu dient zum einen die Ausstellung im alten Rathaus, zum anderen die Beschilderung des Bonifatius-Brunnens am Riedberg. „Wir weisen damit auf die Bonifatius-Route hin, die durch Kalbach verläuft“, sagt Mathé. „Der Brunnen ist der einzige historisch nachgewiesene Ort entlang der Strecke.“ Auf dem Weg waren die Gebeine des Apostels im Frühmittelalter von Mainz nach Fulda überführt worden. Der Legende zufolge soll an der Stelle, an der die Gebeine über Nacht ruhten, die Quelle des Brunnens entstanden sein.

Der Bürgerverein fordert schon seit Langem ein Hinweisschild auf die Bonifatius-Route an der Autobahn – bisher ohne Erfolg. „Zusammen mit dem historischen Museum Frankfurt versuchen wir es jetzt erneut“, sagt Mathé. Das große Engagement für die Geschichte seines Heimatortes begründet der 70-Jährige auch damit, dass die jüngeren Kalbacher immer weniger Interesse an ihren Wurzeln zeigen würden. „Das Bewusstsein für Geschichte schwindet, weil alle heute nur noch von modernen Medien abgelenkt werden“, sagt Mathé. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würden wir einen Teil unserer Geschichte verlieren, befürchtet er. Das hätte auch für die Gegenwart Folgen: „Ohne zu wissen, wo man herkommt, kann man auch nicht wissen, wo man hin will.“

Als Beispiel für die aktuelle Bedeutung lokaler Geschichte nennt er die Diskussionen über die Flüchtlinge in Frankfurt und Deutschland. Hier könne die Vergangenheit Hinweise darauf geben, wie Herausforderungen der Gegenwart bewältigt werden könnten. „Auch in Kalbach wurden bereits früher Flüchtlinge aus dem Sudetenland und später Kriegsflüchtlinge aus dem Osten aufgenommen“, sagt Mathé. Jahrhunderte zuvor war auch die Familie von Kurt Mathé aus Frankreich geflüchtet, weil sie Hugenotten waren. In Kalbach schufen sie sich eine neue Heimat, die es bis heute geblieben ist.

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